GZ-Archiv

Jörg Müller (li.) hat ein Loch in das verschweißte Folienzelt rund um den Polter geschnitten. Mit einem Sauger ziehen nun die Forstmänner die Luft darunter heraus. Fotos: Gereke

Jörg Müller (li.) hat ein Loch in das verschweißte Folienzelt rund um den Polter geschnitten. Mit einem Sauger ziehen nun die Forstmänner die Luft darunter heraus. Fotos: Gereke

Ostlutter. Die Christos der Wälder sind wieder aktiv: Tausende Festmeter Fichtenholz werden im Forstamt Seesen in Folie eingeschweißt, um das Holz zur Preisstabilisierung vom Markt zu nehmen und vor dem Borkenkäfer zu schützen. Einer dieser Lagerplätze entsteht bei Ostlutters alten Sandsteinbrüchen.

Von Andreas Gereke 25.09.2018, 18:10 Uhr

„Biologische Holzkonservierung in Folie“ lautet das Schlagwort für das Projekt, auf das auch ein erklärendes Schild aufmerksam macht. „Angesichts des Preisverfalls für Fichtenholz nach dem Überangebot durch den Windwurf, den Orkan Friederike angerichtet hat, wollen wir weiteres Holz vom Markt nehmen. Mit dieser Methode können wir es etwa vier bis fünf Jahre einlagern“, sagt Michael Thätner vom Forstamt Seesen. An anderer Stelle werden es auch gefällte Fichten sein, in deren Kronen der Kupferstecher, eine Borkenkäferart, schon Schäden angerichtet hat.

Aber es ist mit einer gehörigen Portion Aufwand verbunden. Und deshalb etwa doppelt so teuer wie die Wasserlagerung – für die ist es aber schwer, eine Genehmigung zu bekommen, so Thätner, und Wasser gab es in diesem Jahr bekanntlich auch nicht im Überfluss. „Wir kalkulieren mit Kosten von 20 Euro pro Festmeter, das ist etwa ein Viertel des Fichtenfestmeterpreises, den wir in normalen Jahren erzielen können“, erklärt Thätner.

Um den Holzpolter in Folie einzuschweißen, wird zunächst der Untergrund vorbereitet, um eine ebene Fläche zu schaffen. Darauf kommt ein Vlies und zweilagige Folie, auf die dann der Polter errichtet wird. Über den Polter wird dann ein Netz verlegt, damit die Kanten des Holzes nicht die beiden Folienlagen einreißen, die über den Polter kommen. Im Anschluss werden die Folienbahnen ringsum zusammengeschweißt. „Bei den derzeitigen Temperaturen erhitzen wir das Gerät auf rund 290 Grad Celsius“, erläutert Jörg Müller vom Forstamt Riefensbeek. In diesen verschweißten Packen wird noch mal ein Loch geschnitten, um mit einem umgebauten Laubpuster möglichst viel Luft herauszusaugen. Ziel ist es, einen möglichst sauerstoffarmen Raum zu schaffen. „Das müssen wir vierzehntäglich überwachen –und wenn der Sauerstoffgehalt ansteigt, müssen wir uns auf die Suche nach dem Leck in der Folie machen“, so Thätner. Damit die Folie möglichst unbeschadet bleibt, kommt am Ende ein Vogelnetz darüber, um Piepmätze abzuhalten. „So eins, in die man auch Kirschbäume hüllt“, vergleicht Müller.

Im Vergleich zur Frühjahrsaktion ist die jetzige viel aufwendiger. Damals war einfach Folie nur über die Polter gelegt worden. „Das war für Einsteiger, nun gibt es das Verpacken für Fortgeschrittene“, beschreibt Thätner die Arbeit der „Woodpacker“, also der Holzverpacker. Landesforstenweit sind im südlichen Niedersachsen – Harz und Solling – bislang 120.000 Festmeter eingelagert, die eine Hälfte im Wasser, die andere unter Folie. „Jetzt kommen noch 30.000 Festmeter dazu“, sagt Thätner.

Forstarbeiter Uwe Kassebaum stabilisiert an den Enden den Holzpolter, damit die Stämme nicht wegrollen können.

Forstarbeiter Uwe Kassebaum stabilisiert an den Enden den Holzpolter, damit die Stämme nicht wegrollen können.

Mit diesen Infotafeln wollen die Landesforsten Wanderer informieren.

Mit diesen Infotafeln wollen die Landesforsten Wanderer informieren.

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!