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Anbau und Ganztag für die Grundschule

GZ Plus IconOker drückt aufs Tempo: Millionenschwere Module rücken an

Mehrere Bauarbeiter verteilen sich auf einer Baustelle mit Betonboden und Bewehrungseisen vor Wohnhäusern und Bäumen

Hier soll der neue Anbau hin: Aktuell wird auf dem Areal, das im April des Vorjahres erstmals seit August 2019 containerfrei war, die Betonplatte gefertigt. Foto: Heine

Blitzschneller Aufbau: Wenn die Module für Okers Grundschulanbau kommen, ist Tempo angesagt. Die GZ hat Neuigkeiten von dieser und der Millionen-Baustelle gleich nebenan.

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Von Frank Heine
Freitag, 27.03.2026, 04:00 Uhr
So kann es kommen: Da vergehen mitunter Jahre bis Jahrzehnte vom ersten Wunsch der Nutzer über frühe zaghafte politische Vorstöße und das konkrete Planen von Größen und Details bis zur Einrichtung der Baustelle auf dem Pausenhof. Und dann dauert das Hochziehen des neuen Anbaus für die Grundschule Oker voraussichtlich keine zwei Tage – jedenfalls rein rechnerisch und wenn alles klappt wie geplant. In der nächsten Woche geht es los. Bis zum neuen Schuljahr soll alles stehen, wenn vielleicht auch noch nicht alles fertig eingerichtet ist.
Gelber Teleskoplader hebt einen grauen Container auf einer Baustelle mit mehreren Arbeitern und Fahrzeugen im Hintergrund

Schockschwerenot: Sehen so die neuen Anbaumodule aus? Nein, keine Angst: Es handelt sich um die Container-Unterkunft für die Bauarbeiter. Foto: Heine

Der Ganztag startet wie angekündigt

Trotzdem soll die Ganztagsbetreuung wie angekündigt starten. Und ein halbes Schuljahr später dürfte auch wieder Unterricht in der Mehrzweckhalle auf der anderen Seite der Abzucht über die Bühne gehen. Ein bisschen viel auf einmal und sehr kurz zusammengefasst? Stimmt. Aber in der Tat scheint sich auf zwei Okeraner Großbaustellen in einer Art Geschwindigkeitsrausch vieles bis Ende des Jahres hinzuzurren, was vorher etliche Hindernisse überwinden und Stolpersteinen aus dem Weg gehen musste.
Sechs Personen stehen auf einer Baustelle, im Hintergrund sind Baucontainer, ein Kran und Baumgruppen zu sehen

Baustellen-Inspekteure (v.l.): Rektoring Claudia Kohl, Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner, das GGM-Duo Daniel Gintaut und Kourosh Zalakzadeh sowie Mara-Lena Macke und Elisa-Marei Mühlenweg aus der Schulverwaltung gefällt, was sie bei nasskaltem Wetter zu sehen bekommen. Foto: Heine

Zunächst die Grundschule: Seit Mitte Februar ist jene Fläche auf dem Pausenhof eingerichtet und durch einen Zaun abgetrennt, wo das erweiterte Domizil für die insgesamt 240 Okeraner Grundschulkinder aufgetürmt werden soll. Die Goslarer Baufirma Pätzold bereitet in diesen Tagen den Grund mit stahlhartem Beton. Deren Auftraggeber wiederum ist die Kleusberg-Gruppe, die als Generalunternehmer für das Projekt verantwortlich zeichnet.
So berichten es Daniel Gintaut und Kourosh Zalakzadeh, die für das Goslarer Gebüdemanagement (GGM) bei einem Termin zusammen mit Goslars Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner, Mara-Lena Macke und Elisa-Marei Mühlenweg aus der Schulverwaltung und Rektorin Claudia Kohl das geschäftige Treiben auf dem Schulhof an der Wolfenbütteler Straße während der Osterferien inspizieren.
Projektskizze von einem mehrstöckigen Gebäude mit rechteckigen Fenstern und zwei grünen Türen vor Bäumen und Menschen im Vordergrund

