Dieser Bergmann gab dem Oberharzer Ottiliae-Schacht seinen Namen
Der Ottiliae-Schacht westlich von Clausthal-Zellerfeld gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der Oberharzer Bergbaugeschichte. Wer war sein Namensgeber? Foto: GZ-Archiv
Der Name des historischen Ottiliae-Schachts westlich von Clausthal-Zellerfeld erinnert an einen bedeutenden Bergbeamten. Wer steckt dahinter?
Clausthal-Zellerfeld. Wer derzeit mit der Tagesförderbahn zum Ottiliae-Schacht fährt, begegnet neben einem der bekanntesten Industriedenkmäler des Oberharzes auch einem Namen, der die Geschichte des Oberharzer Bergbaus nachhaltig geprägt hat. Der Schacht ist benannt nach Ernst Hermann Ottiliae. Wer war dieser Bergmann? Die GZ gibt einen historischen Einblick in sein Leben.
Ottiliae wurde am 16. Februar 1821 in Eisleben geboren. Er begann seine bergmännische Karriere im heimischen Revier und stieg dann mit seiner Sachkenntnis in Halberstadt, Eisleben, Clausthal und Breslau bis zum Berghauptmann und Oberbergamtsdirektor auf. Er verfasste einige richtungsweisende Fachschriften, sorgte für die Neustrukturierung der Bergwerksverwaltung im vormaligen Königreich Hannover und erhielt zahlreiche hohe Auszeichnungen. Mit seinem segensreichen Wirken im Dienste der Weiterentwicklung des Bergbaus im Harz und in Schlesien erreichte er eine große und bis heute anhaltende Nachwirkung. Der Zentralschacht der Bergwerke in Clausthal trägt bis heute seinen Namen. Dazu gehört eine Informationstafel, die auf seine Leistungen und Bedeutung verweist.
Ein Bergmann durch und durch
Als Vater ist Ernst Ottiliae überliefert, der zunächst als Hüttenmeister und dann als Direktor der Oberhütte der Mansfelder Kupferschieferbau-Gewerkschaft fungierte. Der Sohn besuchte die Schulen in Eisleben, legte am örtlichen Gymnasium 1840 das Abitur ab und begann danach im heimischen Kupferschieferrevier ein Probejahr mit ersten Untertageschichten. Mit Folgen: Ottiliae besuchte die Eisleber Bergschule, hatte dabei die Matrikel-Nummer 270 und absolvierte am Ende der Bergschulzeit Praktika in den Steinkohlebergwerken des mitteldeutschen Reviers wie in Lobejün. Er hatte nun in Theorie und Praxis ein Fundament gelegt, das ihn für ein weiterführendes Studium befähigte.

Der nach ihm benannte Schacht ist heute fast ein Wahrzeichen Clausthals: Vor 205 Jahren wurde Ernst Hermann Ottiliae geboren. Das Foto zeigt ihn (von links) mit den Berghauptmännern und Bergassessoren Adolf Achenbach, Hermann v.d. Heyden-Rynsch, Hermann Brassert und Karl Friedrich Eilert. Foto: GZ-Archiv
Fanprojekt: Wenn die Harzer Innerstetalbahn nicht stillgelegt wäre
Der nunmehrige Oberbergamtsdirektor wirkte die zehn Folgejahre im Clausthaler Revier, sorgte für viele Neuerungen und für eine größere Effektivität. Damit wurde er für die Berliner Obrigkeit der richtige Fachmann für neue Impulse im schlesischen Revier. Am 5. August 1878 übernahm Ottiliae den Chefposten im Oberbergamt in Breslau. 13 Jahre wirkte er in Schlesien. 1891 ging der Bergfachmann mit dem Titel eines Wirklichen Geheimen Oberbergrates in den Ruhestand. Da war er 70 Jahre alt. Es blieben ihm noch 13 Jahre im Kreise seiner Familie in Breslau, wo er am 1. August 1904 verstarb.
Der nach Ottiliae benannte Schacht liegt westlich von Clausthal-Zellerfeld. Er diente einst als zentraler Hauptförderschacht für Erze des Rosenhöfer, Burgstätter und Zellerfelder Gangzuges und wurde 1930 stillgelegt. Nach rund einem halben Jahrhundert Erzförderung (1878 bis 1930) diente der Ottiliae-Schacht noch fast vier Jahrzehnte als Wasserkraftwerk (1941 bis 1980). Aus diesem Grund gehört das Denkmal-Ensemble heute zum Unesco-Weltkulturerbe Oberharzer Wasserwirtschaft. Zudem ist das Industriedenkmal heute Außenstandort des Oberharzer Bergwerksmuseums und wurde in den vergangenen Jahren umfassend restauriert.Mitgründer des Geschichts- und Museumsvereins

Auch der frühere RKS-Direktor und Vorsitzende des Oberharzer Geschichts- und Museumsvereins, Helmut Radday, hilft beim Bau der Tagesförderbahn zum Ottiliae-Schacht. Foto: GZ-Archiv
Nicht richtig sei übrigens, dass Ottiliae im Steigerwohnhaus oberhalb des nach ihm benannten Schachtes gewohnt habe, so Reiff. „Das wäre eindeutig unter seinem Stand gewesen.“ Dort wohnten die Betriebsbeamten der zentralen Erzaufbereitung, zu der auch der Ottiliae-Schacht gehörte, aber nicht ein Berghauptmann, der noch bis in die jüngere Vergangenheit seine Dienstwohnung im Oberbergamt hatte.
Mit der Tagesförderbahn zum Schacht

Dampflok „Fabian“ ist im Oktober wieder zwischen ZOB und Ottiliae-Schacht unterwegs. Foto: Stumpf/Archiv
Die Teilnahme kostet 12 Euro (ermäßigt 8 Euro, Familien 21 Euro). Tickets sind vor Ort erhältlich. Am Wochenende vom 17. und 18. Oktober ist ebenfalls wieder die Lok „Fabian“ auf der Strecke unterwegs.
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