„Roswitha 2026“: Bad Gandersheim feiert die erste Dichterin
Viele Vereine und Institutionen planen zahlreiche Veranstaltungen, um das Roswithajahr in Bad Gandersheim zu füllen. Foto: Heinemann
Große Feste, Lesungen, Ausstellungen: Bad Gandersheim kündigt zahlreiche Highlights an, alles unter dem Titel „Roswitha 2026 – Die 1000-jährige Literaturstadt“.
Bad Gandersheim. Im Jahr 2026 steht die Stadt Bad Gandersheim ganz im Zeichen einer außergewöhnlichen Frau: Roswitha von Gandersheim. Unter dem Titel „Roswitha 2026 – Die 1000-jährige Literaturstadt“ wird ein umfangreiches Themenjahr gefeiert, das die über tausendjährige Literaturtradition des Ortes sichtbar macht und gleichzeitig neue Zugänge zu Geschichte, Kultur und Literatur eröffnet.
Roswitha von Gandersheim lebte im 10. Jahrhundert im Damenstift Gandersheim. Sie gilt als erste namentlich bekannte Dichterin des deutschsprachigen Raums und zählt zu den frühesten Autorinnen Europas. In einer Zeit, in der Frauen nur selten Zugang zu Bildung hatten, bot das Stift außergewöhnliche Möglichkeiten: Hier konnten Frauen lesen, schreiben und eigenständig denken. Roswitha nutzte diese Freiheiten und schuf ein beeindruckendes Werk aus Dramen, historischen Texten und geistlicher Dichtung, das bis heute erhalten ist.
Das Themenjahr 2026 knüpft an diese besondere Tradition an. Gleichzeitig erinnert es an das Roswitha-Fest von 1926, das bereits vor 100 Jahren die Bedeutung der Dichterin würdigte – wenn auch auf Grundlage einer historisch ungenauen Datierung. Heute wird dieser Anlass bewusst genutzt, um Roswitha aus moderner Perspektive neu zu betrachten und ihre Bedeutung für Gegenwart und Zukunft herauszustellen.Auswirkungen auf den Verkehr
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Von April bis in den Herbst
Den feierlichen Auftakt bildet am Donnerstag, 9. April, um 18 Uhr die offizielle Eröffnung des Roswithajahres in der Stiftskirche Bad Gandersheim. Im Mittelpunkt steht die Würdigung Roswithas und ihres literarischen Erbes. Gleichzeitig erhalten die Besucher erste Einblicke in das Kulturprojekt „Roswitha, ich komme! – Goethes 5. Harzreise“, eine theatrale Wanderung, die im Laufe des Jahres realisiert wird. Zudem wird der eigens für das Jubiläum geprägte Roswitha-Taler vorgestellt, berichtet Stadtmarketing-Leitung Elisabeth Klapproth-Opitz.
Bereits einen Tag später, am Freitag, 10. April, wird im Kloster Brunshausen die Sonderausstellung „Alfred Ehrhardt – Ein Universalkünstler in Gandersheim“ eröffnet. Die Ausstellung, die bis zum 16. August zu sehen ist, widmet sich dem vielseitigen Künstler, der in den 1920er-Jahren in Gandersheim wirkte und später internationale Anerkennung erlangte. Fotografien, Filme und künstlerische Arbeiten geben Einblicke in sein Schaffen und zeigen zugleich Verbindungen zur Geschichte der Stadt.
Am Samstag, 11. April, um 18 Uhr folgt im Kaisersaal die Lesung mit Gesang „Legenden der Keuschheit“. Der bekannte Domfestspiel-Schauspieler Guido Kleineidam bringt gemeinsam mit den Texten von Alexander Pfeuffer und Rogier Hardeman Roswithas Werk auf besondere Weise zum Klingen. Die Veranstaltung nähert sich den Originaltexten und zeigt die Vielschichtigkeit der Autorin – zwischen Humor, Dramatik und religiöser Tiefe.Wettbewerb für junge Künstler
Auch in den folgenden Wochen wird Roswitha auf vielfältige Weise erlebbar. Am 17. April lädt die Führung „Roswitha bei Kerzenschein“ zu einer atmosphärischen Annäherung in der Stiftskirche ein. Am 19. April ergänzt ein Expertengespräch zur Restaurierung der Krypta in Lamspringe das Programm. Für junge Menschen startet Ende April mit Vorbereitungstreffen am 24. und 25. April der Kinder- und Jugend-Kunst-Award, der Roswitha kreativ neu interpretiert. Sie soll aus heutiger Perspektibe betrachtet und ihre „Stimme in das 21. Jahrhundert übersetzt“ werden, lädt Barbara Staschek vom Verein Wir für Bad Gandersheim ein. Auch über die Grenzen von Bad Gandersheim hinaus können junge Künstler zwischen 6 und 18 Jahren daran teilnehmen. Abgabe der Zeichnungen, Collagen, Schiftgestaltungen oder Ähnlichem ist am 29. und 30. Juni in der Tourist-Info, Fronhof 1.
Im Themenjahr dreht sich alles um Roswitha von Gandersheim – die erste namentlich bekannte Dichterin des deutschsprachigen Raum. Foto: Stadtmarketing Bad Gandersheim
Im Mai setzt sich das Programm fort: Am 10. Mai beginnt die Reihe „Roswithas Dramen lesen“, bei der Teilnehmer selbst in die Rollen der mittelalterlichen Texte schlüpfen. Ein Höhepunkt ist der 17. Mai, wenn der Klostermarkt in Brunshausen Besucherinnen und Besucher in eine mittelalterliche Welt eintauchen lässt. Handwerk, regionale Produkte, Musik und Mitmachaktionen schaffen eine besondere Atmosphäre.
