Bergdankfest im Oberharz: Tradition lebt trotz eisiger Kälte
Zum Bergdankfest gehört auch ein Umzug, aufgrund der Kälte diesmal allerdings ohne Blasmusik. Foto: Neuendorf
Mit Gottesdiensten, Umzügen und Tzscherpermahlzeit erinnerten Clausthal-Zellerfeld und Wildemann jetzt an die bergmännische Geschichte. Doch eine Sache fehlte diesmal.
Clausthal-Zellerfeld. So wie die Menschen seit Jahrhunderten einmal jährlich Erntedankfest feiern – ein Brauch, der durch die Kirche bis heute am Leben erhalten wird – entstand Mitte des 16. Jahrhunderts auch im bergmännischen die Tradition, einmal jährlich Gott für die Ausbeute des vergangenen Bergjahres zu danken. Seinen Ursprung hat jenes Bergdankfest im Erzgebirge, von dort brachten es Bergleute mit in den Oberharz. Bis heute wird es dort gefeiert. Auch am Wochenende taten dies zahlreiche Menschen bei Gottesdienst, Umzug und Tzscherpermahlzeit, sowohl in Clausthal-Zellerfeld, als auch in Wildemann.
Pastorin Mirja Rohr hält den traditionellen Gottesdienst zum Bergdankfest in der Marktkirche. Foto: Neuendorf
Organisiert worden war die Veranstaltung in der Berg- und Universitätsstadt in Zusammenarbeit zwischen dem Traditionsverein Berg- und Hüttenschule, der evangelisch-lutherischen Gesamtkirchengemeinde Oberharz, dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie, der katholischen St.-Nikolaus-Gemeinde, der Technischen Universität Clausthal sowie dem Oberharzer Geschichts- und Museumsverein.
Kälte legt die Trompeten lahm
Dr. Michael Richter, Geschäftsführer der Bergschule Clausthal, zeigte sich erfreut: Es kämen von Jahr zu Jahr mehr Teilnehmer, stellte er fest. Wobei es draußen diesmal eisig war und auch ein wenig schneite. Echte Oberharzer kann ein solches Wetter zwar nicht schocken, das ist hinlänglich bekannt. Doch dagegen, dass die Kälte die Funktion von Blasinstrumenten lahmlegt, können selbst sie nichts ausrichten. So gab es während des Festumzugs diesmal lediglich Trommelschläge zu hören.

Konkurrenzkampf? Fehlanzeige. In Clausthal-Zellerfeld gehen die Bürgermeisterkandidaten bislang harmonisch miteinander um. Alle vier sind am Samstag beim Bergdankfest zu Gast: (v.l.) Erik Hippauf, Martin Ksink, Wolfram Haeseler und Markus Finck. Foto: Neuendorf
Der Tross hatte sich etwas später als geplant in Bewegung gesetzt, weil noch auf den Begleitschutz durch die Polizei gewartet wurde.
Nachgeholt wurde die Blasmusik anschließend im Glück-Auf-Saal. Für die musikalische Untermalung des Tschzerpers sorgten das Berghornisten-Corps Clausthal-Zellerfeld sowie der Bergschulchor.
Neue Aufgaben für den Bergbau
Beim Bergdankfest gehe es neben dem Dank auch um die Erinnerung, vor allem aber die Förderung des Zusammenhalts, betonte Carsten Mühlenmeier, Präsident des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), in seinem Grußwort.

Im Glück-Auf-Saal erwartet die Gäste ein zünftiges Tzscherper-Mahl. Foto: Neuendorf
Der Bergbau im Harz sei zwar schon lange Geschichte. An anderen Orten wird er aber nach wie vor gelebt. Heute habe er noch ganz andere Aufgaben als die reine Förderung von Bodenschätzen. Große Themen im LBEG seien etwa Geothermie oder auch Speichermethoden für Kohlenstoffdioxid und Wasserstoff. „Auch wenn Öl oder Gas weniger werden, werden wir nicht ohne Arbeit sein“, versprach Mühlenmeier.
Bestandteil des Bergdankfestes war es seit jeher auch, den bei Unfällen ums Leben gekommenen Bergleuten zu gedenken. 26 Unfälle habe das Landesamt im vergangenen Jahr gezählt, berichtete Mühlenmeier. Glücklicherweise jedoch keine Todesfälle. Der Bergbau sei sicherer geworden.
Tradition, die verbindet
Unter den Gästen des Bergdankfestes waren neben Amts- und Würdenträgern unter anderem auch Vertreter mehrerer Vereine, der TU Clausthal, der Harzwasserwerke und der Bundesgesellschaft für Endlagerung. Bürgermeisterin Petra Emmerich-Kopatsch und Stellvertreter ließen sich entschuldigen.
Dafür waren alle vier Bürgermeisterkandidaten aus Clausthal-Zellerfeld für die Wahl im September gekommen: Wolfram Haeseler (Grüne) empfand es als „ganz toll, dass sie alle hinter dieser Oberharzer Kultur und Tradition stehen und das mit ihrer Anwesenheit würdigen“, sagte er. Aus allen im Rat vertretenen Parteien – mit Ausnahme der CDU – sei jemand gekommen.

Bei eisigen acht Grad unter dem Gefrierpunkt setzt sich der Umzug in Wildemann in Bewegung. Foto: Jung
„Das Bergdankfest ist gelebte Tradition“, attestierte Markus Finck (SPD). Oder, für Erik Hippauf (Bürger für Bürger), selbst Bergmann, sogar „gelebte Arbeitswelt“, wie er selbst sagte. „Eine schöne und wichtige Veranstaltung, die viele Weggezogene zum Anlass nehmen, wieder nach Clausthal-Zellerfeld zurückzukehren“, ergänzte Martin Ksink (FDP) Das sei ein gutes Zeichen.
Auch Wildemann feiert
In Wildemann eröffnete am Sonntag der Einmarsch der Bergleute in die Maria-Magdalenen-Kirche das traditionelle Bergdankfest. Prädikantin Gudrun Peikert aus Clausthal-Zellerfeld stellte ihren Festgottesdienst ganz unter das Thema der bergmännischen Geschichte. „Danke, dass wir ein weiteres Bergjahr feiern können“, sprach sie. Das Bergdankfest sei etwas Besonderes.
Peikert erinnerte unter anderem an die schwere Arbeit unter Tage und an das karge Leben der Bergleute. Musikalisch begleitete das Alte Berghornisten-Corps den Festgottesdienst. Nach dem Steigerlied begann der Umzug durch den Ort zum Hotel Georgenhöhe. Dort wartete das traditionelle Tzscherperfrühstück. Der Bergwerks- und Geschichtsverein Wildemann sorgte für die festliche Ausgestaltung im Festsaal. Es war ein traditionsreicher Vormittag für Einheimische, Gäste und alle die sich der Bergbaugeschichte des Harzes verbunden fühlen.
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