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Treffen im Wirtschaftsministerium

GZ Plus IconHSB-Bahnanschluss für Braunlage: So sieht der Plan jetzt aus

Die Loks der Harzer Schmalspurbahn im Bahnhof von Wernigerode.

Ob die Harzer Schmalspurbahn auch irgendwann bis nach Braunlage fährt, darüber gab es jetzt ein weiteres Gespräch. Foto: Frank Drechsler

Im Wirtschaftsministerium in Hannover wurde über den Fahrplan für einen möglichen Anschluss der Harzer Schmalspurbahn (HSB) an Braunlage beraten. Mit folgendem Ergebnis.

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Von Berit Nachtweyh
Freitag, 06.03.2026, 19:45 Uhr

Braunlage/Hohegeiß. Im Wirtschaftsministerium des Landes Niedersachsen gab es in dieser Woche ein Planungstreffen zum möglichen Anschluss Braunlages an das Netz der Harzer Schmalspurbahn (HSB). Dazu hatte Staatssekretär Matthias Wunderling-Weilbier nach Hannover eingeladen. Sowohl Braunlages Bürgermeister Wolfgang Langer als auch Goslars Landrat Dr. Alexander Saipa berichten auf ihren Social-Media-Kanälen von einem konstruktiven Gespräch.

An der Beratung hatten auch Landrat Thomas Balcerowski (Landkreis Harz), der Oberharzer Landtagsabgeordnete Alexander Saade, HSB-Geschäftsführerin Katrin Müller sowie der Regionalverband Braunschweig teilgenommen. Sie hätten mit diesem Treffen ein „starkes Zeichen für dieses zukunftsweisende Gesamtharzer Projekt gesetzt“, schreibt Wolfgang Langer. Es sei eine „klare Vorstellung für die nächsten Schritte entwickelt“ worden, heißt es weiter.

Der wichtigste Schritt

Wie sollen diese nächsten Schritte aussehen? „Bevor überhaupt über eine Erweiterung entschieden werden kann, muss die HSB ihr bestehendes Streckennetz modernisieren und dauerhaft stabil betreiben können – ohne wirtschaftlich in Schieflage zu kommen“, schreibt Dr. Alexander Saipa auf Instagram und bezeichnet dies als den „ersten und wichtigsten Schritt“.
Die blau gestrichelte Linie zeigt den möglichen Verlauf der Bahnstrecke zwischen Elend und Braunlage.

Die blau gestrichelte Linie zeigt den möglichen Verlauf der Bahnstrecke zwischen Elend und Braunlage. Foto: (Grafik) GZ/Exner

Unterdessen gelte es, die Zeit sinnvoll zu nutzen, fordert der Landrat. Das hieße: „Alle beteiligten Behörden prüfen parallel jetzt schon die Rahmenbedingungen“, so Saipa. Dazu gehörten sowohl Umweltfragen als auch Fördermöglichkeiten und Wirtschaftlichkeit. Für die Aspekte rund um den Naturschutz liefere die bereits vorliegende Machbarkeitsstudie (GZ berichtete) schon eine „wertvolle Arbeitsgrundlage“, erklärt Bürgermeister Langer.

Keine Zeit verlieren

Einig sei man sich in der Beratungsrunde darüber gewesen, keine Zeit verlieren zu wollen, „falls die Modernisierung des Bestandsnetzes gelingt, und eine Erweiterung realistisch wird“, schreibt Landrat Alexander Saipa. Ziel des Projektes bleibe nach seinen Worten, Chancen zu nutzen, Risiken zu benennen und Schritt für Schritt zu prüfen, was machbar und sinnvoll sei.

Das Ergebnis dieser Beratung im Wirtschaftsministerium könnte wohl auch im Sinne des CDU-Ortsverbandes Hohegeiß sein, der vorab in einer Pressemitteilung zum geplanten HSB-Anschluss gefordert hatte, vor einem möglichen Baustart „alle Kernfragen zu klären“. „Im vergangenen Jahr wurde eine öffentliche Debatte geführt, ob das angeschlagene Wernigeröder Eisenbahnunternehmen überhaupt noch eine Zukunft hat“, schreibt der Hohegeißer CDU-Chef Lothar Meyer. Die HSB sei „schwer angeschlagen und kämpfe ums Überleben“. Zweifelhaft sei nach Meyers Ansicht das Argument, „dass der Zug nur noch 45 Minuten nach Wernigerode benötigt und damit 9 Minuten schneller ist als der Bus“. Der Hohegeißer CDU-Ortsvorsitzende merkt außerdem an, dass für Gäste die Busfahrt mit Hatix-Ticket kostenfrei ist.

Zweifel an Baukosten

Zunächst müsse, so die Hohegeißer CDU, die Kernfrage geklärt werden, ob das Land Sachsen-Anhalt die finanzielle Zusage von 800 Millionen plus Kostensteigerungen für das gesamte Netz der Harzer Schmalspurbahnen bereitstellt. Auch werden die mit 42 Millionen Euro bezifferten Baukosten der Anbindung nach Braunlage laut Meyer von Kritikern angezweifelt. Insider sprächen von einem Investitionsbedarf von nahezu 70 Millionen, schreibt der Hohegeißer in der Pressemitteilung. Und dabei seien die Anschlusskosten nach Pullmann City noch außen vor.

Nach Ansicht der CDU im Bergdorf benötige die HSB für ihre Planung „ein schnelles und klares Signal aus Niedersachsen“, denn nur, wenn in den nächsten Jahrzehnten Geld fließe, habe die HSB eine Chance zum Überleben. Allen Verantwortlichen in Niedersachsen müsse aber bei ihren Entscheidungen bewusst sein, so Lothar Meyer, „dass es letztlich auch darum geht, jährliche Verluste der defizitären Bahnen Selketal und Harzquerbahn mitzutragen“.

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