70 Jahre Okertalsperre: Die spektakulären Fotos vom Bau
1954 sorgt Hochwasser für einen Baustopp an der Okertalsperre. Foto: Ahrens-Archiv
1956 ist die Okertalsperre nach einigen Jahren Bauzeit fertig. Sie sollte vor allem für Sicherheit im Harzvorland sorgen. Ein Blick in die Geschichte.
Schulenberg. Sie fasst bis zu 46 Millionen Kubikmeter Wasser, ist damit die größte im Harz und feiert in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag: die Okertalsperre. Ein Blick in die Geschichte.
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Wasser fließt von oben nach unten und nimmt immer den leichtesten Weg. Das lernt man schon im Kindergarten. Für das Harzvorland bedeutete das im Laufe der Geschichte immer wieder, dass es bei zu großen Niederschlagsmengen zu Fluten kam, was nicht nur in erster Instanz eine Gefahr für Leib und Leben war, sondern auch dazu geführt hat, dass sich Krankheiten ausbreiten konnten.

Der Baustand der Okertalsperre im Jahr 1953. Foto: Archiv Harry Plaster
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden dann – auch, aber nicht nur für den Hochwasserschutz – die ersten Talsperren im Harz errichtet. Schon 1938 ging es erstmals mit dem Bau der Okertalsperre los, während des Zweiten Weltkriegs wurden die Arbeiten allerdings wieder eingestellt. 1949 begannen die Arbeiten von Neuem.

1952 ist der Bau der Staumauer in vollem Gang. Foto: Archiv Harry Plaster
Für 280 Menschen bedeutete der Bau der Okertalsperre allerdings, dass sie ihr Zuhause verlassen mussten. Die Einwohner von Unterschulenberg mussten in das 100 Meter höher gelegene Schulenberg auf den Kleinen Wiesenberg umsiedeln. Nach und nach begannen sie, ihr Hab und Gut in den neuen Ort zu verlagern. Am 29. August 1954 schließlich kamen Tausende Menschen und eine Blaskapelle nach Unterschulenberg, um die Umsiedlungsfeier zu besuchen und die Anwohner beim Marsch aus ihrer alten Heimat auf den Kleinen Wiesenberg zu begleiten.

Der Blick nach Unterschulenberg im Jahr 1953. Foto: Archiv Harry Plaster
Und während die Schulenberger sich in ihrem neuen Zuhause einlebten, ging es mit dem Bau der Okertalsperre voran. Im Tal entstand eine 260 Meter lange und 67 Meter hohe Bogengewichtsstaumauer, deren Bau günstiger war als andere Talsperrentypen. 1956 schließlich ist die Staumauer fertig. Nach Angaben der Harzwasserwerke, die die Talsperren im Harz seit jeher betreiben, sind in ihr insgesamt 138.000 Kubikmeter Beton verbaut.

Brückenbau im Jahr 1952. Foto: Archiv Harry Plaster
Im selben Jahr füllte sich der Okerstausee zum ersten Mal, was zur Folge hatte, dass auch die Überreste Unterschulenbergs endgültig unter den Wassermassen verschwanden. Lediglich bei Niedrigwasser, unter einem Niveau von 26 Prozent Füllstand, treten sie noch zutage, was gerade bei Touristen ein beliebtes Fotomotiv ist.

Blick auf die Okertalsperre im Jahr der Fertigstellung, 1956. Foto: Archiv Harry Plaster
Während der Hochwasserschutz von Anfang an der Hauptgrund für den Bau der Talsperre war, begann 1956 zusätzlich der Bau eines Wasserkraftwerks, das ein Jahr später in Betrieb genommen wurde. Bis heute wird das aufgestaute Wasser der Talsperre genutzt, um Strom zu erzeugen. Das Wasser wird dafür über einen Entnahmestollen zum Kraftwerk in Romkerhalle geleitet. Dort fließt es weiter in das rund anderthalb Kilometer unterhalb gelegene Ausgleichsbecken und von dort zurück in die Oker. Laut den Harzwasserwerken werden so jährlich 12,5 Millionen Kilowattstunden erzeugt.
Zur Trinkwassergewinnung wird die Okertalsperre übrigens erst seit 1971 genutzt. Seitdem wird Wasser daraus über den 7,5 Kilometer langen Oker-Grane-Stollen zur benachbarten Granetalsperre geleitet. Erst dort wird schließlich das Trinkwasser gewonnen.
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