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Goslarer Schulobergrenzen

GZ Plus IconFünftklässler: CvD-Losverfahren sorgt für jede Menge Ärger

Der Rekord bleibt unerreicht: Im August 2024 ziehen sechs fünfte CvD-Klassen ins neue Schulzentrum Goldene Aue ein.

Der Rekord bleibt unerreicht: Im August 2024 ziehen sechs fünfte CvD-Klassen ins neue Schulzentrum Goldene Aue ein. Foto: Schlimme (Archiv)

130 Meldungen für nur 108 Plätze: Weil das CvD-Gymnasium die Obergrenze deutlich gerissen hat, wird gelost: Wer darf nicht kommen? Eltern betroffener Kinder sind erbost. Missstimmung gibt es auch zwischen Schulträger und Schulleitung.

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Von Frank Heine
Freitag, 16.05.2025, 19:45 Uhr

Goslar. „Ich werde wirklich alle Register ziehen, um gegen dieses Losverfahren vorzugehen.“ Die Mutter aus Sudmerberg, deren Kind bereits ein Jahr lang über den Hochbegabtenverbund an einzelnen Unterrichtsstunden am CvD-Gymnasium teilnimmt, kann es immer noch nicht fassen, dass dort plötzlich kein Platz mehr für ihren Sohn sein soll. Er ist einer von 22 Viertklässlern, die die Schulleitung am Mittwoch ausgelost hat. Bei am Ende 130 Anmeldungen wurde die vom Kreistag verordnete Obergrenze von 108 Kindern wie berichtet deutlich gerissen.

„Ich bin schockiert und verletzt“, sagt die Mutter, die nicht nur bei Direktor Martin Ehrenberg und Erstem Kreisrat Frank Dreßler Widerspruch eingelegt, sondern auch einen Härtefallantrag gestellt hat. Am Freitag hat sie einen Termin beim Rechtsanwalt. Ihr Sohn, erklärt sie, stehe jetzt auf Platz fünf einer Warteliste. Aber wann kann er nachrücken? Nur, wenn eines der 108 gesetzten Kinder verzichtet? Dann wiederum stellt sich die Frage nach dem Warum.

Klassen, Zahlen, Grenzen

So sieht es letztlich auch Schulleiter Ehrenberg. Als das CvD-Gymnasium im Vorjahr mit 158 neuen Fünftklässlern einen neuen Rekord erreicht hatte und eine Obergrenze durch den Landkreis als Schulträger diskutiert wurde, sei klar gewesen, dass aufgrund der Platzkapazitäten eine Begrenzung kommen müsse. „Ich habe aber auch immer gesagt, dass wir in diesem Jahr noch fünf fünfte Klassen unterbringen können“, beteuert Ehrenberg. Die Politik beschloss am Ende dennoch eine Obergrenze von vier Klassen mit 108 Kindern. Wobei nach dem in Niedersachsen seit August 2011 geltenden Klassenbildungserlass des Kultusministeriums bis zu 30 Schüler pro Klasse am Gymnasium vorgesehen sind. Und wenn die Schulbehörde es genehmigt, kann in einer fünften Klasse sogar noch einer obendrauf kommen. Macht nach Adam Riese maximal 124 Plätze bei vier Klassen. Ein Kontingent muss aber für mögliche Wiederholer freigehalten werden. Aber 17 CvD-Schüler, die Klasse fünf noch einmal angehen? Sicher nicht, sagt Ehrenberg, zumal schon aufgrund von Warnzeiten absehbar sei, wohin die Reise gehe.

