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Dr. Joachim Nagel kommt als Ehrengast

GZ Plus IconGZ-Interview mit dem Bundesbankchef: Botschaften zum Pancket

Mann im Anzug und Krawatte vor einem Gebäude mit einem blauen Schild der Deutschen Bundesbank und gelben Sternen

Professor Dr. Joachim Nagel ist Präsident der Deutschen Bundesbank und Ehrengast beim 44. Goslarschen Pancket in der Kaiserpfalz. Foto: Arne Dedert/dpa

Krieg in Nahost, Preisstabilität und der digitale Euro: All dies und mehr spielt eine Rolle im GZ-Interview mit dem Bundesbank-Präsidenten Professor Dr. Joachim Nagel.

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Von Frank Heine
Freitag, 20.03.2026, 12:35 Uhr

Goslar. Die Hüter der Währung sitzen in der Main-Metropole in Frankfurt und schicken am Freitagabend ihren Chef in Richtung Norden nach Goslar: Professor Dr. Joachim Nagel ist Präsident der Deutschen Bundesbank und Ehrengast beim 44. Goslarschen Pancket. Der Traditionschmaus geht mit rund 180 Gästen aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Wirtschaft in der Kaiserpfalz über die Bühne. Vorab hat Nagel der GZ für ein Interview zur Verfügung standen und per Mail auf Fragen von Frank Heine geantwortet.

Herr Dr. Nagel, Sie sind Ehrengast des 44. Goslarschen Panckets – mit welchen Erwartungen an den Abend, mit welcher Botschaft für die Teilnehmer reisen Sie nach Goslar? Zunächst einmal habe ich mich sehr geehrt gefühlt, beim 44. Goslarschen Pancket auftreten zu dürfen. Für mich war dies eine hervorragende Gelegenheit zum offenen Austausch zwischen Wirtschaft, Finanzwelt und Gesellschaft. Dieser Austausch ist gerade jetzt angesichts der großen Unsicherheit aufgrund des Kriegs im Nahen Osten sehr wichtig. Für uns bringt der Krieg zusätzliche Unsicherheit und viele Herausforderungen mit sich, trotzdem ist meine Botschaft an diesem Abend klar: Deutschland verfügt über enorme wirtschaftliche Substanz, Talent und Unternehmergeist – darauf können wir aufbauen. Gemeinsam in Europa können wir Chancen entschlossen nutzen und damit gestärkt aus dieser schwierigen Phase hervorgehen.

ZUR PERSON

Professor Dr. Joachim Nagel ist seit Januar 2022 Präsident der Deutschen Bundesbank. Er wurde am 31. Mai 1966 in Karlsruhe geboren. Nach dem Abitur am Otto-Hahn-Gymnasium in Karlsruhe studierte er ab 1985 Volkswirtschaftslehre an der Universität Karlsruhe (TH), wo er 1991 als Diplom-Volkswirt abschloss. Anschließend war er dort bis 1998 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Geld und Währung, unterbrochen nur von einer Tätigkeit als Referent für Wirtschafts- und Finanzpolitik beim SPD-Parteivorstand in Bonn.

Im Februar 1997 promovierte Nagel mit einer Arbeit über die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik („Supply-Side Policy“; auch „Reaganomics“ genannt) von US-Präsident Ronald Reagan an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Karlsruhe. Von Mai bis Oktober 1998 nahm er ein Forschungsstipendium der SEW-Eurodrive-Stiftung in Washington wahr und kehrte im November 1998 als wissenschaftlicher Assistent noch einmal an das Karlsruher Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung zurück.

Für die Bundesbank war Nagel von 1999 bis 2016 schon in verschiedenen leitenden Positionen tätig, seit 2010 als Vorstandsmitglied verantwortlich unter anderem für die Bereiche Märkte, Controlling und IT. Zudem leitete er zwischen 2008 und 2016 den Finanzkrisenstab der Einrichtung.

Von 2016 bis 2020 war Nagel zunächst für ein Jahr als Generalbevollmächtigter, später als Vorstandsmitglied für die KfW-Bankengruppe tätig. Hier verantwortete er das ausländische Kreditgeschäft und die Entwicklungszusammenarbeit.

Im Jahr 2020 wechselte er als Stellvertretender Leiter des Bankbereichs zur Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Seit 2017 ist er Honorarprofessor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Als Präsident der Bundesbank ist Nagel unter anderem Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank, Gouverneur des Internationalen Währungsfonds sowie Mitglied des Verwaltungsrats der BIZ.

Nagel ist nicht der erste Bundesbank-Präsident, der zum Pancket nach Goslar kommt. 1998 war Professor Dr. Hans Tietmeyer schon einmal mit gleichem Berufsbild Ehrengast beim 30. Pancket. Beim vorigen 43. Pancket hatte am 8. November 2024 mit Bundesbauministerin Klara Geywitz erstmals eine Frau die Rolle des Ehrengastes ausgefüllt.

