50 Jahre TSG-Fußball: Postmeister und junge Eintracht-Jäger – Teil 3
Die 1. Herren des BSV Bad Harzburg, Aufsteiger von der Bezirks- in die Verbandsliga 1976. Foto: Privat
Bad Harzburg. Vor einem halben Jahrhundert wurde die TSG Bündheim/Schlewecke aus der Taufe gehoben. In den folgenden Jahren feierten die TSG und der BSV Bad Harzburg große Erfolge.
Bad Harzburg. Vor 50 Jahren wurde für die Fußballer des TSV Bündheim und des SV Grün-Weiß Schlewecke ein neues Kapitel aufgeschlagen. Nach dem Zusammenschluss zur TSG Bünheim/Schlewecke begann für die Kicker beider Orte ein Höhenflug bis in die Verbandsliga. Parallel dazu verlief auch die Historie des BSV Bad Harzburg ähnlich erfolgreich. In einer Miniserie blickt die GZ auf diese bewegte Zeit im kurstädtischen Fußball zurück.
Parallel zur TSG Bündheim/ Schlewecke (siehe Teil 1 und 2 der Miniserie) durchlief auch der Fußball in der Kernstadt Bad Harzburg eine Entwicklung mit Höhen und Tiefen. Neben dem 1924 gegründeten Harzburger SC wurde 1950 der Post-SV BSV Bad Harzburg aus der Taufe gehoben, der seine Spielstätte an der Kirchstraße in unmittelbarer Nähe zur Lutherkirche hatte. Das erste Derby zwischen dem Harzburger Sport-Club und dem jungen Ballsportverein konnte übrigens der BSV für sich entscheiden.
Die nächste Zäsur ließ nicht lange auf sich warten. 1953 löste sich der Harzburger SC auf, und seine Mitglieder traten dem BSV Bad Harzburg bei. Sportlich mussten die Schwarz-Gelben nach den Statuten ganz unten, also in der 2. Kreisklasse, anfangen, doch ging es ohne Umwege direkt in die 1. Kreisklasse, und nur eine Spielzeit später stieg der BSV nach der Saison 1951/52 als Kreismeister in die Bezirksklasse auf, wo er ebenfalls Staffelmeister wurde. In der Aufstiegsrunde zur Bezirksliga scheiterten Montag, Spengler, Müller & Co. dann jedoch an Süd Braunschweig und Germania Wolfenbüttel.
Auf die nächste Staffelmeisterschaft in der Bezirksklasse mussten die Spieler und Mitglieder des BSV bis zum Spieljahr 1956/57 warten. Diesmal war die Meisterschaft allerdings automatisch mit dem Aufstieg in die Amateurliga verbunden, die die „Postler“ aber nach zweijähriger Zugehörigkeit wieder verlassen mussten. Gleichwohl sollte das Jahr 1959 noch einen der größten Erfolge der Vereinsgeschichte für den BSV bereithalten. Die Kurstädter gewannen bei der Endrunde in Nürnberg sensationell das Endspiel um die Deutsche Post-Meisterschaft gegen den Post-SV Koblenz, und Kapitän Klaus „Antek“ Nimser konnte aus den Händen des damaligen Bundespostministers Richard Stücklen den Wanderpokal für die Postmeisterschaft entgegennehmen.
Nach dem Abstieg in die Bezirksklasse schaffte die Mannschaft um Heiduk, Lüders, Homann, Abel, Nimser und Bues den Wiederaufstieg in die Bezirksliga. 1968 musste der BSV seinen Sportplatz an der Kirchstraße mit Blick auf die Lutherkirche räumen. Grund war der Neubau der B4. Ein schmerzlicher Verlust. Klar, auf der Vorzeige-Anlage an der Waldhöhe ist alles größer und neuer, doch war an der Kirchstraße mit seinen weiß angemalten Postbussen als Umkleidekabinen irgendwie alles gemütlicher. „Ein Stück Heimat“ ging verloren.
Der nächste Aufstieg in die Bezirksliga, die man zwischenzeitlich wieder verlassen musste, war 1973 fällig. Für diesen sportlichen Erfolg zeichnete die von „Ocko“ Müller trainierte Mannschaft um Elbin, Frankenstein, Raupach, Winter und Ramola verantwortlich.
