AWO-Altenau-Klinik öffnet nach viermonatiger Schließung wieder
Noch ist es ruhig in der Klinik. Die Konzentration der Mitarbeiter ist aber schon auf die 36 Familien ausgerichtet, die am 21. April anreisen sollen. Fotos: Potthast
Altenau. Still ist es in der AWO-Altenau-Klinik und drum herum ebenso. Seit Dezember waren keine Mütter und Kinder mehr im Haus. Doch am Mittwoch, 21. April, wird es wieder trubelig. Dann reisen 36 Familien an. So zumindest ist es beabsichtigt, darauf haben sich Mitarbeiter sowie Gäste eingestellt. Doch in Corona-Zeiten sind Planänderungen nicht unüblich.
An die Belegung im Dezember hätte sich die nächste im Januar angeschlossen. Doch, wie Anna-Lena Knop als Leiterin der AWO-Altenau-Klinik sagt, sei eine Information aus dem niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung eingegangen. Danach hätten die kurenden Mütter ihre Mahlzeiten coronabedingt nicht mehr im Speisesaal einnehmen dürfen, sondern auf ihren Zimmern. Das, so Anna-Lena Knop, sei nicht Sinn einer Kur. Zudem wäre für einen solchen Ablauf mehr Personal erforderlich gewesen.
Gemeinschaft zu erleben mit anderen Müttern, die in einer ähnlich belasteten Lebensphase stecken, ist Bestandteil einer Kur. Damit das auch während der Pandemie möglich ist, war bereits im vergangenen Jahr das Kohorten-Konzept in Anwendung. Mütter und ihre Kinder wurden einander zugeteilt und durchliefen die Anwendungen und Therapien gruppenweise, hätten ihre Unterkünfte nah beieinander.
Damit soll eine Durchmischung verhindert werden. Im Falle einer Infektion wäre nur eine Gruppe betroffen und könnte in Quarantäne gehen. Die Leitlinie „Kohorte“ gilt diesmal schon für die Anreise. Kurenden wird ein Zeitfenster mitgeteilt, innerhalb dessen sie als Gruppe in der Klinik ankommen.
Wie schon im vergangenen Jahr gelten die Abstands- und Hygieneregeln in den Häusern sowie auf dem Gelände der Einrichtung – sie ist eine zertifizierte Klinik des Müttergenesungswerks, gehört zur „AWO Soziale Dienste Bezirk Hannover gGmbH“ und ist spezialisiert auf Stressfolge-Erkrankungen.
Drinnen wie draußen besteht weiterhin Maskenpflicht. Nur müssen es mittlerweile entweder medizinische Masken sein oder FFP-2-Masken. Dass das erforderlich sein wird, darüber werden die Mütter informiert. Auch darüber, dass ihre Kur kurzfristig wieder abgesagt werden könne – wenn es denn von höherer Stelle so entschieden würde.
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Eine PCR-Testung der Familien vorab ist notwendig, die dürfe nicht länger als 48 Stunden zurückliegen bei Anreise. Weitere Tests in der Klinik sind vorgesehen: Zeitnah bei Gästen, die einen älteren PCR-Test vorweisen können, fünf Tage nach Anreise sowie in der zweiten Kurwoche bei allen, „um Müttern und Mitarbeitern Sicherheit zu bieten“. Für Mitarbeiter gelten die coronaspezifischen Regeln genauso. Bei bestimmten Tätigkeiten, die Erst-Untersuchung beispielsweise fällt darunter, haben sie FFP-2-Masken zu tragen.
All das trägt dazu bei, dass der Klinikbetrieb unter derzeitigen Bedingungen aufgenommen werden kann. Der Bedarf nach einem Aufenthalt in einer Klinik wie der Altenauer war vor der Pandemie groß und wurde größer während der Pandemie. Vor allem wachse er mit jedem Tag, an dem eine Kindertagesstätte oder Schule geschlossen sei, sagt Anna-Lena Knop.
Dennoch sieht sie für Einrichtungen, die Mutter- oder Vater-Kind-Kuren anböten, keine gesellschaftspolitische Lobby. „Was hat uns die Pandemie gelehrt? Dass Mütter und Väter ja im Homeoffice arbeiten können…“ Eine solche Sichtweise verbessere die Situation für die Kliniken nicht. Gut hingegen sei es, dass es den Rettungsschirm gebe. Auch wenn er sich als unsichere Geschichte darstelle: Mal werde er verlängert, mal nicht.
Eine kleine finanzielle Entlastung sei die neue Regelung des Hygienezuschlags, der von den gesetzlichen Kassen unter anderem an Vorsorgeeinrichtungen gezahlt wird. „Denn somit wird der Aufwand, den wir durch die verstärkten Maßnahmen haben, besser aufgefangen“, so Anna-Lena Knop. Seit dem 1. April gelte nicht mehr die Pauschale 16Euro pro Familie, sondern 8Euro pro Person.
Nun richtet sich die Konzentration der Altenauer Klinik-Mitarbeiter erst einmal auf die 36 Familien, die bald da sein werden. Die Einrichtung wird damit zu 87 Prozent belegt sein. Vorgesehen war zunächst eine Öffnung Ende März. Doch bei den damaligen Inzidenzwerten hätten sie sich dagegen entschieden, sagt die Klinikleiterin. Mit dem 21. April legten sie einen Alternativ-Termin fest. Einige der Familien, die bereits im Januar dieses Jahres nach Altenau hätten kommen sollen, werden dann kuren können. Die anderen sind laut Anna-Lena Knop ebenfalls auf noch freie Plätze in 2021 verteilt.
Die Vorbereitungen auf die nächste Kur stehen nun an für die 38 Mitarbeiter, von denen 32 auf Kurzarbeit gesetzt, vier auf 450-Euro-Basis beschäftigt sind. Auch für die Klinikleiterin. Sie wird aber über kurz oder lang pausieren, denn sie erwartet ihr zweites Kind. Eine Elternzeit-Vertretung muss gefunden werden.
Demnächst soll im Speisesaal der Einrichtung wieder was los sein. Die Kurenden sind in Gruppen eingeteilt und werden so auch zum Essen kommen.