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Direktor des Clausthaler Oberbergamts

Dieser Bergmann gab dem Oberharzer Ottiliae-Schacht seinen Namen

Der Ottiliae-Schacht westlich von Clausthal-Zellerfeld gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der Oberharzer Bergbaugeschichte.

Der Ottiliae-Schacht westlich von Clausthal-Zellerfeld gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der Oberharzer Bergbaugeschichte. Wer war sein Namensgeber? Foto: GZ-Archiv

Der Name des historischen Ottiliae-Schachts westlich von Clausthal-Zellerfeld erinnert an einen bedeutenden Bergbeamten. Wer steckt dahinter?

Von Redaktion 19.09.2026, 04:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Wer derzeit mit der Tagesförderbahn zum Ottiliae-Schacht fährt, begegnet neben einem der bekanntesten Industriedenkmäler des Oberharzes auch einem Namen, der die Geschichte des Oberharzer Bergbaus nachhaltig geprägt hat. Der Schacht ist benannt nach Ernst Hermann Ottiliae. Wer war dieser Bergmann? Die GZ gibt einen historischen Einblick in sein Leben.

Ottiliae wurde am 16. Februar 1821 in Eisleben geboren. Er begann seine bergmännische Karriere im heimischen Revier und stieg dann mit seiner Sachkenntnis in Halberstadt, Eisleben, Clausthal und Breslau bis zum Berghauptmann und Oberbergamtsdirektor auf. Er verfasste einige richtungsweisende Fachschriften, sorgte für die Neustrukturierung der Bergwerksverwaltung im vormaligen Königreich Hannover und erhielt zahlreiche hohe Auszeichnungen. Mit seinem segensreichen Wirken im Dienste der Weiterentwicklung des Bergbaus im Harz und in Schlesien erreichte er eine große und bis heute anhaltende Nachwirkung. Der Zentralschacht der Bergwerke in Clausthal trägt bis heute seinen Namen. Dazu gehört eine Informationstafel, die auf seine Leistungen und Bedeutung verweist.

Ein Bergmann durch und durch

Als Vater ist Ernst Ottiliae überliefert, der zunächst als Hüttenmeister und dann als Direktor der Oberhütte der Mansfelder Kupferschieferbau-Gewerkschaft fungierte. Der Sohn besuchte die Schulen in Eisleben, legte am örtlichen Gymnasium 1840 das Abitur ab und begann danach im heimischen Kupferschieferrevier ein Probejahr mit ersten Untertageschichten. Mit Folgen: Ottiliae besuchte die Eisleber Bergschule, hatte dabei die Matrikel-Nummer 270 und absolvierte am Ende der Bergschulzeit Praktika in den Steinkohlebergwerken des mitteldeutschen Reviers wie in Lobejün. Er hatte nun in Theorie und Praxis ein Fundament gelegt, das ihn für ein weiterführendes Studium befähigte.

Der nach ihm benannte Schacht ist heute fast ein Wahrzeichen Clausthals: Vor 205 Jahren wurde Ernst Hermann Ottiliae geboren. Das Foto zeigt ihn mit den Berghauptmännern und Bergassessoren (von links) Adolf Achenbach, Hermann v.d. Heyden-Rynsch, Hermann Brassert und Karl Friedrich Eilert.

Der nach ihm benannte Schacht ist heute fast ein Wahrzeichen Clausthals: Vor 205 Jahren wurde Ernst Hermann Ottiliae geboren. Das Foto zeigt ihn (von links) mit den Berghauptmännern und Bergassessoren Adolf Achenbach, Hermann v.d. Heyden-Rynsch, Hermann Brassert und Karl Friedrich Eilert. Foto: GZ-Archiv

Die Hochschulstudien im Bergfach absolvierte Ottiliae in Berlin und Halle. Es folgten die Bergreferendarprüfung in Halle und 1848 die Übernahme als Bergreferendar im Bergamt von Halberstadt. Der aufstrebende Bergbeamte glänzte mit Sachkenntnis, Neuerungen und organisatorischer Begabung. Nach fünf Jahren wurde Ottiliae 1853 zum Bergmeister erhoben. Ein Jahr später war er Bergassessor. Parallel zur praktischen und organisatorischen Arbeit verfasste der Aufsteiger erste Schriften. Er galt als Hoffnungsträger im Harzrevier. Seine Karriere nahm nun Fahrt auf. 1860 wurde Ottiliae zum kommissarischen Direktor des Eisleber Bergamtes ernannt. Ein Jahr später war er Oberbergrat und wurde dann als Mitglied in das Oberbergamt in Halle berufen. Das war für ihn aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Sein Ruf als Fachmann und Macher trug ihm 1867 die Berufung zum Chef der Bergdirektion in Kassel und kurze Zeit später ins Bergamt nach Clausthal ein. In der Bergstadt mit Bergakademie legte er so richtig los. Zusammen mit dem Berghauptmann von Linsingen nahm er die Neustrukturierung der Bergverwaltung für den gesamten Bereich des vormaligen Königreiches Hannover, das nach 1866 zu Preußen gehörte, in Angriff. Ottiliae sorgte mit seiner Sachkenntnis für frischen Wind, wohnte im Clausthaler Amtshaus und fungierte ab 1868 nach der Neueinrichtung des Oberbergamtes Clausthal als dessen Chef.