„Wir können uns nicht mehr in gleichem Maße wie bisher auf die transatlantische Zusammenarbeit und die regelbasierte internationale Ordnung verlassen.“ Diesen Satz haben Sie Mitte Februar auf dem Empfang der American Chamber of Commerce in Frankfurt gesagt. Sie sprachen von neuen geopolitischen Realitäten. Da hatte US-Präsident Donald Trump noch nicht den Befehl zum Angriff auf den Iran erteilt. Wie sehen Sie die geopolitische Lage und deren Folgen? Wie hat dies der EZB-Rat auf seiner jüngsten Sitzung bewertet? Die Weltlage ist ernst. Frieden und Verlässlichkeit sind rar geworden. Auch der Krieg in Nahost wirkt sich bei uns aus. Das merken jetzt alle, die etwa tanken müssen. Die Energiepreise sind in den letzten Wochen stark gestiegen. Es ist die Aufgabe von meinen Kolleginnen und Kollegen im EZB-Rat und mir, mittelfristig stabile Preise im Euroraum sicherzustellen. Am Donnerstag haben wir im EZB-Rat beschlossen, die Leitzinsen vorerst nicht zu ändern. Aber wir beobachten sehr genau, wie sich der Konflikt im Nahen Osten auf uns auswirkt. Wenn nötig, werden wir entschlossen handeln. Die Bundesbank galt jahrzehntelang als besonders strenge Hüterin der Preisstabilität. Es gibt kritische Stimmen, die besagen, sie habe sich in der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zu oft angepasst. Was antworten Sie diesen Kritikern? Die Bundesbank steht auch heute fest zu ihrer Rolle als Hüterin der Preisstabilität. Daran hat sich gegenüber früher nichts geändert. Im EZB-Rat analysieren wir gemeinsam, wir diskutieren gemeinsam und wir entscheiden gemeinsam über die Geldpolitik im Euroraum. Ich halte es für hilfreich und wertvoll, wenn der EZB-Rat nach außen geschlossen auftritt. Seit meinem Amtsantritt im Jahr 2022 habe ich diese Maxime verfolgt. Ich halte dies für wichtig, weil die Geldpolitik dadurch schlagkräftiger wird und ihr Ziel der Preisstabilität besser erreichen kann. Sie gelten als ein starker Befürworter des digitalen Euro – aus welchen Gründen und zu welchen Zwecken?

Jeder von uns merkt es ja selbst: Die Welt wird immer digitaler. Gleichzeitig erkennt Europa, dass es bei den geopolitischen Konflikten zusammenstehen und widerstandsfähig sein muss. Da ist es doppelt richtig, wenn wir in Europa auch im Digitalen verlässlich und unabhängig von außereuropäischen Anbietern bezahlen können. Der digitale Euro ist wie Bargeld, nur digital. Mit dem digitalen Euro bekommen Sie eine digitale Geldbörse, die Sie überall in Europa nutzen können – egal, ob Sie im Laden einkaufen, online bestellen oder Freunden Geld schicken. Und schließlich wird der digitale Euro dafür sorgen, dass Europa unabhängiger von nicht-europäischen Zahlungsdienstleistern wird. Kurz gesagt: Der digitale Euro wird unser Bezahlen einfacher, sicherer und moderner machen, während er gleichzeitig Europa stärkt und besser auf die digitale Zukunft vorbereitet. Damit keine Missverständnisse entstehen: Der digitale Euro wird das Bargeld nicht ersetzen, sondern als zusätzliche Bezahlvariante ergänzen.

Zu Ihrer Institution: Die Bundesbank hat zuletzt zum zweiten Mal in Folge Verluste ausgewiesen. 2025 betrug der Fehlbetrag 8,6 Milliarden Euro. Wie lange kann die Bundesbank solche Belastungen tragen, ohne ihre geldpolitische Glaubwürdigkeit oder Handlungsfähigkeit zu gefährden? Um es ganz klar zu sagen: Die Bilanz der Bundesbank ist solide. Die Bundesbank besitzt beträchtliche Vermögenswerte, die ihre aktuellen und zukünftigen Verpflichtungen deutlich übersteigen. Das zeigt unser Nettoeigenkapital, das Ende vergangenen Jahres 363 Milliarden Euro betragen hat. Insofern muss sich niemand Sorgen darüber machen, dass die Bundesbank ihre Aufgaben nicht erfüllen kann. Die finanziellen Belastungen werden in den nächsten Jahren vorübergehen. Anschließend werden wir wieder Gewinne erzielen und damit die aufgelaufenen Verluste aus eigener Kraft ab- sowie die Risikovorsorge wieder aufbauen. Die gegenwärtige bilanzielle Situation schränkt die Bundesbank weder in ihrer geldpolitischen Glaubwürdigkeit noch in ihrer Handlungsfähigkeit ein. Nur zur Einordnung: Die aktuellen finanziellen Belastungen der Bundesbank resultieren aus der Zeit vor und während der Pandemie, als über geldpolitische Ankaufprogramme die Notenbanken im Eurosystem in einer Zeit sehr niedriger Inflationsraten ihr Mandat erfüllten. Wenn die Bundesbank keine Gewinne mehr an den Bund ausschütten kann: Müssen sich Steuerzahler darauf einstellen, dass sie allgemein künftig immer stärker zur Kasse gebeten werden, weil ein Sicherheitspolster wegfällt?

Die Aufgabe der Bundesbank besteht nicht in einer Gewinnorientierung, sondern in der Erfüllung von unserem Mandat, Preisstabilität zu sichern. Das ist die Aufgabe der Geldpolitik.

Letzte kurze Frage: Sollte Deutschland sich schleunigst beeilen, seine Goldreserven aus den USA nach Deutschland zu holen? Nur zur Sicherheit…

Die Bundesbank lagert seit Jahrzehnten einen Teil ihrer Goldreserven bei der US-Notenbank Fed in New York. Zu dieser Institution pflegt die Bundesbank seit jeher ein sehr gutes Vertrauensverhältnis. Zugangs- und Verfügungsbeschränkungen der Goldreserven hat es bislang nie gegeben. Das bisher gezeigte Vertrauen in die Fed stelle ich nicht in Frage. Es besteht überhaupt kein Anlass dazu.

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