Am 23. Mai beleuchtet ein Vortrag in der Stiftskirche Roswitha als Chronistin ihrer Zeit, bevor am 30. und 31. Mai ein Themenwochenende weitere Einblicke in ihr Leben und Werk bietet.
Der Juni steht im Zeichen von Natur, Geschichte und Wissen. Am 6. Juni verbindet eine Wanderung die Klöster Brunshausen und Clus und macht die historische Landschaft erlebbar. Am 12. Juni widmet sich ein Thementag der mittelalterlichen Kräuterkunde. Parallel dazu finden weitere Veranstaltungen statt, darunter eine Roswitha-Lesung beim Tag der Niedersachsen in Braunschweig sowie zusätzliche Führungen und Workshops im Rahmen der Ehrhardt-Ausstellung.
Zahlreiche Highlights
Auch der Sommer bietet zahlreiche kulturelle Höhepunkte. Am 1. August wird die bereits angekündigte theatrale Wanderung umgesetzt. Entlang des Skulpturenwegs von Lamspringe nach Brunshausen verbindet sie Literatur, Landschaft und Theater. Schauspielerisch begleitet wird die Strecke von einer Darstellung Johann Wolfgang von Goethes, die historische und literarische Perspektiven miteinander verknüpft.
Am 29. August 2026 folgt das Via Nova Kunstfest Corvey im Kloster Brunshausen. Unter dem Titel „Ein Feld flammender Blumen“ verbindet die Veranstaltung Lesungen, Musik und historische Themen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Texte zur Äbtissin Hathumod sowie Gedichte von Hilde Domin, ergänzt durch ein Konzert mittelalterlicher Musik.
Im September erreicht das Themenjahr seinen Höhepunkt. Am 12. September wird die Ausstellung „40 Jahre Kunstkreis Brunshausen“ eröffnet.
Nur wenige Tage später, am 19. und 20. September, verwandelt sich die Innenstadt beim großen Roswitha-Fest in eine lebendige Bühne. Historischer Markt, Musik, Theater, Walking Acts und Mitmachangebote lassen das Mittelalter auf eindrucksvolle Weise wieder aufleben. Besonders Familien kommen hier auf ihre Kosten. Eine Feuershow bildet den spektakulären Höhepunkt des ersten Abends. Die feierliche Stimmung wird am 26. September mit dem Roswitha-Weinfest fortgesetzt, das den September kulturell abrundet.Goslars Propst eingeführt
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Neue Perspektiven für die Stadt
Parallel zum kulturellen Großereignis stellt sich Bad Gandersheim auch strukturell neu auf: Seit dem 21. Januar ist die Stadt offiziell als Luftkurort staatlich anerkannt. Die entsprechende Urkunde wurde vor Kurzem durch den niedersächsischen Wirtschafts-Staatssekretär Matthias Wunderling-Weilbier an Bürgermeister Niklas Kielhorn übergeben.
Mit dieser Entscheidung wird die Bedeutung Bad Gandersheims als Tourismus- und Erholungsstandort nachhaltig gestärkt. Bereits 1967 war die Stadt als Soleheilbad anerkannt worden, zuletzt 2010 bestätigt. Im Jahr 2025 entschied sich der Stadtrat jedoch bewusst für einen Neuanfang und gab den Status als Soleheilbad zugunsten einer zukunftsorientierten Ausrichtung als Luftkurort auf.
Dieser Schritt steht für eine strategische Neuausrichtung des Gesundheitstourismus: Im Mittelpunkt stehen nun verstärkt natürliche Faktoren wie Klima, Landschaft und Erholung – ergänzt durch die kulturelle Strahlkraft der Stadt, die im Roswithajahr besonders sichtbar wird.
Für Gäste und Einwohner bleibt dabei vieles unverändert: Das bestehende Kurgebiet, die touristische Infrastruktur sowie der traditionsreiche Name „Bad“ bleiben erhalten. Vielmehr eröffnet die neue Anerkennung zusätzliche Perspektiven und stärkt die Position Bad Gandersheims als attraktiver Kultur- und Erholungsstandort im Harzvorland.
Abschluss mit literarischer Strahlkraft
Den feierlichen Abschluss bildet im Spätherbst die 50. Verleihung des Roswitha-Literaturpreises. Als ältester deutscher Literaturpreis für Frauen wird er im Jubiläumsjahr neu ausgerichtet, höher dotiert und stärker in ein kulturelles Rahmenprogramm eingebettet. Damit setzt Bad Gandersheim ein deutliches Zeichen für die Zukunft der Literatur und würdigt zugleich die Tradition, die mit Roswitha begann.
Das Roswithajahr 2026 ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt, des Stadtmarketings, von Kulturinstitutionen, Vereinen und zahlreichen engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Es verbindet Geschichte und Gegenwart, Wissenschaft und Kunst sowie regionale Identität und überregionale Strahlkraft.
Weitere Informationen zu den Veranstaltungen gibt es online unter www.badgandersheim-tourismus.de/service, per Mail an tourist@marketing-gandersheim.de oder Telefon (05382) 9588811.
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