Der nunmehrige Oberbergamtsdirektor wirkte die zehn Folgejahre im Clausthaler Revier, sorgte für viele Neuerungen und für eine größere Effektivität. Damit wurde er für die Berliner Obrigkeit der richtige Fachmann für neue Impulse im schlesischen Revier. Am 5. August 1878 übernahm Ottiliae den Chefposten im Oberbergamt in Breslau. 13 Jahre wirkte er in Schlesien. 1891 ging der Bergfachmann mit dem Titel eines Wirklichen Geheimen Oberbergrates in den Ruhestand. Da war er 70 Jahre alt. Es blieben ihm noch 13 Jahre im Kreise seiner Familie in Breslau, wo er am 1. August 1904 verstarb.

Der nach Ottiliae benannte Schacht liegt westlich von Clausthal-Zellerfeld. Er diente einst als zentraler Hauptförderschacht für Erze des Rosenhöfer, Burgstätter und Zellerfelder Gangzuges und wurde 1930 stillgelegt. Nach rund einem halben Jahrhundert Erzförderung (1878 bis 1930) diente der Ottiliae-Schacht noch fast vier Jahrzehnte als Wasserkraftwerk (1941 bis 1980). Aus diesem Grund gehört das Denkmal-Ensemble heute zum Unesco-Weltkulturerbe Oberharzer Wasserwirtschaft. Zudem ist das Industriedenkmal heute Außenstandort des Oberharzer Bergwerksmuseums und wurde in den vergangenen Jahren umfassend restauriert.

Mitgründer des Geschichts- und Museumsvereins

Auch der frühere RKS-Direktor und Vorsitzende des Oberharzer Geschichts- und Museumsvereins, Helmut Radday, hilft beim Bau der Tagesförderbahn zum Ottiliae-Schacht.

Auch der frühere RKS-Direktor und Vorsitzende des Oberharzer Geschichts- und Museumsvereins, Helmut Radday, hilft beim Bau der Tagesförderbahn zum Ottiliae-Schacht. Foto: GZ-Archiv

Ulrich Reiff, der ehemalige Leiter des Bergwerksmuseums, erinnerte 2021 zum 200. Geburtstag des Bergmanns in der GZ an eine weitere Tatsache, die nicht vergessen werden sollte: Ernst Hermann Ottiliae war 1884 eines der Gründungsmitglieder des Zweigvereins Clausthal des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde. 1924 neu gegründet, ist er heute bekannt als Oberharzer Geschichts- und Museumsverein.

Nicht richtig sei übrigens, dass Ottiliae im Steigerwohnhaus oberhalb des nach ihm benannten Schachtes gewohnt habe, so Reiff. „Das wäre eindeutig unter seinem Stand gewesen.“ Dort wohnten die Betriebsbeamten der zentralen Erzaufbereitung, zu der auch der Ottiliae-Schacht gehörte, aber nicht ein Berghauptmann, der noch bis in die jüngere Vergangenheit seine Dienstwohnung im Oberbergamt hatte.

Mit der Tagesförderbahn zum Schacht

Dampflok Fabian ist im Oktober wieder zwischen ZOB und Ottiliae-Schacht unterwegs.

Dampflok „Fabian“ ist im Oktober wieder zwischen ZOB und Ottiliae-Schacht unterwegs. Foto: Stumpf/Archiv

Noch bis Ende Oktober können sich Interessierte bei Erlebnisfahrten mit der Tagesförderbahn selbst ein Bild von der historischen Anlage machen. An Sonn- und Feiertagen um 11 und 14.30 Uhr fährt die Bahn vom ZOB am Alten Bahnhof zur Welterbestätte Ottiliae-Schacht. „Am Ottiliae-Schacht angekommen, erstreckt sich vor Ihnen das älteste erhaltene Fördergerüst Europas. Bei einer kurzweiligen Führung auf dem ehemaligen Schachtgelände erfahren Sie mehr zu der industriellen Geschichte des Bergbaus“, heißt es in der Ankündigung.

Die Teilnahme kostet 12 Euro (ermäßigt 8 Euro, Familien 21 Euro). Tickets sind vor Ort erhältlich. Am Wochenende vom 17. und 18. Oktober ist ebenfalls wieder die Lok „Fabian“ auf der Strecke unterwegs.

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