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Nach Treffen mit Landrat Saipa

GZ Plus IconDie CvD-Abiturienten dürfen in der Schule wieder Partys feiern

Hand drauf (v.l.): Der frühere CvD-Schulsprecher Julian Heger und die aktuelle Amtsinhaberin Amy Deetz schlagen mit Landrat Dr. Alexander Saipa auf die Party-Lösung ein.

Hand drauf (v.l.): Der frühere CvD-Schulsprecher Julian Heger und die aktuelle Amtsinhaberin Amy Deetz schlagen mit Landrat Dr. Alexander Saipa auf die Party-Lösung ein. Foto: Privat

Am Ende geben sich alle die Hand und sind mit der Lösung zufrieden: Die CvD-Abiturienten dürfen auch im neuen Schulzentrum Goldene Aue Partys feiern, für die ihr Direktor den Hut aufsetzt. Wie vorher schon – jetzt nur mit einem theoretischen Umweg.

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Von Frank Heine
Mittwoch, 25.09.2024, 12:10 Uhr

Goslar. „Der Knoten ist durchschlagen“: Mit dieser Botschaft hat sich Landrat Dr. Alexander Saipa (SPD) noch am frühen Dienstagabend über Instagram gemeldet und ein Handschlag-Foto mit CvD-Schülersprecherin Amy Deetz und ihrem Vorgänger Julian Heger gepostet. Für die eigentlich für Freitag geplante und in der Vorwoche vom Landkreis untersagte „End-of-Summer-Party“ kommt das zwar zu spät. Aber für Ende Oktober steht jetzt eine Halloween-Fete der CvD-Abiturienten auf dem Programm, die Deetz beim Treffen am Dienstag mündlich vorgetragen und „gegen die keiner ein Veto eingelegt hat“.

In der Goldenen Aue waren demnach neben Saipa, Deetz und Heger auch noch CvD-Direktor Martin Ehrenberg und Realschulrektorin Ulrike Eilers sowie Erster Kreisrat Frank Dreßler und Schulfachbereichsleiter Michael Conzen anwesend. „Wir haben uns geeinigt, wie Partys der Abi-Jahrgangsstufen rechtssicher für alle Beteiligten stattfinden können“, schreibt Saipa. Die CvD-Leitung werde die organisatorische Verantwortung tragen und das Hausrecht in dieser Zeit ausüben. Damit sei alles rechtssicher, und den Feiern stehe nichts im Wege. Allerdings übe aktuell die Leitung der Realschule geschäftsführend dieses Hausrecht aus und müsse es für diesen Fall abgeben.

Wechsel alle zwei Jahre

Wie ist dieser Passus einzuordnen? Ja, beide Schulen wechseln sich alle zwei Jahre in der Geschäftsführung ab – zuletzt im Februar. Nein, in der Praxis ist es in der Vergangenheit noch nie vorgekommen, dass eine Schule der anderen eine Veranstaltung verboten oder ein Chef ein außerschulisches Vorhaben bei der anderen Chefin beantragt hat. Der jeweils nicht geschäftsführende Part wäre im Übrigen der einzige Leiter einer Landkreisschule, der in seinem Schulgebäude nicht das Hausrecht hätte. Ehrenberg war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er hatte aber stets von einer schulischen Veranstaltung gesprochen und nie einen Zweifel gelassen, dass er mit seiner Genehmigung für die Abiturienten auch die Verantwortung trägt.

In der Auseinandersetzung Position bezogen: Julian Heger und Amy Deetz hatten vom Goslarer Ratsherren und früheren Ratsgymnasiasten Niklas Prause Unterstützung erhalten.

In der Auseinandersetzung Position bezogen: Julian Heger und Amy Deetz hatten vom Goslarer Ratsherren und früheren Ratsgymnasiasten Niklas Prause Unterstützung erhalten. Foto: Sowa

Unterstützung für diese Position war übrigens von Goslars Ehrenbürger und gelernten Lehrer Sigmar Gabriel gekommen. Von der Landesschulbehörde war eine eindeutige Klärung der Frage nicht zu bekommen. Pressesprecherin Mareike Wellmeier verwies auf den Landkreis Goslar, „da dieser Schulträger ist, ihm somit das Gebäude gehört und er das Hausrecht innehat“.

Petition erfolgreich

Eine allgemeingültige Bewertung, ob es sich bei der Party um eine schulische Veranstaltung handele, könne die Behörde ohne einen eindeutigen schulischen Bezug wie Unterricht oder Schulveranstaltung leider auch nicht vornehmen. Ehrenberg hatte sie jedoch als solche deklariert.

Wie auch immer: Für Deetz und Heger ist wiederum vor allem wichtig, dass es so weitergehen kann, wie es seit Langem CvD-Praxis war, und auch für die anderen Schulen im Landkreis Rechtssicherheit herrscht. Und weil dies so ist, hat Heger seine Petition auf der Plattform change.org gegen die „kulturelle Unterdrückung durch den Landkreis“ auch gestoppt und als Erfolg deklariert. Bis Mittwochfrüh waren 1026 Unterschriften eingegangen.

Nachdem die GZ über Feten-Absage und Petition berichtet und Ex-Vizekanzler Gabriel dem CvD öffentlich zur Klage geraten habe, sei es „bemerkenswert schnell“ gegangen, dass der Landkreis ein Gesprächsangebot an Deetz unterbreitet habe. Die im Gespräch von ihm und Deetz geäußerte Kritik habe der Landrat aber „leider zum Großteil“ zurückgewiesen. Fehler in der Kommunikation seien vor allem auf Seiten der Schulleitung gemacht worden und nicht nur auf der des Landkreises, beschreibt Heger Saipas Argumentation. Aber immerhin habe der Landrat „einen Deal anbieten“ können. Heger meint die beschriebene binnenschulische Abtretung des Hausrechts.„De facto kann jedoch gesagt werden, dass die Lösung eine Rückkehr unter anderem Namen zum Status quo darstellt.“ Das sei für die Abiturienten akzeptabel. Es stelle sich aber die Frage, warum der Landkreis nicht gleich so gehandelt habe. „Denn Fakt ist: Die Party wurde von oben herab ohne konstruktive Hilfe abgesagt.“ Der Landkreis wollte sich am Mittwoch „inhaltlich nicht weiterführend äußern“, erklärte Sprecher Maximilian Strache. Der Sachverhalt sei von dort mehrfach kommuniziert. Keine Antwort gibt es auch weiterhin nicht auf die Frage, wer die CvD-Party eigentlich dem Landkreis zugetragen habe. Zum Gespräch am Dienstag merkte Strache an, dass die Atmosphäre ausgesprochen positiv und von beiderseitigem Verständnis geprägt gewesen sei.

Video zeugt vom Frust

Wie tief der Frust vor allem bei den ehrenamtlich engagierten (Ex-)Schülern saß, belegt ein eindrucksvolles Video, das noch vor dem Treffen mit dem Landrat entstanden war und am Dienstag nahezu zeitgleich auf Instagram hochgeladen wurde. Zu sehen sind darin neben Heger und Deetz auch Laura Palumbo, Laura Kinzel und Michael Krzosek, die sich mit den vorgetragenen Landkreis-Argumenten mit spitzer Zunge auseinandersetzen. Niklas Gutnoff und Heger, die beide im Vorjahr Abitur gemacht hatten und langjährige Mitglieder der CvD-Technik-AG waren, waren als Kameramann im Einsatz beziehungsweise für den Schnitt zuständig.

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