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Vereinsmitglieder stimmen ab

GZ Plus IconEntscheidung gefallen: Harzburg-Turm soll gebaut werden

Ohne Gegenstimme votieren die Mitglieder des Fördervereins Historischer Burgberg mit gehobenen Händen dafür, das Projekt „Turmbau zu Harzburg“ fortzusetzen.

Ohne Gegenstimme votieren die Mitglieder des Fördervereins Historischer Burgberg dafür, das Projekt „Turmbau zu Harzburg“ fortzusetzen. Foto: Exner

Ohne Gegenstimme hat sich der Förderverein Historischer Burgberg für den Wiederaufbau eines Teils der Harzburg ausgesprochen. So geht es mit dem Projekt jetzt weiter.

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Von Christoph Exner
Freitag, 14.11.2025, 04:00 Uhr
Am liebsten würde der Förderverein Historischer Burgberg die gesamte alte Harzburg wiederaufbauen. Dass dies unrealistisch ist, wissen dessen Mitglieder. Mit dem Harzburg-Turm, für den im Sommer erstmals Entwürfe präsentiert wurden (die GZ berichtete), soll jedoch zumindest ein Teil der bereits vor Hunderten Jahren geschliffenen Festungsanlage in modernem Stil wiederaufgebaut werden. An diesem Projekt möchte man festhalten, auch wenn das Geld dafür noch nicht beisammen ist. Dafür haben sich die Mitglieder jetzt während ihrer Jahreshauptversammlung ausgesprochen. Zwei enthielten sich. Doch wie geht es jetzt weiter? Wann ist mit einem Baustart zu rechnen?

In den Augen des Vereins Historischer Burgberg werden die Überbleibsel der einstigen Harzburg viel zu schlecht präsentiert und beworben. Dabei seien sie es ja schließlich, die der Stadt ihren Namen geben. Für seine Idee, den Pulverturm sowie ein Stück der früheren Burgmauer neben der heutigen Gaststätte „Aussichtsreich“ wieder aufzubauen, konnte der Verein um seinen Vorsitzenden Dirk Junicke den Schweizer Star-Architekten Max Dudler gewinnen.

Darum geht es

Vom 27 Meter hohen Turm aus, gebaut in Naturstein und Beton, sollen Besucher nicht nur die Aussicht genießen können. Vor allem geht es darum, in dem Gebäude in mehreren Ausstellungen etwas über die Geschichte des Burgbergs und seiner alten Festungsanlage, die mit ihnen verbundenen Geschehnisse und die anderen Burgen im Harz zu erfahren. In einem Anbau mit Veranstaltungssaal soll auch der sagenumwobene Burgbrunnen prominent in Szene gesetzt werden. Die Kosten werden auf fünf Millionen Euro für den Turm und weitere zwei Millionen Euro für den Anbau geschätzt. Beides könnte getrennt und unabhängig voneinander errichtet werden.
Eine Grafik: Grau markiert der Umriss der alten Harzburg, schwarz die heute bestehenden Gebäude. Rot markiert ist der Teil, der neu entstehen, beziehungsweise wiederhergestellt werden soll.

Grau markiert der Umriss der alten Harzburg, schwarz die heute bestehenden Gebäude. Rot markiert ist der Teil, der neu entstehen, beziehungsweise wiederhergestellt werden soll. Foto: Büro Max Dudler

Entwürfe für einen solchen Turm gab es in der Vergangenheit bereits, etwa für einen aus Glas und Stahl. Der wurde seinerzeit jedoch aus Gründen der Optik abgelehnt. So weit wie jetzt war man deshalb noch nie. Trotzdem hat der Förderverein die meiste Arbeit noch vor sich.

Das sind die nächsten Schritte

Jetzt, da es eine Entscheidung zugunsten des Projekts gibt, soll mit den Bad Harzburger Kur-, Tourismus- und Wirtschaftsbetrieben gesprochen werden, die Eigentümer des Burgberg-Plateaus sind. Geben die grünes Licht für das Vorhaben, müsste auch der Stadtrat zustimmen und einen Bebauungsplan für den Bereich aufstellen. Damit sei frühestens Anfang 2027 zu rechnen, schätzt Vereinsvorsitzender Junicke. „Das wäre ideal.“ Anschließend müsste auch der Kreistag entscheiden, ob die Fläche zugunsten des Baus aus dem Landschaftsschutzgebiet entlassen wird.
Der Ist-Zustand auf dem Burgberg-Plateau: Neben dem „Aussichtsreich“ findet sich der in Teilen bereits wieder aufgebaute Pulverturm. Dessen Mauern sollen überbaut werden.

