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Viele Nachfragen

GZ Plus IconWarum es möglich ist, dass Braunlage einen Bahnanschluss bekommt

Das Foto zeigt eine Dampflok, die durch den Schnee fährt.

Die Hoffnung beim einen oder anderen ist groß, dass in zehn Jahren Dampflokomotiven der Harzer Schmalspurbahn nach Braunlage fahren. Foto: Bein

Nach der Info-Veranstaltung zum Braunlager Bahnanschluss prasseln viele Fragen auf die Verantwortlichen ein. Die GZ beantwortet die wichtigsten davon.

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Von Michael Eggers
Freitag, 06.02.2026, 04:00 Uhr

Braunlage. Schon 1939 hat die damalige Nordhausen-Wernigeroder Eisenbahn-Gesellschaft geplant, Braunlage von Elend aus an das Bahnnetz anzuschließen. Dazu ist es nicht gekommen, und auch in diesem Jahrtausend sind bislang alle Versuche gescheitert. Warum es aber aktuell besser um jenen Bahnanschluss bestellt ist, hat die Ein-Harz-Gesellschaft in einer Info-Veranstaltung in Braunlage verdeutlicht (die GZ berichtete).

Die Grafik zeigt das Modell des künftigen Braunlager Bahnhofs am Großparkplatz.

So sieht die „DB Engineering & Consulting GmbH“ in ihrer Machbarkeitsstudie den Bahnhof in Braunlage. Zur Orientierung: Links im unteren Bildrand das weiße Gebäude ist die Talstation der Seibahn. Foto: DB Engineering & Consulting GmbH

Dabei haben vor allem die Vertreter der Harzer Schmalspurbahnen (HSB) in Wernigerode und der Stadt Braunlage positive Stimmung verbreitet. HSB-Aufsichtsratsvorsitzendem Thomas Balcerowski betont, dass alles daran gesetzt werden soll, den Bahnanschluss umzusetzen. Nach der Info-Veranstaltung sind aber viele Fragen gestellt worden. Die GZ beantwortet die wichtigsten dieser Fragen. Wer finanziert den Bahnanschluss, der laut Gutachten 42 Millionen Euro kosten soll?

Zuständig sind die HSB, das Unternehmen hofft aber auf Fördergeld vom Bund in Höhe von bis zu 90 Prozent.

Mit welcher Summe muss sich die Stadt Braunlage beteiligen?

Für die Stadt fallen keine Kosten an, sie ist aber über ihre Braunlage-Tourismus-Gesellschaft mit 0,5 Prozent an der HSB beteiligt und könnte deshalb einen Nachschuss oder einen Beitrag zur Kapitalerhöhung zahlen. Das soll aber derzeit kein Thema sein. Die weiteren Anteilseigner der HSB sind die Gemeinde Harztor mit den Bahnanliegern Niedersachswerfen und Ilfeld mit 0,6 Prozent, die Stadt Oberharz am Brocken mit 2,5 Prozent, Harzgerode mit 5,4 Prozent, Quedlinburg mit 6 Prozent, Nordhausen mit 10 Prozent, Wernigerode mit 13 Prozent sowie die Landkreise Nordhausen mit 20 Prozent und Harz mit Sitz in Halberstadt mit 42 Prozent.

Eine Grafik der Bahnstrecke.

Die blau gestrichelte Linie zeigt den möglichen Verlauf der Bahnstrecke zwischen Elend und Braunlage. Foto: (Grafik) GZ/Exner

Der Rat der Stadt Braunlage überlegt aber, als ein klares Zeichen für den Bahnanschluss einen finanziellen Zuschuss zu zahlen. Das aber dürfte nicht ganz leicht sein, denn die Kommune ist hoch verschuldet, und die Kommunalaufsicht beim Landkreis Goslar kontrolliert die sogenannten „freiwilligen Ausgaben“. Wie steht der Landkreis Goslar zum Bahnanschluss?

Das ist nicht einfach zu sagen. Der Landkreis Goslar ist in der Vergangenheit nicht damit aufgefallen, das Projekt voranzubringen, im Gegenteil: Landrat Dr. Alexander Saipa beispielsweise war nicht bei der Info-Veranstaltung in Braunlage und hat noch nicht einmal einen Vertreter geschickt. Das bisher zögerliche Verhalten des Landrats dürfte ein Grund dafür gewesen sein, dass die Ein-Harz-Gesellschaft zu dem Termin in Braunlage eingeladen hat, um Schwung in die Sache zu bringen.

Landrat Saipa ließ in der Vergangenheit über seine Pressestelle mitteilen, er unterstütze den Bahnanschluss Braunlages grundsätzlich. Was das heißt, müssen die nächsten Tage und Wochen zeigen. HSB-Aufsichtsratschef Balcerowski wünscht sich indes als deutliches Zeichen einen Kreistagsbeschluss, dass der Landkreis Goslar den Bahnanschluss unterstützt. Bleibt abzuwarten, ob es dazu kommt. Welche Meinung hat das Land Niedersachsen zum Bahnanschluss?

