Helga Hemler harkt ihr Blumenbeet in der Gartenanlage Roseneck. Sie bewirtschaftet mit ihrem Mann seit Anfang der 1960er-Jahre ihre Parzelle. Fotos: Borchers
Clausthal-Zellerfeld. Die Gartensaison hat ihren Höhepunkt erreicht. Vieles kann schon geerntet werden. Wie viel es zu tun gibt, zeigt sich derzeit im Kleingartenverein Roseneck in Clausthal-Zellerfeld.
Schnecken und Wühlmäuse machen den Hobbygärtnern in Clausthal-Zellerfeld in diesem Jahr die Ernte streitig. Im Garten von Sylvia Koppermann hat eine Wühlmaus sich mitten durch eine Steckrübe gefressen. „Die hat sich ein Eingangstor zu ihrem Gängesystem gemacht“, sagt die stellvertretende Schriftführerin des Kleingartenvereins Roseneck noch immer fassungslos und deutet auf die Rübe.
Auch Herbert und Helga Hemler haben in ihrem Garten Wühlmäuse. Auf den Gemüsebeeten sieht man deutliche Lücken. Aber Helga Hemler nimmt das gelassen: „Man kann die ja nicht mit Gift bekämpfen, wenn man das restliche Gemüse noch essen will.“ Und für die Schnappfallen, die es im Fachhandel und in Baumärkten gibt, sei diese Sorte Mäuse zu groß. Schermäuse seien fast so groß wie Ratten, erklärt ihr Mann.
Im Garten der Hemlers, den schon Herbert Hemlers Vater (er war Gründungsmitglied des inzwischen im 76. Jahr bestehenden Vereins) bewirtschaftete, wachsen neben vielen bunten Blumen Mangold, Buschbohnen, Zwiebeln, verschiedene Kohlsorten und Salat. Die Himbeeren an der Gartengrenze sind schon abgeerntet, die mehr als 50 Jahre alten Brombeerpflanzen haben gute Fruchtansätze, die nun noch Sonne brauchen, um zu reifen.
Wintergemüse bauen die Hemlers inzwischen nicht mehr an. Aber einige ihrer Nachbarn haben noch Grünkohl im Garten, den sie in den Wintermonaten von den Beeten holen. Wenn nicht, wie im vergangenen Jahr, Diebe über den Zaun steigen und die Ernte selbst mitnehmen.
61 Gärten gibt es in der Anlage Roseneck, davon stehen nach Angaben von Schriftführerin Jutta Sitzenstock zurzeit fünf leer. Interessenten dafür werden gesucht. Aber das sei nicht einfach, sagt Kassenwart Burkhard Sitzenstock, trotzdem die Anlage über Strom- und Trinkwasseranschluss verfüge. Dabei seien besonders Familien mit Kindern in der Anlage willkommen.
Der Verein macht nach Angaben der drei Vorstandsmitglieder gerade einen Generationswechsel durch. Das zeige sich nicht nur daran, dass in den vergangenen Monaten mehrere junge Leute einen Garten pachteten, sondern auch an einer Internetpräsenz auf der Homepage des Landesverbandes der Gartenfreunde Braunschweig. Diese werde gerade aufgebaut.
Im Garten der Familie Koppermann, die erst vor einem Jahr zu dem Verein kam, verbringen Töchter, Sohn und Vater ihre Zeit, während Mutter Sylvia den Besuch von der GZ mit durch die Anlage führt. Die Familie fühle sich im Verein sehr wohl, sagt Sylvia Koppermann. „Hier sagt keiner etwas, wenn die Kinder beim Toben etwas lauter sind“, merkt sie an. Auch die Tatsache, dass die Gartenfreunde untereinander Samen und Pflanzen tauschen, und dass Erfahrene den Neulingen gerne mit Rat und Tat beiseite stehen, findet sie sehr gut.
Jutta Sitzenstock und ihr Mann bewirtschaften einen Garten, der hauptsächlich ihren Lieblingspflanzen, den Rosen, gewidmet ist. Aber auch in diesem Garten wächst auf einem Beet Gemüse. „Die Anbauflächen schreibt das Kleingartengesetz vor“, sagt sie und findet das auch in Ordnung. Denn nur deshalb seien die Pachten in Kleingartenanlagen so niedrig zu halten, auch wenn die gesetzliche Aufteilung in je ein Drittel Nutz-, Erholungs- und Ziergarten fast nirgends mehr gar so streng gesehen werde.
Jutta Sitzenstocks Lieblinge sind die Rosen in ihrem Garten.
Herbert Hemler gießt die Geranien auf der Laubenterrasse.
Ein Gartenpächter hat einen idyllischen Sitzplatz geschaffen.