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Selbstständig im Handwerk

Wie Oskar Kohl mit 27 sein eigenes Unternehmen gründet

Handwerker steht vor einem weißen Transporter mit gelbem Logo und Schriftzug 'KOHL ENERGIE'

Energie braucht der Goslarer Oskar Kohl, der sich als Elektromeister mit 27 Jahren selbstständig gemacht hat. Foto: Schlimme

Mit 27 Jahren hat Oskar Kohl seine eigene Elektrofirma gegründet. Der Handwerksmeister erklärt, wie der Weg vom Schulabbruch bis zum eigenen Unternehmen verlief.

Von Von Hanna Schlimme Sonntag, 31.05.2026, 04:00 Uhr

Goslar. „Ich finde Strom einfach faszinierend“, sagt Oskar Kohl. Mit Leidenschaft für seinen Beruf und der Motivation, etwas zu bewegen, hat der Goslarer zum Jahresbeginn sein Unternehmen „Kohls Energie“ gegründet und damit im Alter von 27 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit im Handwerk gewagt.

Person in grauem Pullover arbeitet an einer Wandsteckdose in einem Raum mit Regalen und Werkzeugen

Oskar Kohl bei der Arbeit an einer Steckdose in seiner Werkstatt. Foto: Schlimme

Im Gespräch erzählt er, warum er sich für eine Karriere im Handwerk entschieden hat und wie er junge Menschen für die Branche gewinnen möchte.

Die Reise zum eigenen Unternehmen begann mit einem abgebrochenen Abitur und einem zufälligen Praktikum bei Olbrich-Elektroinstallationen in Astfeld.

Schule abgebrochen

„Ich wollte auf dem Christian-von-Dohm-Gymnasium mein Abitur machen“, erzählt Oskar Kohl. Allerdings sei er in der 11. Klasse immer öfter mit schlechter Laune zur Schule gegangen. „Ein Jahr schaffe ich nicht mehr“, habe er sich zu diesem Zeitpunkt gedacht und die Schule nach der 11. Klasse abgebrochen.

Seine Eltern seien davon zu diesem Zeitpunkt nicht begeistert gewesen. Es folgte ein Praktikum bei Olbrich, einem Elektrik-Betrieb. Parallel begann Kohl mit dem Fachabitur. Schnell wurde ihm klar, dass der Weg ins Handwerk der richtige für ihn ist. Zwei Monate später wurde ihm bei Olbrich eine Ausbildung angeboten – und das Fachabi war Geschichte.

„Ich bin eher durch Zufall in dieser Branche gelandet, aber ich habe damals schnell gemerkt, dass ich viel lieber etwas Praktisches mache“, sagt er rückblickend.

Im Jahr 2016 hat Oskar Kohl die Ausbildung zum Elektroniker begonnen, sie 2020 erfolgreich abgeschlossen und anschließend als Geselle bei Olbrich gearbeitet. Doch damit nicht genug: Nach einem Jahr als Geselle entschied sich Kohl für die Weiterbildung zum Meister. „Ich habe noch bei meinen Eltern gewohnt und dachte, jetzt ist der beste Zeitpunkt dafür.“ Die Weiterbildung dauert ein Jahr in Vollzeit bei der Handwerkskammer Hildesheim.

2022 war Oskar Kohl dann mit nur
23 Jahren offiziell Elektromeister. Im Juli kehrte er in seiner neuen Position zu Olbrich zurück. Dort blieb er bis zum Ende Dezember 2025.

Für ihn war auch der Meistertitel noch nicht genug. „In der Meisterschule entstand der kleine Traum von der Selbstständigkeit“, erinnert sich Kohl. Sein eigener Chef sein und Dinge ausprobieren, das sei für ihn entscheidend gewesen.

Mitte 2025 habe er die Idee für das Unternehmen „Kohls Energie“ mit seinen Eltern geteilt. „Sie waren direkt total begeistert“, berichtet Kohl und ergänzt: „Ohne die Unterstützung meiner Eltern hätte ich das nicht geschafft.“

Nach der Idee folgte der erste Schritt: ein Plan. „Man weiß erst einmal gar nicht, wo man anfangen soll“, erinnert sich der 27-Jährige. Glücklicherweise gibt es verschiedene Beratungsprogramme von der Handwerkskammer und der Wirtschaftsförderung für die Region Goslar (Wirego). Diese bietet fünf kostenlose Fortbildungsangebote an.

„Die erste Frage, die man sich stellen muss, ist: Wo will ich hin?“ Danach müssten ein Businessplan und ein Finanzplan erstellt werden, berichtet der junge Handwerksmeister. „Ohne einen Businessplan geht gar nichts, da muss man gar nicht erst irgendwo auftauchen“, sagt Kohl schmunzelnd.

Um den Businessplan ginge es auch im ersten Termin der kostenlosen Fortbildung. Die Wirtschaftsförderung verfüge zudem über ein Gründernetzwerk. „Mit anderen in Kontakt treten und Erfahrungen austauschen, ist einfach total wichtig.“

Geld für Werkzeuge

Einen Kredit benötigte der Goslarer nicht. Sein Unternehmen habe er mit seinem Ersparten und etwas Unterstützung durch seine Familie finanzieren können. „Ich zahle mir heute auch weniger Gehalt aus als früher, damit ich das Geld direkt in neue Werkzeuge oder Ähnliches investieren kann.“

Außerdem habe er drei Monate vorher seinen alten Arbeitgeber informiert. Ehrlichkeit und Transparenz seien ihm wichtig gewesen. „Ich habe dort so viel gelernt, wir stehen auch heute noch in engem Kontakt“, betont Kohl.

