<p>Um in den Airbus 340 zu gelangen, wird der Wasserstoffperoxid-Generator über einen Hubwagen in das Flugzeug gebracht. Fotos: Michael Trenkner</p>
Sie sehen wie Kühlschränke aus, rechteckig, unhandlich und 250 Kilogramm schwer. Sie besitzen zwei Schläuche, die als Verbindungsstücke dienen. Doch ihr Inhalt besteht nicht aus Lebensmitteln.
Vielmehr beinhalten sie ein Gas, das gleichermaßen gesundheitsschädigend wie dekontaminierend wirkt. Die Rede ist von sogenannten Wasserstoffperoxid-Generatoren – eine klangvolle Erfindung, die im Ebola-Spezialairbus der Lufthansa zum Einsatz kommen soll. Sie stammt vom gebürtigen Bad Harzburgers Michael Trenkner.
Denn auch wenn Ebola bereits aus vielen Medienberichten verschwunden ist, besteht das Infektionsrisiko in Afrika weiter und damit auch die Gefahr für medizinische Helfer, sich anzustecken. Umso wichtiger ist es, den Infizierten auch während des Fluges in eine deutsche Spezialklinik die nötige Behandlung zukommen zu lassen – und das, ohne andere Personen zu gefährden.
Genau da kommt Michael Trenkners Erfindung ins Spiel: Der Gründer der PEA GmbH, der Pharma- und Elektrotechnik Anlagenbau GmbH in Neuwied, hat sich und seinem Unternehmen schon vor Jahren den Wasserstoffperoxid-Generator patentieren lassen. Seit 1990 gibt es laut Trenkner das Wasserstoffperoxid-Verfahren, die dazugehörige Maschine erfand er neun Jahre später und meldete im Jahr 2000 das Patent an. Die Erfindung ist also nicht speziell für Ebola-Fälle gemacht worden, gewinnt durch den zusätzlichen Nutzen aber nur stärker an Bedeutung. Denn mithilfe der Generatoren werden Isolierzelte äußerst sorgfältig desinfiziert.
Doch was bewirken Wasserstoffperoxid-Generatoren überhaupt? „Wasserstoffperoxid ist Wasser mit einem Sauerstoffatom mehr – also ein Gas, das sehr korrosiv wirkt“, erklärt Michael Trenkner. „Es tötet Keime beziehungsweise Mikroorganismen ab, indem es dort zum Zelltod führt“, so Trenkner. Das bedeutet aber, dass die Gewebe zerstörende Funktion von Wasserstoffperoxid auch für Menschen schädlich sein kann. Personen dürfen sich daher bei der Begasung eines zu desinfizierenden Raums nicht darin aufhalten.
Der Wasserstoffperoxid-Generator wird auf Rollen an einen hermetisch abgeriegelten Raum gefahren. Durch zwei Schläuche auf der Rückseite des Gerätes wird er dann mit dem zu desinfizierenden Raum verbunden. Dadurch entsteht ein geschlossener Kreislauf, aus dem zunächst die Luft gezogen und getrocknet wird. Die Räume haben eine Luftfeuchtigkeit von circa 60 Prozent, durch das Trocknen wird diese auf 50 Prozent reduziert. Anschließend wird das gasförmige Wasserstoffperoxid mit der trockeneren und damit wasserärmeren Luft in den Raum gepumpt. Die Gaskonzentration hält eine Weile vor, bis die Luft über einen internen Katalysator geführt und das zerstörerische Gas zu Wasser und Sauerstoff abgebaut werden kann. Die Keime wiederum sind in diesem Moment bereits restlos abgetötet.
In dem Spezialairbus der Lufthansa geschieht diese Verbindung und Begasung in dem speziell ausgebauten Innenraum des A340. „Im Prinzip ist das Flugzeug Intensiv- und Isolier-Station in einem“, erklärt Trenkner. Dafür wurden die Sitzreihen im Inneren des Flugzeugs, auf denen sonst knapp 300 Menschen Platz haben, entfernt und durch drei isolierende Zeltbereiche ersetzt. „Für die Lufthansa haben wir drei spezielle Generatoren gebaut, da jedes Isolierzelt dekontaminiert werden soll“, so Trenkner.
Wenn nun der Fall eintreten würde, dass ein infizierter Helfer aus Afrika in eine Berliner Klinik gebracht werden müsste, dann hätte das PEA-Team knapp 27 Stunden Zeit, ebenfalls in der deutschen Hauptstadt einzutreffen. Das Flugzeug würde währenddessen nach Afrika fliegen, auftanken, den Patienten an Bord holen und sich schließlich auf den Rückweg nach Berlin machen. Obwohl dies unter strengen Sicherheitsvorkehrungen geschieht – die versorgenden Ärzte tragen beispielsweise Schutzanzüge – werden die Räume durch ansteckende Keime des Ebola- Patienten kontaminiert. Trifft der Airbus also am Ziel ein, muss so schnell wie möglich von Trenkners Team die achtstündige Dekontaminierung durchgeführt werden. „Bisher ist dieser Fall aber noch nicht eingetreten, der Generator kam noch gar nicht zum Einsatz“, so Trenkner. Sein Unternehmen PEA erstreckt sich auf 3500 Quadratmetern in Neuwied und hat circa 40 Beschäftigte. Für den Bau des Wasserstoffperoxid-Generators seien laut Geschäftsführer allerdings nicht mehr als drei Leute nötig gewesen.
Der große Vorteil des desinfizierenden Wasserstoffperoxid-Gases liegt in den Rückständen: Wenn sich das Gas mit dem chemischen Zeichen HO zersetzt, bleibt nichts anderes übrig als Wasser und Sauerstoff. Anders sieht es bei dem früher benutzten Formaldehyd aus. „Der Abbau von Aldehyd ist schwierig, da nach der Begasung ein weißes Pulver ausfällt“, erklärt Trenkner. „Dieses Pulver gilt als stark krebserregend, weshalb man für jede Begasung eine Genehmigung braucht“. Da solche Genehmigungen eine gewisse Prüfzeit benötigen, ist der Aufwand, um Formaldehyd zu verwenden, enorm. In Ebola-Fällen, bei denen schnell gehandelt und desinfiziert werden muss, sind sie daher keine Alternative.
Bis die Wasserstoffperoxid-Generatoren allerdings womöglich gebraucht werden, sind sie in Trenkners Unternehmen in Neuwied eingelagert. Und eigentlich hofft der Geschäftsführer, dass der Einsatz gegen Ebola nie notwendig wird. Vorbereitet ist das Team allemal.
Mit Schläuchen werden die Generatoren an die abgeschlossenen Isolierzelte verbunden. Aus ihnen wird das Gas in den Raum gepumpt.
Absperrungshinweise: Hier darf keiner in die Zelte durch, wenn desinfiziert wird.
Michael Trenkner gründete 1991 die PEA GmbH und ist seither Geschäftsführer.