Auch vom Land war kein Vertreter bei der Info-Veranstaltung in Braunlage. Hannover hat den Bahnanschluss aber zur Fortschreibung im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) für die Jahre 2025 bis 2029 beim Bund angemeldet. Das heißt, es könnte Fördergeld bis zu 90 Prozent vom Bund für den Bahnanschluss fließen. Die Interessen des Landes werden in Bezug auf den Bahnanschluss vom Regionalverband Braunschweig wahrgenommen. Deren Pressesprecherin Gisela Noske betonte auf GZ-Anfrage, dass der Regionalverband Braunschweig den Bahnanschluss unterstützt. Der SPD-Landtagsabgeordnete Alexander Saade beispielsweise wäre gern zur Info-Veranstaltung gekommen, konnte an dem Tag aber nicht, weil in Hannover Sitzungswoche war.

Warum will die HSB den Bahnanschluss Braunlages? Das Unternehmen erhofft sich von dem Anschluss höhere Fahrgastzahlen. Davon geht auch die Machbarkeitsstudie aus, die von der HSB in Auftrag gegeben wurde und die HSB-Geschäftsführerin Katrin Müller in der Info-Veranstaltung erstmals öffentlich vorstellte. Nach diesem Papier könnte der Anschluss 260.000 Fahrgäste zusätzlich im Jahr und einen Umsatz für die Ticketverkäufe von 3,7 bis 4,4 Millionen Euro bringen. Zudem erhofft sich die HSB zusätzliches Fördergeld, dass sie dringend benötigt, um ihr Netz sowie ihren Lok- und Triebwagenbestand zu modernisieren. Welche Rolle spielt der Öffentliche Personennahverkehr?

Eine wichtige. Sechs Zugpaare sollen vom Bahnhof Braunlage in Richtung Elend/Sorge fahren. Die neue Strecke soll an die Bahngleise zwischen Elend und Sorge im Bereich der Wiese am Gieseckenbleek angeschlossen werden. So können künftig von Braunlage über Elend der Brocken und Wernigerode erreicht werden und über Sorge Nordhausen sowie die Selketalbahn mit Quedlinburg als Endpunkt. Viele Orte davon sind derzeit nur sehr schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Warum ist die Verbindung Braunlage-Wernigerode wichtig?

Mit dieser Linie werden der beiden übernachtungsstärksten Orte im Harz verbunden. Zusammen kommen Braunlage und Wernigerode auf 2,8 Millionen Übernachtungen. So könnten die Urlauber in Wernigerode per Bahn zu Wurmberg und Eisstadion fahren, und die Braunlager Gäste zu Schloss und Altstadt. Wenn bei der Bahnstrecke moderne Triebwagen zum Einsatz kommen, sinkt die Fahrzeit von derzeit 54 Minuten per Bus auf 45 Minuten per Bahn.

Wo soll in Braunlage der Bahnhof stehen? Am Großparkplatz gegenüber vom Eisstadion. HSB-Aufsichtsratsvorsitzender Balcerowski und Braunlages Bürgermeister Wolfgang Langer betonten in der Info-Veranstaltung, dass dieser Bereich von der B4-Abfahrt Braunlage-Nord gut erreichbar sei und über eine Anbindung an Seilbahn, Bushaltestelle, Eisstadion und Ortszentrum verfüge. „Wir bauen jetzt für die nächsten 100 Jahre“, sagte Balcerowski, und erklärte, warum der zunächst favorisierte Standort am Stadtrand an den Tennisplätzen nicht zum Tagen kommt. Wo soll die Bahnstrecke verlaufen?

Von der Wiese am Gieseckenbleek bei Elend, auf der unter anderem das Event „Rocken am Brocken“ veranstaltet wird, soll die Bahnstrecke nach Braunlage zunächst an der B27 entlang führen. Etwa 400 Meter nach der Querung der Bremke verlassen die Gleise den Bereich der B27 und sollen kurz vor dem ehemaligen Forstamt nordwestlich in Richtung Glashüttenweg verlaufen.

Dann geht die Strecke einige Zeit parallel zu diesem beliebten Wanderweg. Danach sollen die Gleise leicht bergab in einem Bogen in Richtung Verlobungswiese verlegt werden, die im südöstlichen Bereich leicht berührt wird. Danach soll der Bahnhof erreicht werden, der dreigleisig leicht oberhalb des Großparkplatzes gegenüber des Eisstadions errichtet werden soll. Die HSB gehen von zwei Überführungen über die B27 und die Große Wurmbergstraße sowie fünf Bahnübergängen aus.

Wie geht es weiter?

Jetzt will die HSB in die Planung gehen. Dazu benötigt sie aber ein „klares Signal“ aus Niedersachsen. Um das zu bekommen, hat Bürgermeister Wolfgang Langer mit Vertretern des Landkreises Goslar und des Regionalverbands Anfang März einen Termin beim Wirtschaftsministerium, bei dem es um die Finanzierung und die weiteren Verfahrensschritte geht. Zudem muss auch mit den Landkreisen Harz und Goslar geklärt werden, welche Ersatzmaßnahmen beim Bau der Strecke nötig sind, denn die Gleise sollen nach der Machbarkeitsstudie auch durch Naturschutzgebiete verlegt werden. Erst wenn das alles geklärt ist, kann der Baustart erfolgen. Wenn alles gut geht, sei dieser in dreieinhalb Jahren, meint Balcerowski. Die erste Lok könne in acht Jahren fahren, wobei 10 oder 15 Jahre realistischer sind.

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