Zugleich folgte die Gewerbeanmeldung. Damit ging es nach rund drei Monaten theoretischer Vorbereitung im Oktober mit der praktischen Umsetzung los. „Dann habe ich zum Beispiel mein Auto besorgt und die Versicherungen abgeschlossen.“

Zufrieden blickt Oskar Kohl auf die ersten Monate in der Selbstständigkeit zurück. „Die Nachfrage ist das Einzige, das man im Vorfeld nicht planen oder einschätzen kann, aber sie ist wirklich enorm“, betont er und freut sich über täglich neue Anfragen. „Ich hatte keinen Tag, an dem ich nicht wusste, was ich machen sollte.“ Er war zwar immer optimistisch, was seine Unternehmensgründung anging, wurde aber von der guten Resonanz positiv überrascht. Angefangen habe er mit fünf Nummern in seinem Kontaktbuch, rund zwei Monate später seien es bereits 80 bis 90. Dafür spiele aber gerade in Goslar auch Mund-zu-Mund-Propaganda eine große Rolle.

Auf Instagram aktiv

Für sein Unternehmen hat der 27-Jährige den Instagram-Account „kohls_energie“ ins Leben gerufen. Auf der Plattform gibt „Meister Oskar“ aktuell vor allem Einblicke in seinen Weg zur Unternehmensgründung. Dazu gibt es ein KI-generiertes Intro und sogar einen KI-generierten Song. „Jeder ist ein potenzieller Kunde“, sagt Kohl und begründet damit seinen Social-Media-Auftritt.

Am Anfang habe er einen „riesigen Respekt“ vor der Selbstständigkeit gehabt und wolle nun anderen Mut machen. Außerdem möchte er Tipps geben: „Denn nach der Gründung kommen noch einige Sachen, an die man nicht gedacht hat, wie die Rundfunkgebühr für das Auto“, erklärt Kohl. Praktischerweise ist sein Vater in der
IT-Branche tätig und unterstützt ihn tatkräftig beim Design des Instagram-Accounts und der Internetseite. „Ein Social-Media-Auftritt gehört heutzutage einfach dazu“, ist sich der junge Gründer sicher. Obwohl die Content-Erstellung für die Kanäle erst einmal zweitrangig sei.

„Kohls Energie“ ist auf Strom spezialisiert, dazu zählen beispielsweise Wohnungsinstallationen. „Wir halten Strom für so selbstverständlich, dabei steht ohne ihn alles still“, betont er und erinnert an den Stromausfall in Berlin zum Jahresbeginn.

Die Arbeit im Kundendienst schätzt Kohl sehr. „Man lernt so viele unterschiedliche Menschen kennen und erfährt so viel über sie.“ Außerdem sei er auch heute noch lieber draußen unterwegs, als die Büroarbeit zu erledigen. Jeder Tag sei anders. Von entspannten Kabelverlegungen zu einer Fehlersuche könne alles passieren – und am Ende des Tages wisse man, was man geschaffen hat.

Neben Wohnungsinstallationen zählen auch elektrische Anschlüsse von Photovoltaikanlagen und die Installation von Wärmepumpen zu seinen Aufgabenbereichen. Damit könne er direkt etwas zum energetischen Fortschritt beisteuern, betont er.

Weiß der junge Unternehmer einmal bei einem Kunden nicht weiter, schickt er ihn guten Gewissens zu Olbrich. „Ich denke, man sollte sich gegenseitig unterstützen und sich keine Steine in den Weg legen“, sagt der 27-Jährige. Am Ende soll der Kunde zufrieden sein, das ist das Wichtigste. In seinem Freundeskreis habe er andere selbstständige Handwerker. „Ich kann meinen Kunden einen Dachdecker und einen Tischler empfehlen. Das ist auch total wertvoll“, betont Kohl.

Er will auch ausbilden

„Das Handwerk ist in der Gesellschaft oft nicht gut angesehen“, erklärt er. Und natürlich gebe es Tage, an denen man sich schmutzig mache. Aber es gebe auch Arbeitstage, an denen bei strahlendem Sonnenschein eine Photovoltaikanlage ans Netz angeschlossen werde. Daher ist eines seiner Ziele, die Ausbildung und das Handwerk „ins richtige Licht“ zu rücken. „Das handwerkliche Geschick und die Verantwortung, die man in jungen Jahren erlernt, sind total sinnvoll im Alltag“, betont der Gründer.

Außerdem möchte er mehr Frauen für die Berufe im Handwerk motivieren. Um dies zu erreichen, träumt er davon, in seinem Unternehmen künftig eine vernünftige Ausbildung anbieten zu können. Dafür müssten aber erst eine stabile Auftragslage sowie ein entsprechender Kundenstamm vorhanden sein. Denn ohne Sicherheit könne man keine Ausbildung anbieten. Oskar Kohl hat klare Vorstellungen: Läuft alles wie geplant, soll „Kohls Energie“ ein Unternehmen mit fünf Mitarbeitern und einem Auszubildenden werden.

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