Zur Erinnerung: So soll der Anbau der Grundschule am Ende aussehen. Foto: Stadt Goslar

66 Module in 44 Stunden

Plan ist demnach: In der Nacht auf Dienstag setzt sich ein Transport von der Produktionsstelle im Kabelsketal bei Halle an der Saale in Bewegung und befördert 66 Module bis nach Goslar und Oker. Die ersten Module werden direkt an die Baustelle gefahren, die anderen auf dem Goslarer Betriebshof an der Immenröder Straße zwischengelagert. Ab 8 Uhr morgens soll der tonnenschwere Spaß beginnen. Ein Kran setzt Teil auf Teil zunächst von einer Seite aus aufeinander, begibt sich anschließend auf die andere Seite und macht von dort aus weiter – Tetris im gigantischen Format. Gerechnet wird laut dem GGM-Duo mit einer Zeit von 40 Minuten, bis ein Modul seinen Platz gefunden hat: Was am Ende bedeutet, dass 44 Stunden fürs Aufbauen einzuplanen wären. So weist es der Handyrechner von Stadtoberhaupt Schwerdtner aus. Nun gut, vielleicht wird jetzt nicht unbedingt nachts durchgearbeitet. Aber bis Ostern sollte das Gebäude auf jeden Fall stehen.
Absperrung mit Bauzaun und Warnbarke an einem Gehweg vor einem Baustellencontainer

Provisorium: Das Containerdorf auf der anderen Seite der Wolfenbütteler Straße wird mindestens noch bis Schuljahresende benötigt. Foto: Heine

Rektorin Kohl findet es jetzt fast schon schade, dass in den Ferien kein Kind dabei ist. Was wäre das für ein spannendes Zuschauen, Staunen und Fragen geworden. Aber die Sicherheit geht natürlich vor. So weiß zumindest Kohl noch zu berichten, dass ein Kranführer krank ausfällt und ein Bekannter deshalb einspringen und auf seinen Urlaub verzichten muss. Was er aber für diesen herausragenden Zweck gern tue.
Zwei nebeneinander an einer Backsteinwand befestigte Schilder, links mit stilisiertem Logo und Text "Grundschule mit Förderklassen Schwerpunkt Sprache", rechts mit Schildsymbol und Text "Recht auf Schutz im Krieg und auf der Flucht"

Rund 240 Kinder besuchen aktuell die Grundschule Oker, die zugleich Förderschule mit dem Schwerpunkt Sprache ist. Fürs neue Schuljahr rechnen die Planer mit 260 Kindern. Foto: Heine

Beton, Regen und Zeitpläne

Gut, das wäre geklärt. Aber macht denn der Regen dieser Tage dem Beton nichts aus? Was ist, wenn der länger zum Trocknen braucht? GGM-Vize Gintaut zerstreut die Bedenken. Kein Problem, das haut hin. Und wenn alles miteinander verzahnt und verschraubt ist, rücken die Elektriker, die Profis für Heizung, Lüftung und Sanitär sowie die Fußbodenleger an, erläutert Zalakzadeh. Wobei einiges in den Modulen bereits vorinstalliert ist. Am Ende der Handwerker-Stange schwingen die Maler den Pinsel. Und dann? Fehlt (nur) noch die Einrichtung: Neues Mobiliar, digitale Endgeräte (je zur Hälfte neu und schon vorhanden) und die Netzwerkinfrastruktur. Stadt-Sprecherin Daniela Siegl legt eine Kostenschätzung über 212.000 Euro vor. Mensa und Küche sind laut Macke momentan noch eine Herausforderung. Sie kommen wohl nicht pünktlich zum Schulstart Mitte August. „Wir rechnen etwa mit zwei bis drei Wochen, die mit Lunchboxen überbrückt werden müssen“, sagt Macke.
Mehrstöckiges Gebäude im Rohbau mit Gerüst davor und weißem Lieferwagen im Vordergrund

Ein Gerüst ziert weiterhin die Mehrzweckhalle auf der anderen Abzucht-Seite. Foto: Heine

