Oberharz: Wenn der Ski-Ausflug im DDR-Knast endet
Im Harz ist Skifahren Volkssport, aber gerade Touristen sorgen dann doch hin und wieder für lange Schlangen. Foto: Ahrens-Archiv
Verkehrschaos, ein saudischer Prinzenbesuch, ein Schnappschuss in der New York Times: Torfhaus im Winter hat viel Historisches erlebt. Die GZ zeigt die schönsten Bilder.
Clausthal-Zellerfeld. Harzturm, Wienerwald und rappeldickevolle Parkplätze: So präsentiert sich Torfhaus, wenn ausreichend Schnee zum Rodeln und Skifahren liegt. Und auch wenn manch einer der Meinung ist, früher sei beim ersten Schnee des Jahres nicht gleich ein Verkehrschaos ausgebrochen, so zeigen Fotoaufnahmen aus den vergangenen Jahrzehnten doch zumindest, dass Torfhaus als Winterreiseziel schon immer gefragt war. Und auch so manch eine kuriose Geschichte lässt sich anhand der Bilder erzählen. Ein Blick in die Archive der GZ und des Pressefotografen Herbert Ahrens.
Die saudische Prinzenfamilie kommt in den 1970ern und 1980ern regelmäßig in den Harz. Foto: Ahrens-Archiv
Im Januar 1958 etwa zeigt sich der Oberharz in weißem Gewand. Für zahlreiche Gäste aus der Umgebung Grund genug, einen Ausflug in Niedersachsens höchstgelegene Siedlung zu machen. Die Verkehrsdaten registrieren allein auf Torfhaus an einem einzigen Winterwochenende 80 Busse und 600 Pkw. Es sind die Hoch-Zeiten des Harz-Tourismus.

Volle Parkplätze bei Schnee sind seit Jahrzehnten im Oberharz üblich. Foto: Ahrens-Archiv
Während die einen Erholung suchen, ersticken die Straßen zum Teil im Winterverkehr. 1963 sind es bereits 1400 Pkw, die pro Woche auf den Parkplätzen auf Torfhaus stehen. Die Öffentlichen Anzeigen für den Harz greifen das Thema immer wieder auf. So auch 1968: „Die Verkehrsplaner müssen sich etwas einfallen lassen“, heißt es. An manchen Wochenenden sind die Straßen von Torfhaus und Sonnenberg hoffnungslos verstopft, sodass sich Staus bis nach Altenau und Oker bilden.

Ski-Touristen strömen mit Bussen und Autos nach Torfhaus. Foto: Ahrens-Archiv
Aber nicht nur der Schnee lockt Jahr für Jahr die Menschenmengen in den Oberharz. Zu Zeiten des Kalten Krieges hatte der kleine Ort einen besonderen, wenngleich zweifelhaften Charme: Die exponierte Lage ermöglicht einen quasi freien Blick über den Eisernen Vorhang herüber. Zeitweise werden sogar feste Fernrohre installiert, die Schaulustige animieren, zu beobachten, ob sich etwas auf dem Brocken tut.

Ein Mann befreit das Ortsschild von Schnee und Eis. Foto: Ahrens-Archiv
Das führt bei entsprechender Lage allerdings auch zu gefährlichen Situationen. Im Jahr 1984 sorgen Schneehöhen von einem Meter dafür, dass die Grenzpfähle nicht mehr richtig zu lesen sind. „Wer die weißen Hinweisschilder des Bundesgrenzschutzes mit ‚Halt hier Grenze‘ übersieht, der befindet sich schon auf dem Gebiet der DDR“, schreibt Herbert Ahrens zu einer Bilderserie.

„Halt! Hier Grenze“, steht auf einem Schild, im Hintergrund ein Mann auf Langlaufski. Das Foto schafft es in die New York Times. Foto: Ahrens-Archiv
„Der Gitterzaun steht oft rund 100 Meter zurück, und wer glaubt, eine verlockend schöne Ski-Wanderstrecke entdeckt zu haben, der muss mit plötzlichen Festnahmen, Verhören und Freiheitsentzug von Tagen oder Wochen rechnen.“ Ein Foto der Serie von Ahrens schafft es über den Teich, keinen im Oberharz, sondern den ganz großen. Das Bild wird in der New York Times abgedruckt.

Der Winterdienst sorgt dafür, dass die Urlauber in den Oberharz kommen können. Foto: Ahrens-Archiv
International sind über die Jahre hinweg auch die Besucher von Torfhaus. Einer sorgt für besonderes Aufsehen: Faisal bin Farhan, saudischer Prinz, in Deutschland aufgewachsen und heutiger Außenminister Saudi-Arabiens. Prinz Farhan al Faisal, ein Cousin des Königs, kommt in den 1970er- und 80er-Jahren regelmäßig in den Harz und verbringt dort seinen Winterurlaub. Der Sohn des Prinzen lernt in Torfhaus bei der Skischule Stuhlpfarrer das Skifahren. Dem Prinzen selbst hingegen waren Bretter damals nicht geheuer. Er blieb lieber in seinen lammfettgefütterten Stiefeln daneben.
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