„Wir haben jetzt auch noch einmal um jeden Schüler bis zur letzten Minute gekämpft – leider erfolglos“, erklärt Ehrenberg. „Für uns geht es nicht nur um Zahlen, sondern um jedes einzelne Schicksal – was tun wir damit den Kindern an?“, fragt er rhetorisch. Es wurde noch einmal hin und her telefoniert. Der Landkreis habe aber aufs Losen und die harte 108er Grenze bestanden. Moment: Hatte Kreisrat Dreßler nicht im November des Vorjahres im Schulausschuss selbst noch erklärt, für knifflige Fälle pragmatische Lösungen zu finden? Ende vom Lied: „Wir haben 21 Geschwisterkinder aussortiert, die nach Schulgesetz gesetzt sind – alle anderen kamen in den Topf.“ Die Eltern der 22 ausgelosten Kinder bekamen noch am selben Tag Bescheid. Die Glücklichen müssen warten. Auf Anraten der Behörde soll den 108 Kindern der CvD-Platz erst nach Ablauf einer Frist von zwei Wochen bestätigt werden. „Wir sind auch daran interessiert, eine nach besten Wissen und Gewissen rechtssichere Lösung zu finden“, betont Ehrenberg.

Merkwürdiges Astfelder Lospech

Natürlich gab es Proteste von Eltern. Eine Mutter aus Astfeld meldet genau wie die Mutter aus Sudmerberg bei der GZ ihren Widerstand an und will sich rechtlich beraten lassen: „Ich bin bereit zu kämpfen.“ Beide wollen ihre Kinder vorerst nicht an einem anderen Gymnasium anmelden. „Das kann doch nicht sein: Von sechs Astfelder Kindern war eines Geschwisterkind, fünf kamen in den Lostopf, drei wurden rausgelost?“ Die Astfelderin findet ein solches Verfahren unangemessen und unfair. Bis hinauf zum Kultusministerium habe sie Widerspruch eingelegt. Felix Schrader aus Astfeld ist Vater eines betroffenen Sohnes. Er hat dem Landkreis geschrieben und erwartet „zeitnah alle notwendigen Maßnahmen in die Wege zu leiten“, um fünf fünfte Klassen einzurichten. Denn: „So können Sie zeigen, dass der Landkreis tatsächlich familienfreundlich und zukunftsorientiert ist und sich nicht nur leere Phrasen auf die Fahnen schreibt.“

Kriterien auf den Prüfstand stellen

Wie auch immer: Isabell Bessendorf und Patrick Angerstein haben ihre ausgeloste Tochter zwar inzwischen vorsichtshalber am Ratsgymnasium angemeldet. Bessendorf will aber nichts unversucht lassen, ihr Kind noch am CvD-Gymnasium unterzubringen. „Wir wohnen am Georgenberg, ich arbeite in einer Zahnarztpraxis direkt gegenüber der Schule, meine Tochter hat nur Einsen und Zweien auf dem Zeugnis.“ Solche Kriterien müssten doch auch Beachtung finden, wenn gelost werde. „Ich bin aber entsetzt, dass es überhaupt so ein Verfahren gibt“, sagt sie. Das CvD sei die Wunschschule ihrer Tochter, die sie gewählt habe, obwohl ihre Freundinnen ans Ratsgymnasium gingen.

Dort hatte das CvD-Auskehren schon erste Auswirkungen. RG-Direktor Hans-Peter Dreß hatte sich bei 75 Schülern am Montag noch über eine Punktlandung gefreut. Drei Klassen seien eine Größenordnung, die gut zur Schule passe. Es habe inzwischen einige Nachmeldungen gegeben. „Wir können aber auch gern vier schöne kleine Klassen haben“, sagte Dreß am Donnerstag. Das Ratsgymnasium hat selbst auch eine Obergrenze, die bei 96 Fünftklässlern liegt und in dieser Runde wohl nicht mehr angekratzt wird, aber anders als das CvD kein Ganztagsangebot.

Wie geht es weiter? Zunächst einmal mit einer Sitzung des Schulausschusses. Wenn das Gremium am Mittwoch, 21. Mai, ab 16 Uhr in der Oberschule an der Deilich in Bad Harzburg tagt, stehen die Anmeldezahlen zwar nicht explizit auf der Tagesordnung. Dass es aber zu einer politischen Diskussion nach einer Verwaltungsmitteilung kommt, dürfte so sicher wie das Amen in der Kirche sein.

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