Freude beim Nationalpark Harz

Drei Babys: Bad Harzburger Zuchtluchse haben Nachwuchs

Ein Luchsbaby.

Drei kleine Luchse haben bei Bad Harzburg das Licht der Welt erblickt. Vor der Öffentlichkeit bleiben sie jedoch geschützt. Foto: Nationalpark Harz/Ole Anders

Die Zuchtluchse Rikki und Reto im Gehege bei Bad Harzburg haben Nachwuchs bekommen. Warum dies letztlich überraschend kam und wie es nun mit den Jungtieren weitergeht.

Von Redaktion 30.06.2026, 04:00 Uhr
Frohe Kunde von den Rabenklippen bei Bad Harzburg: Zucht-Luchsin „Rikki“, die seit vergangenem Jahr zusammen mit dem Kuder „Reto“ im großen Freigehege des Nationalparks Harz lebt, hat drei Kätzchen zur Welt gebracht. Das Zuchtprojekt des Nationalparks hat damit gleich im ersten Versuch Früchte getragen, wenn am Ende doch etwas überraschend.

Während der vergangenen Paarungszeit hätten sich die beiden Luchse zwar sehr füreinander interessiert, trotz der intensiven Betreuung durch Tierpfleger Paul Bridge und diverser Kameras im Luchsgehege habe jedoch keine Paarung beobachtet werden können, heißt es von Seite des Nationalparks. Bis zuletzt sei also unklar gewesen, ob mit Nachwuchs gerechnet werden kann.

Versteckt vor der Öffentlichkeit

Ende April und in der Folge berichtete Tierpfleger Bridge dann von einem zunehmenden Körperumfang der Luchsin, die außerdem immer heimlicher und vorsichtiger wurde.

Zwei eigens von der Nationalpark-Werkstatt konstruierte Wurfboxen waren im Gehege aufgestellt worden. Rikki inspizierte diese zwar genau, trug sogar Futter hinein, ließ die Holzkonstruktionen letztlich aber links liegen. Mitte Mai hörte Bridge vielmehr die Laute eines Luchswelpen aus der dichten und unzugänglichen Vegetation hinter einer der Kisten und konnte dann wenige Tage später erstmals ein Jungtier beobachten. Letztlich, so stellte sich heraus, hatte Rikki sogar drei Kitten zur Welt gebracht.

Zu Gesicht bekommen werden Besucher des Luchsgeheges die Tiere allerdings nicht.
Ein weiblicher Luchs kommt aus einer Transportbox heraus.

Luchsin Rikki wohnt seit September an den Rabenklippen. Nun hat sie gleich während der ersten Paarungszeit Nachwuchs bekommen. Foto: Nationalpark Harz/Ole Anders

Wie berichtet, beteiligt sich der Nationalpark Harz am Luchs-Erhaltungszuchtprogramm (EEP) des Europäischen Verbandes für Zoos und Aquarien (EAZA). Im Rahmen des sogenannten Ex-situ-Programms werden Luchse unter Bedingungen gezüchtet und aufgezogen, die deren spätere Verwendung in Auswilderungsprojekten ermöglichen. Rikkis und Retos Nachwuchs wird deshalb im Gegensatz zu den Schauluchsen, die ebenfalls an den Rabenklippen zu Hause sind, in einem Gehege aufwachsen, das für die Öffentlichkeit nicht erreichbar und nicht einsehbar ist. Menschliche Kontakte werden auf ein Minimum reduziert. Selbst die Fütterung mit Wildfleisch wird so erfolgen, dass der Luchsnachwuchs keinen direkten Zusammenhang zwischen der Nahrungsgabe und den Tierpflegern herstellen kann, schreibt der Nationalpark.

Wiederansiedlung 2027

Lange werden die kleinen Luchse nicht in Bad Harzburg bleiben. Anfang 2027 ist die Abgabe an eines der derzeit laufenden Wiederansiedlungsprojekte, beispielsweise im Thüringer Wald im Erzgebirge oder im Schwarzwald vorgesehen. Wohin der Luchs-Nachwuchs gebracht wird, entscheidet eine „Verteilerplattform“ mit Beteiligung der EAZA und internationaler Luchsexperten.

„Damit leistet der Nationalpark Harz erneut einen wichtigen Beitrag zur Wiederansiedlung und zur dringend erforderlichen genetischen Stabilisierung des Luchs-Bestandes in Deutschland und darüber hinaus. Denn die ist Voraussetzung für das dauerhafte Überleben dieser außerhalb des Harzes immer noch sehr seltenen, ehemals ausgerotteten heimischen Tierart“, sagt Nationalpark-Leiter Dr. Roland Pietsch.

Im vergangenen September hatte der lange geplante und dennoch schwierige Transport von Rikki aus dem Zoo der Ukrainischen Hauptstadt Kiew in den Nationalpark Harz einen glücklichen Abschluss gefunden. Die Luchsin traf im Gehege des Nationalparks auf ihren Partner Reto, der zur Komplettierung eines Zuchtpaares aus dem Schweizer Tierpark La Garenne geholt worden war.

Die Redaktion empfiehlt
Diskutieren Sie mit!