Wie Autofahrer im Harz bei Schnee, Eis und Nebel sicher bleiben
Lutz Meier leitet zwei Fahrschulen im Harz und gibt Tipps für einen sicheren Winter. Foto: Müller
Das Winterwetter stellt Autofahrer vor Herausforderungen. Lutz Meier, Fahrlehrer im Oberharz, gibt Tipps und entlarvt Mythen.
Oberharz. Das Jahr beginnt mit Minusgraden und rauem Wetter, besonders im Oberharz. Mit den Schneemassen häufen sich aber auch die Warnungen für Autofahrer. Ist der Winter die gefährlichste Zeit? Und wie kommt man sicher an sein Ziel? Lutz Meier leitet die Fahrschulen Gerke in Clausthal-Zellerfeld und Braunlage. Er gibt Tipps für einen sicheren Winter im Harz.
Die Unfallgefahr je nach Jahreszeit
Vorab: Der Monat mit den meisten Unfällen und Verkehrstoten ist laut Verkehrsunfallkalender tatsächlich der Juli. Allerdings sind das absolute Zahlen, da in ganz Deutschland mehr Autos unterwegs sind. Mehr Unfälle im Sommer bedeuten nicht, dass das eigene Risiko pro Kilometer höher ist als im Winter.
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Schnee und Eis bringen Autos bildlich und wortwörtlich ins Schleudern. Das Umweltbundesamt schreibt außerdem: „Niederschlag und Nebel trüben die Sichtverhältnisse. Die Unfallgefahr ist daher in den Herbst- und Wintermonaten in der Regel höher als im Sommer.“ Rutschunfälle auf Höhen- und Steigungsstrecken werden wahrscheinlicher, andere Menschen fahren sich im Schnee fest.
Falsches Sicherheitsgefühl durch Technik
Wer im Harz unterwegs ist, soll „viel Zeit und Geduld mitbringen“, sagt Lutz Meier. Langsam zu fahren und Abstand zu halten, ist für ihn „eine Versicherung für null Euro“. Besonders Touristen unterschätzen laut dem Fahrlehrer oft Höhen und Niederungen im Harz. Geeignete Winterreifen sind hier seiner Erfahrung nach das Wichtigste. Bei allen technischen Spielereien dürfe man „nicht an der falschen Stelle sparen“. Autos werden immer moderner, aber vermitteln laut Meier teilweise ein falsches Gefühl von Sicherheit. „Physikalische Gesetze lassen sich nicht mit Technik aushebeln“, erklärt er.

Bei dichten Schneedecken, wie hier in Clausthal-Zellerfeld, ist Fahren eine Herausforderung. Foto: Neuendorf
Mit einem leisen Innenraum bekomme man weniger von außen mit, aber er mache die Straße nicht weniger glatt. „Viele verlassen sich auch auf die Lichtautomatik. Die funktioniert aber auch nicht immer, zum Beispiel bei Nebel.“ Die Grundlagen, vorausschauend zu fahren und nicht hektisch auszuweichen, müssen laut Meier sitzen. Daran erinnere er auch seine Fahrschüler regelmäßig.
Sinn und Unsinn von Schneeketten im Harz
Glätte und Schnee im Harz sind nicht zu unterschätzen. Eine Untersuchung der Allianz-Versicherung nennt die Straßen in Deutschland, auf denen die meisten Unfälle mit Personenschaden passieren. Die A7 bei Göttingen verzeichnet jeweils 10,67 zusätzliche Winterunfälle im Vergleich zum Durchschnitt der anderen Jahreszeiten.

Schneeketten wie bei diesem Winterdienstfahrzeug, sind nicht immer hilfreich. Foto: Neuendorf
Sollte man sich also gleich Schneeketten aufziehen, wenn man in den Harz fährt? Eine Pflicht gibt es in Deutschland nicht. Laut ADAC sind die nur bei fester, geschlossener Schneedecke oder stark verharschtem Schnee auf steilen Straßen sinnvoll. Das sieht auch Lutz Meier so. „Auf nasser oder leicht verschneiter Fahrbahn bringen die wenig und schaden eher.“
Befreiung mit Klappspaten und Sand
Der Fahrlehrer möchte vor allem, dass seine Fahrschüler Situationen selbst einschätzen können. Unabhängig von technischen Assistenten. Wo die Nebelschlussleuchte ist und wann man sie einsetzen darf, zum Beispiel. Wenn die Sichtweite weniger als 50 Meter beträgt, ist es erlaubt. Oder, was man tut, wenn man sich festgefahren hat. „Ich empfehle immer, einen Klappspaten und etwas Sand im Auto zu haben“, sagt Meier. Was nach Sandburgenbau klingt, kann einen schnell aus Schnee und Glatteis befreien. „Man schaufelt den Schnee weg und sorgt dafür, dass man wieder Grip unter den Reifen hat“, erklärt er. Fahrer sollten sich auch nicht davor scheuen, nach Hilfe zu fragen. Wenn eine Person mit anpackt, schiebt sich der Karren leichter aus dem Dreck.
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