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Aus an der Goslarer Klubgartenstraße

GZ Plus IconPostbank-Schließung: Das sagen Kunden, die FDP will eine Petition

Person mit blauer Jacke und Jeans trägt ein Paket und geht auf einen Eingang mit Postbank-Schriftzug zu

Ab dem 7. April ist Schluss: Die Post-Dienstleistungen werden an der Klubgartenstraße zuerst eingestellt. Foto: Epping

Die Menschen sind enttäuscht, die Politik auf Zinne: Die Liberalen wollen den Postbank-Rückzug per Dringlichkeitsantrag auf die Tagesordnung des Rates am Dienstag hieven.

Von Hendrik Gnebner und Linn Kupke Freitag, 27.02.2026, 16:35 Uhr
Die Postbank an der Goslarer Klubgartenstraße schließt, die Menschen sind sauer. Im Goslarer Rat will die FDP am Dienstag per Dringlichkeitsantrag eine Petition auf die Tagesordnung hieven. Kunden fragen sich, was sie jetzt tun sollen. Bei einer nicht repräsentativen Umfrage in Postbank-Nähe hat die GZ Meinungen eingefangen. Die Postbank schließt im Laufe des Jahres, schon ab dem 7. April werden sämtliche Dienstleistungen für die Post eingestellt. Christian Rehse ist auf Zinne. Der FDP-Fraktionschef fordert ein politisches Signal aus Goslar. Der Rat soll sich positionieren und sich „deutlich gegen einen völligen Rückzug der Post- und Bankdienstleistungen aus Goslar“ aussprechen. Die Stadt habe in den letzten Jahren „im Bereich der Deutschen Bank, der Commerzbank und so weiter einen starken Abbau der Dienstleistungsangebote hinnehmen müssen“. Auch werde zurzeit „über einschneidende neue Einsparungspläne der örtlichen Sparkasse“ berichtet. Rehse sagt: „Es kann nicht sein, dass ältere Bürger nur noch über internetbasierte Möglichkeiten agieren müssen.“
Älterer Mann mit weißem Haar trägt braune Jacke, weißes T-Shirt und grünes Halstuch vor unscharfem Hintergrund mit Stahlträgern

Hans Braun. Foto: Gnebner

Was sagen die Kunden?

Was meinen die Kunden selbst? Hans Braun (79) aus Goslar, der sehr oft zur Postbank geht, sagt direkt und unverblümt: „Es ist idiotisch und katastrophal.“ Der Mann findet den aktuellen Zustand schon suboptimal. Die Postbank sei doch recht schlicht eingerichtet. „Es gibt nur ein Terminal“, betont er. Das führe oft zu langen Wartezeiten. Was Braun in Zukunft macht und wo er hingehen soll, weiß er noch nicht, da er von der Schließung erst am selben Tag aus der GZ erfahren habe.
Frau mit kurzen grauen Haaren, die ein bunt gemustertes Halstuch und eine schwarze Jacke trägt

Ulrike Lang. Foto: Gnebner

Eine ähnliche Meinung hat Ulrike Lang (67) aus Bad Harzburg. Sie ärgert die Entscheidung sehr – die aktuelle Situation empfindet sie als Goslarer Beleg für die „Servicewüste Deutschland“. Ein großes Problem sieht sie vor allem darin: „Ältere Menschen haben oft nicht die Möglichkeiten, zu weit entfernten Poststellen und Banken zu fahren, und nicht die Kraft, schwere Pakete weit zu befördern. Außerdem wird heutzutage von uns erwartet, dass jeder mit Onlinebanking umgehen kann und es jeder macht.“ Trotz Digitalisierung sollte man bei älteren Menschen nicht automatisch voraussetzen, dass sie mit Onlinebanking zurechtkommen und auch die Möglichkeiten dazu haben. Nicht jeder besitze ein Handy oder einen Computer. Deshalb seien Banken und Postfilialen immer noch so wichtig. Die 67-Jährige gibt ihre Pakete in Zukunft bei einem Laden in Bad Harzburg ab und macht Onlinebanking. Obwohl sie selbst die Möglichkeiten dazu hat und nicht oft herkommt, ärgert es sie, dass weniger an ältere Menschen oder Menschen mit weiterem Fahrweg gedacht werde.
Älterer Mann mit grauen Haaren trägt einen grauen Pullover über einem karierten Hemd und steht vor einem Gebäude mit gelbem Streifen.

Hans-Michael Otto. Foto: Gnebner

Überrascht und unglücklich

Hans-Michael Otto (68) aus Goslar war sehr überrascht, als er von den Postbank-Plänen erfahren hat – und auch sehr unglücklich. Er erzählt: „Ich bin seit 1995 Kunde bei der Postbank und finde es daher sehr schade, da ich sehr an ihr hänge.“ Er weiß noch nicht, wo er nach der Schließung hingehen soll, und muss erst mal schauen, bei welchem Bank- und Paketservice er unterkomme. Rainer Peschken (77) aus Goslar hat eine sehr direkte Antwort auf die Schließung: „Beschissen.“ Er findet es richtig schlecht, da besonders ältere Menschen nicht weit herumkämen und dass durch die vielen Schließungen von Banken und Postfilialen die Infrastruktur kaputt gehe.
Älterer Mann mit grauem Hemd unter einem dunkelblauen Pullover und roter Jacke im Freien vor einem Gebäude

Rainer Peschken. Foto: Gnebner

Für ihn selbst gilt: „Die Pakete sind nicht das Problem an der Schließung, da ich diese auch noch woanders abgeben kann, sondern ich weiß nicht, wo ich sonst zur Bank gehen soll.“ Von der Postbank hat er einen Zettel mit neuen Adressen bekommen. Ob er sie nutzt?

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