Kein leichtes Unterfangen

Der neue Ganztag startet trotzdem sofort mit dem neuen Schuljahr, erläutert Kohl. „Die Eltern sind im Boot und informiert, sie tragen alles mit“, sagt die Rektorin. Schon am 13. April ist nach Ostern ein weiteres Treffen für einen Info-Austausch über den aktuellen Stand der Planungen angesetzt. Dass es kein leichtes Unterfangen wird, daran lässt Kohl keinen Zweifel. Kooperationspartner wachsen nicht auf Bäumen oder stehen vor dem Schultor Schlange. Vom Land kommt auch nur eine Summe, die 40 Prozent vom Gesamtbudget betrage – „wir machen das Beste draus, müssen uns aber schon strecken.“
Große Industriehalle mit hohen Fenstern, Betonboden und sichtbarer Holzbalkendecke

Ansichten aus der Mehrzweckhalle: Die Fensterfront ist mittlerweile dicht. Foto: Heine

Um es nicht zu vergessen und weil es in jüngster Vergangenheit stets die Regel und nicht die Ausnahme war: „Wir liegen bei 6,7 Millionen Euro für den Bau der Grundschule“, sagt Gintaut und meint den Teil, für den der Generalunternehmer unterschrieben hat. Ein gutes Ausschreibungsergebnis für die Stadt deshalb, weil die Summe rund 1,2 Millionen Euro unter den Planungen liege. Dies alles freut Oberbürgermeisterin Schwerdtner sehr, die auch von der nächsten Baustelle positive Signale mitnimmt. Wobei es hier eine weitere Verschiebung zum zuletzt öffentlich gewordenen Termin zur Fertigstellung gibt. Gintaut geht davon aus, dass die Sanierung und der Ausbau der Mehrzweckhalle nicht mehr im Herbst, sondern erst im Dezember abgeschlossen sind. Schulverwalterin Macke und Schulchefin Kohl rechnen mit einer sportlichen Nutzung durch die Schule realistisch mit dem Start des zweiten Schulhalbjahres ab Anfang Februar. Was fast exakt 55 Jahre nach dem ersten Starttermin wäre. Die Halle ging einst am 12. Februar 1971 in Betrieb.
Decke mit sichtbaren Holzbalken und Dachkonstruktion in einem Raum mit großen Fenstern

Ansichten aus der Mehrzweckhalle: die Dachkonstruktion. Foto: Heine

Seit April 2024 wird saniert

Bei der Mehrzweckhalle, deren Sanierung seit April 2024 läuft, sind nach ursprünglicher Planung knapp 9,26 Millionen Euro für ein runderneuertes Gebäude mit neuem Anbau vorgesehen. Sie sollte ursprünglich einmal im vierten Quartal 2025 an den Start gehen. Diese Pläne wurden hinfällig, weil bei der Schadstoffsanierung Asbest unter anderem in der Dachpappe über dem Schwimmbad gefunden wurde.
Große, leere Lagerhalle mit freiliegender Deckenstruktur und teilweise abgedeckten Türen und Fenstern

Ansichten aus der Mehrzweckhalle: die Spielfeldabgrenzung mit Tribüne. Foto: Heine

Die Mehrzweckhalle Oker soll, ähnlich wie die Hallen in Jerstedt und Hahndorf, in erster Linie ein Treffpunkt für die Okeranerinnen und Okeraner sein, erklärt Sprecherin Siegl im Nachgang. Der neue, großzügige Mehrzweckraum neben der Sporthalle ersetzt das abgerissene Lehrschwimmbecken. Es wird eine Küche sowie einen kleinen terrassenartigen Außenbereich geben. Raum und Halle sind laut Siegl nicht nur für Sport, sondern auch für andere Veranstaltungen und Feierlichkeiten ausgelegt. Dort können städtische Veranstaltungen genauso Raum finden wie Turniertage örtlicher Vereine oder private Feierlichkeiten. Die Halle wird gegen Entgelt zu mieten sein. Für die Schule kann sie beispielsweise für Einschulungen und für andere Veranstaltungen dienen.

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