„Ein Stück Heimat“ – Unesco-Urkunde für Küstenfischerei
Die Zahl der Küstenfischerinnen und Küstenfischer ist in den vergangenen Jahrzehnten gesunken. (Symbolbild) Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa
Nur noch rund 150 Fischer gibt es im Nordosten. Die Küstenfischerei steht laut Umweltministerium unter großem Druck. Die Auflistung als Kulturerbe soll die Tradition vor allem sichtbarer machen.
Schwerin. Die traditionelle kleine Küstenfischerei an der Ostseeküste und in den Boddengewässern Mecklenburg-Vorpommerns ist als neues immaterielles Kulturerbe feierlich gewürdigt worden. Bei einem Festakt im Wichernsaal in Schwerin überreichte der Vorsitzende des Fachkomitees Immaterielles Kulturerbe, Benjamin Jörissen, der Trägergruppe die Urkunde.
Kulturministerin Bettina Martin (SPD) nannte die Küstenfischerei „ein Stück Heimat“ und „charaktergebend“ für das Land. Die Aufnahme in das Verzeichnis sei eine große Würdigung. „Es macht einfach sichtbar, dass das mehr ist als Business“, sagte Martin vor der Verleihung. Die Fischerei gehöre zur kulturellen Identität des Landes und müsse als lebendige Tradition bewahrt werden.
Neu als immaterielles Kulturerbe aufgenommen wurden auch das Kicken auf dem Bolzplatz, das handwerkliche Anfertigen von Herrenbekleidung, die Martinsumzüge mit Laternen im Rheinland und die Schaustellerkultur auf Volksfesten.
Branche unter Druck
Die Küstenfischerei steht seit Jahren unter erheblichem Druck. Dem Schweriner Umweltministerium zufolge gab es kurz nach 1990 noch 1.400 Küstenfischer im Land, heute seien es rund 150 im Haupterwerb.
Auch die Fanghöchstmengen gingen zurück: Während 2017 noch mehr als 15.000 Tonnen Fisch gefangen wurden, waren es 2024 nur noch rund 2.400 Tonnen. Weil die ehemals wirtschaftlich bedeutenden Fischarten Hering und Dorsch in der westlichen Ostsee wegen Überfischung, Umwelt- und Klimaeinflüssen unter Druck stehen, dürfen sie nicht mehr oder nur noch in Ausnahmen gezielt gefischt werden.
13 Traditionen in MV gelistet
In MV gehören laut Kulturministerium jetzt 13 Traditionen zum immateriellen Kulturerbe. Auch etwa das Niederdeutsche Theater, das Tonnenabschlagen auf Fischland und Darß, das Malchower Volksfest, das Spiel auf der diatonischen Handharmonika und das Handwerk der Reetdachdeckerei sind gelistet.
Insgesamt umfasst das deutsche Verzeichnis inzwischen 173 kulturelle Ausdrucksformen – von der Berliner Technokultur bis zum Bergsteigen in Sachsen. Es ist kein Verzeichnis der Unesco, sondern Deutschlands. Seit 2003 gibt es ein Abkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes der Unesco, der für Kultur zuständigen Organisation der Vereinten Nationen. Deutschland ist seit 2013 Vertragspartei.