Der Ist-Zustand auf dem Burgberg-Plateau: Neben dem „Aussichtsreich“ findet sich der in Teilen bereits wieder aufgebaute Pulverturm. Dessen Mauern sollen überbaut werden. Foto: Exner

Erst ab diesem Zeitpunkt würden dem Förderverein weitere Kosten entstehen. Stimmt nämlich die Politik zu, sind Gutachten einzuholen, für die der Verein bezahlen muss. Dann käme das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege ins Spiel: Bevor das Burgberg-Plateau zur Baustelle wird, würden dort archäologische Grabungen unternommen. Die würden ungefähr ein Jahr in Anspruch nehmen und den Verein noch einmal geschätzte 100.000 Euro kosten, rechnet Junicke vor. Sie brächten allerdings auch einen Erkenntnisgewinn, denn dadurch wisse man für den Bau des Turms auch gleich, wie es um die Bodenverhältnisse vor Ort beschaffen ist.

Sobald jene Grabungen abgeschlossen wären, solle noch einmal eine Versammlung des Vereins einberufen werden, in dem ein zweites und letztes Mal abgestimmt würde, ob nun wirklich gebaut werden soll, oder nicht.

Diese Fragen sind noch offen

Offen ist nach wie vor die Frage, wie das Projekt finanziert werden soll. Selbst für die vorbereitenden Maßnahmen reicht das Vereinsvermögen aktuell nicht aus. Rund 30.000 Euro habe man bereits für den Entwurf des Architekten Dudler bezahlt. Laut Junicke, der sich als Immobilien-Unternehmer von Berufs wegen damit auskennen sollte, sei man damit verhältnismäßig günstig weggekommen. Derzeit verfügt der Verein damit noch über rund 50.000 Euro Eigenmittel.
Ein Konzeptbild zeigt, wie der neue Harzburg-Turm laut Planern einmal aussehen kann. 

Historisch trifft modern: So könnte der neue Harzburg-Turm laut Planern einmal aussehen. Foto: (Konzept) Büro Max Dudler

Öffentliche Gelder werden für ein solches Vorhaben in den kommenden Jahren wohl nur schwer zu bekommen sein, auch die Spendenbereitschaft der aktuell 105 Mitglieder des Vereins allein wird dafür gewiss nicht ausreichen. Junicke ist sich jedoch sicher, dass man die Summe zusammenbekommen kann.

Ein paar Ideen, wie man an Geld kommen könnte, gab es während der Jahreshauptversammlung von Seite der Mitglieder: Eine Spendendose könnte auf dem Burgberg-Plateau aufgestellt werden, hieß es. Man könnte ein Modell vom Turm verkaufen, so wie das in der Vergangenheit bereits beim Denkmal der „Dame mit Esel“ am Berliner Platz gemacht worden ist. Oder aber man könnte einzelne Turm-Stufen „verkaufen“, auf die dann der Name des jeweiligen Spenders eingraviert wird.
Dirk Junicke (links) und sein Stellvertreter Reinhard Vierke ziehen symbolisch einen Säbel als Zeichen der gefallenen Entscheidung.

Dirk Junicke (links) und sein Stellvertreter Reinhard Vierke ziehen symbolisch einen Säbel als Zeichen der gefallenen Entscheidung. Foto: Exner

Ebenfalls noch unklar ist, wer als Bauherr auftreten soll. Denkbar sei zu diesem Zweck die Gründung einer gemeinnützigen GmbH. Damit hat Junicke nämlich schon bei der Bad Harzburger Bücher-Heimat gute Erfahrungen gemacht.

Gibt es einen Zeitplan?

Bis tatsächlich mit dem „Turmbau zu Harzburg“ begonnen werden kann, werden also wohl noch einige Jahre vergehen. Eine Frist, bis wann das passieren muss, gibt es nicht. Gleichwohl möchte Architekt Max Dudler nach eigener Aussage gerne noch erleben, dass seine Zeichnungen in die Wirklichkeit umgesetzt werden.

Horst Woick, Harzburg-Forscher und Ehrenmitglied des Fördervereins Historischer Burgberg, hielt einen flammenden Appell: „Im Jahr 2068 wäre die Harzburg 1000 Jahre alt geworden. Bis dahin sollte der Turm stehen.“ Die Harzburg bilde zusammen mit der Kaiserpfalz in Goslar und jener in Werla ein magisches Dreieck deutscher Geschichte.

Auch Junicke ist sich sicher: „Mit dem Turm bekommt Bad Harzburg ein architektonisches Meisterwerk“. Auch, wenn bis dahin noch sehr viel Arbeit zu erledigen ist.

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