Vor der Saison 1973/74 gelang es dem BSV-Vorstand um Günter Rosenberg, Ex-Bundesliga-Profi Dieter Fern als Spielertrainer zu verpflichten. Der neue Coach, der unter anderem für die Offenbacher Kickers und Arminia Bielefeld aktiv war, begeisterte seine Schützlinge beim BSV und später auch bei der TSG Bündheim/ Schlewecke mit neuen Trainingsmethoden, bei denen die Arbeit mit dem Ball im Vordergrund stand. Es wurde eine erfolgreiche Zusammenarbeit, die 1976 mit dem Aufstieg in die Verbandsliga gekrönt wurde. Neben Fern gehörten Rolf Lüders, Günter Casties, „Ritschi“ Dubrovskis, „Charly“ Pieck, Eckhard Supinski, „Berni“ Müller, „Elle“ Elbin, Manni Winter, Peter Ziegler, Ulli Hartung, „Mike“ Ramola, „Seppel“ Raupach jr. und Holger Hartung zum Aufstiegsteam. Leider konnte die Liga nicht lange gehalten werden. 1978 ging es in die Bezirksliga zurück, und ein Jahr später musste der BSV sogar den bitteren Weg in die Bezirksklasse antreten.
Ein Rückblick auf den Fußball im BSV wäre natürlich unvollständig, würden die herausragenden Erfolge der Bezirks-A-Jugend aus den 1960er-Jahren fehlen. Nach dem Gewinn des Stadt-, Kreis- und Bezirkspokals mit einem bemerkenswerten Finalsieg gegen Eintracht Braunschweig, brachten Bunk, Fischer, Loof, Peinemann, Zahlten, Brinkmann, Mellin, Geisler, Montag, Fischer, Hartung, Diosegi, Krusenbaum und Meyer in der Spielzeit 1963/64 das Kunststück fertig, als Bezirksligameister (unter anderem wurde die A-Jugend von Eintracht Braunschweig nach einem 0:3 im Hinspiel vor 20000 (!) Zuschauern im Eintracht-Stadon, im Heimspiel mit 3:1 bezwungen), den dritten Platz in der Niedersachsenmeisterschaft zu erringen. Mit „Pelo“ Loof schaffte aus dieser Jugend ein Spieler später sogar den Sprung zu den Bundesliga- Profis von Hannover 96.
Auch Damenfußball wurde beim BSV von Ende der 1960er bis Anfang der 1970er gespielt. Aber nur als Hobby. Highlight war das Freundschaftsspiel gegen die Handball-Damen der TSG Bündheim/Schlewecke vor 1000 Zuschauern auf dem Sportplatz an der Rennbahn, dass mit 2:4 verloren wurde.
Die Aufzählung der Namen in dieser GZ-Miniserie über den Fußball in der TSG und dem BSV kann und will keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Im Mittelpunkt standen vor allem die größten Erfolge der Akteure aus Bündheim, Schlewecke und Bad Harzburg.
Erwähnt seien an dieser Stelle alllerdings noch zwei Originale des Kurstadt-Fußballs. Zum einen Albert Biel, Allzweckwaffe der TSG im Vorstand und als Trainer der 1. und 2. Herren, sowie „Ocko“ Müller vom BSV, der für die Schwarz-Gelben mehr als 800 Spiele absolvierte und später auch die 1. Herren trainierte.
Alle Spieler der TSG und des BSV, von der Jugend bis zu den Alten Herren und Damen, die nicht namentlich erwähnt wurden, haben mit ihrem Einsatz natürlich ebenfalls dazu beigetragen, die TSG weit über die Stadtgrenzen hinaus zu einem erfolgreichen Verein zu machen.
Die A-Jugend des BSV nach dem Gewinn der Bezirksmeisterschaft mit einem Heimsieg gegen Eintracht Braunschweig. Foto: Privat
Der alte BSV-Sportplatz an der Kirchstraße mit der Lutherkirche im Hintergrund in den 1960er-Jahren. Foto: Privat