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<p>Aus dem Rennen: Die Bahntochter RBB, die bisher den Großteil des regionalen Busverkehrs im Landkreis Goslar betrieben hat, verliert den Auftrag für 17 Harzer Linien an die junge Harz-Bus-Gesellschaft. Foto: Epping</p>

<p>Aus dem Rennen: Die Bahntochter RBB, die bisher den Großteil des regionalen Busverkehrs im Landkreis Goslar betrieben hat, verliert den Auftrag für 17 Harzer Linien an die junge Harz-Bus-Gesellschaft. Foto: Epping</p>

Harz/Hannover. Für die Verantwortlichen der Regionalbus Braunschweig (RBB) ist es ein schlechtes Zeugnis und für die Beschäftigten eine bittere Nachricht: Der Zuschlag für elf Buslinien im Landkreis Goslar geht zunächst an die noch junge Harz-Bus-Gesellschaft. Über sechs weitere Linien wird voraussichtlich kommende Woche entschieden.

Von Oliver Stade 08.03.2019, 14:53 Uhr

Bisher hatte für die sechs offenen Linien, die vorrangig den Oberharz betreffen, nur die Harz-Bus ein Angebot abgegeben. Am Freitag, als die Bewerberfrist auslief, reichte auch die RBB eines ein.

Für die Öffentlichkeit kommt die Entscheidung über die bereits vergebenen zwölf Linien durchaus überraschend, für die Beteiligten zeichnete sie sich seit einigen Wochen ab. „Harz-Bus hat das bessere Verkehrsangebot“, sagt Rainer Peters, Sprecher der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) in Hannover. Die RBB hätte den Fahrplan deutlich ausgedünnt. An den Wochenenden wären „fast keine“ Busse mehr gefahren.

Harz-Bus hingegen wolle alle Linien aufrechterhalten. An den Wochenenden indes sollen die Busse nicht unentwegt fahren, sondern bei Bedarf und per Rufbereitschaft – ein Verfahren, wie es der Eco-Bus erprobt hat.

Die Freude über den einstweiligen Zuschlag bei der Harz-Bus-Gesellschaft ist groß. Das Unternehmen hat sich erst vor einigen Wochen gegründet, als bekannt geworden war, dass die RBB die Konzession zurückgeben will. Hinter Harz-Bus stehen Pülm-Reisen aus Seesen, das Reisebüro Schmidt aus Salzgitter und die Verkehrsbetriebe Bachstein aus Hornburg. Das Unternehmen muss nun in kurzer Zeit den Betreiberwechsel hinbekommen, um die Linien zwischen Goslar, Bad Harzburg, Seesen, Clausthal, Braunlage und Salzgitter zu bedienen. Den RBB-Busfahrern bot Harz-Bus an, sie zu übernehmen. Die Leidtragenden des Betreiberwechsels sind die Angestellten. Die RBB beschäftigt in Goslar 100 Mitarbeiter, das Unternehmen wurde 1989 gegründet. Die Geschäftsführung hatte Anfang dieses Jahres mitgeteilt, die 17 Linien nicht mehr wirtschaftlich betreiben zu können und bat bei der LNVG, ihr die Konzession zu entziehen.

Wäre kein Konkurrent auf den Plan getreten, hätte die RBB als einziger Anbieter per sogenannter Notvergabe ein deutlich verbessertes Angebot erwarten können. Am22. Februar aber teilte die Harz-Bus-Gesellschaft mit, alle 17 Linien übernehmen zu wollen. Am selben Tag ging bei der LNVG ein Angebot der RBB ein. Sie wolle unter veränderten Rahmenbedingungen weiter im Kreis Goslar unterwegs sein.

„Von Rückzug kann keine Rede sein“, tat das Unternehmen Tage später kund. RBB-Niederlassungsleiter Alexander Siems und Betriebsratsvorsitzender Torsten Ledig wurden mit den Worten zitiert: „Wir kämpfen um den Erhalt der Arbeitsplätze mit einem sinnvollen Verkehrskonzept für den Harz.“

Das Verhalten der Regionalbus-Verantwortlichen wirkt indes wie eine Rolle rückwärts, die wegen der unerwarteten Konkurrenz vollzogen wurde. LNVG-Sprecher Rainer Peters nennt die Bitte um den Entzug der Konzession, um Wochen später ein Angebot vorzulegen, unüblich und ungewöhnlich. Seit die LNVG im Jahr 2005 Genehmigungen erteilt, habe es einen solchen Fall noch nicht gegeben.

Die aktuelle Vergabe der zunächst zwölf Linien erfolgt per einstweiliger Erlaubnis und gilt vorerst für ein halbes Jahr. In dieser Zeit prüft die LNVG die Anträge intensiver und schaut auf die Wirtschaftlichkeit. In sechs Monaten soll eine Entscheidung getroffen werden, die für zehn Jahre gilt. Dann könnte die RBB wieder zum Zuge kommen.

Elf Buslinien im Landkreis Goslar wurden zunächst für die Dauer von sechs Monaten neu an die Harz-Bus-Gesellschaft vergeben. Über sechs weitere Linien will die Landesnahverkehrsgesellschaft in Hannover voraussichtlich Ende kommender Woche entscheiden. Bisher gab es nur ein Angebot von Harz-Bus. Am Freitag zum Fristablauf legte auch die RBB eines vor. Es geht um folgende Strecken:

  • Goslar, Hahnenklee, Clausthal-Zellerfeld (Linie 830)
  • Goslar, Lautenthal, Clausthal-Zellerfeld, Altenau (831)
  • Clausthal-Zellerfeld, Altenau, St. Andreasberg (840)
  • Schulenberg, Clausthal-Zellerfeld (841)
  • Stadtverkehr Clausthal-Zellerfeld (842)
  • Altenau, Oker, Goslar (861)
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