Bad Harzburger WvS-Anbau: Bleibt es bei 17,3 Millionen Euro?
Das Werner-von-Siemens-Gymnasium erhält unter anderem einen neuen Eingangsbereich. Fertiggestellt werden soll der Anbau diesen Sommer. Foto: Raksch
Kostenexplosion, Planerfehler, offene Rechtsfragen: Der Landkreis gibt auf CDU-Anfrage ein Update zum Erweiterungsbau am Bad Harzburger Werner-von-Siemens-Gymnasium.
Bad Harzburg. Wie steht es um den Anbau ans Bad Harzburger Werner-von-Siemens-Gymnasium (WvS)? Die Nachricht, dass die Erweiterung nicht nur später fertig, sondern auch noch gut doppelt so teuer wird wie ursprünglich geplant, traf Eltern, Politik und den Landkreis Goslar als Schulträger vor ziemlich genau einem Jahr ins Mark. Schon damals war im Kreistag ausgiebig darüber diskutiert worden, wie es dazu kommen konnte (die GZ berichtete). Der Landkreis begründete die Kostenexplosion damals mit zum Teil erheblichen Fehlern der beauftragten Fachplaner. Die CDU-Fraktion, in Person von Dr. Pascal Bothe und Ralph Bogisch, nahm in der Folge Akteneinsicht. Diese habe die damaligen Ausführungen der Kreisverwaltung bestätigt und vertieft, heißt es von ihrer Seite. Nun hat die CDU einen Fragenkatalog erstellt, in dem sie die Kreisverwaltung um eine aktuelle Bewertung und Darstellung des Projektstandes bat.
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Sie wollte wissen, wie es um die Kostenprognose und den Baufortschritt steht, ob der Landkreis rechtliche Schritte gegen das beauftragte Planungsbüro eingeleitet und inwiefern er mögliche eigene Schwächen aufgedeckt und behoben hat.
Baufortschritt
Die Bauarbeiten am WvS sollen nach wie vor bis zu den Sommerferien beendet sein. Das zumindest sei der jetzige Stand, gab Erster Kreisrat Frank Dreßler jetzt im Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport Antwort. „Ich weiß aber nicht, wie es morgen aussieht. Die Möglichkeiten, in Schwierigkeiten zu geraten, sind vielfältig.“ Mit anderen Worten: Eine mögliche erneute Verzögerung ist nicht ausgeschlossen.
Wie mehrfach berichtet, entstehen am WvS zusätzliche Klassen- und Funktionsräume sowie ein neuer Eingangsbereich. Der erste Bauabschnitt war mit der Inbetriebnahme der neuen Heizungsanlage im Jahr 2024 abgeschlossen worden. Nach den Osterferien 2025 konnte dann die kleine Sporthalle wieder für den Schulbetrieb freigegeben werden. Aktuell befindet sich der Erweiterungsbau in der Ausbauphase; gearbeitet wird hauptsächlich innen, sowohl im Neu- als auch im Bestandsbau.
Kosten
Auch der Kostenrahmen von jetzt 17,3 Millionen Euro habe sich nicht noch einmal verändert, teilt die Kreisverwaltung mit. Warum es Anfang 2025 auf einmal zu einer Verdopplung gekommen ist, könne indes noch nicht abschließend gesagt werden. Das ginge erst, wenn die Arbeiten beendet und alle kostenrelevanten Unterlagen vollständig geprüft seien, so Erster Kreisrat Dreßler. Nach derzeitigem Stand habe dies mehrere Gründe, unter anderem Preissteigerungen und erforderlich gewordene Anpassungen in der Bauplanung. „Die Kosten sind überall aus dem Ruder gelaufen, nicht nur beim Hochbau“, analysierte Fachdienst-Leiter Thomas Kruckow mit (Rück-)Blick auf Bad Harzburg.
Verantwortung Planer
Wie steht es um die Verantwortung des beauftragten Planungsbüros? Ihm hatte der Landkreis schließlich unmittelbar nach Bekanntwerden der Kostenexplosion den Schwarzen Peter zugeschoben. Im Februar 2025 seien im Rahmen der laufenden Projektüberwachung Abweichungen zwischen den Planungsunterlagen und den tatsächlichen Anforderungen der Bauausführung festgestellt worden, berichtet Dreßler. Diese Sachverhalte seien dokumentiert und aufgearbeitet worden. „Nach derzeitiger fachlicher Bewertung liegen belastbare Anhaltspunkte dafür vor, dass einzelne Planungsleistungen nicht vollständig den projektspezifischen Anforderungen entsprochen haben.“ Hat das rechtliche Folgen für das Planungsbüro?
Landkreis gibt ein Update
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Das werde gegenwärtig vertieft geprüft, so Dreßler. Diese Prüfung sei aber noch nicht abgeschlossen. Mehrfach sei das Planungsbüro überdies angemahnt worden, sich an die vertraglichen Vereinbarungen zu halten. Dreßler hielt sich in Richtung der Auftragnehmer offen, „ob wir uns am Ende vielleicht zu streiten haben“. Seitdem aber Thorsten Schulz vom Landkreis-Gebäudemanagement speziell für die WvS-Baustelle zuständig sei, habe er – mit Fachkenntnis und unaufgeregter Art – viel Ruhe ins Verfahren gebracht.
Verantwortung Landkreis
Und der Landkreis? Wurden womöglich auch Fehler seitens der Verwaltung gemacht? Zur Ermittlung der genauen Abläufe innerhalb des Bauplanungsprozesses hat der Landkreis in der Folge der Hiobsbotschaft einen externen Berater hinzugezogen. Parallel dazu sei die Organisation des eigenen Gebäudemanagements untersucht worden. „Aus beiden Ergebnissen kann festgehalten werden, dass innerhalb der Fachdienststruktur keine erheblichen Mängel festgestellt wurden“, so Erster Kreisrat Dreßler. Es gebe jedoch Empfehlungen für die Einrichtung digitaler Workflows, eines sogenannten Help-Desks für technische Störungsmeldungen und die Erkenntnis, dass es mehr Personal brauche. Bauprojekte wie jenes am WvS sollten künftig enger begleitet werden, inklusive der Aufschaltung eines digitalen Systems zur Kostenkontrolle. Künftige Verträge mit Planungsbüros sollten weniger standardisiert ausfallen, sondern stärker den individuellen Anforderungen des Bauträgers angepasst werden.
Landkreis meldet
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Vorausschauendgelte, dass der Landkreis bei der schriftlichen Dokumentation schon ab dem Start bei Bauanlauf-Besprechungen besser im Sinn von konsequenter werden müsse. In der von Dreßlerunterzeichneten Antwort an die CDU heißt es: „Dies betrifft insbesondere Anforderungen an die Dokumentation, Protokollführung und Nachverfolgung von Abstimmungen.“ Zudem sei laut Verwaltung die Entscheidung getroffen worden, bei künftigen größeren und komplexen Bauvorhaben externe Projektsteuerungsleistungen einzusetzen. Und ein besonderes Schmankerl: Der Landkreis will mehr Kante zeigen, sprich böser werden, wenn etwas nicht klappt. Laut Fachdienst-Leiter Kruckowhat sich die Behörde eine Fortbildung eingekauft, um zu lernen, wie sie mehr Druck auf bockige Vertragspartner machen kann. Der Landkreis, räumte Kruckowein, sei „oft als zahnloser Tiger“ unterwegs gewesen – das soll der Vergangenheit angehören.
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