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Autobauer

Volkswagen zwischen Spardruck und Zukunftsangst

Das Werk in Emden wird zu den bedrohten Standorten gezählt. (Archivbild)

Das Werk in Emden wird zu den bedrohten Standorten gezählt. (Archivbild) Foto: Lars Penning/dpa

Die Betriebsversammlungen bei VW sind erledigt. Jetzt richtet sich der Blick auf den Aufsichtsrat. Eine Automobilexpertin sagt, was sie von den nächsten Tagen beim kriselnden Autobauer erwartet.

Von dpa 02.09.2026, 04:20 Uhr

Wolfsburg. Zwischen Spardruck im Wettbewerb und Angst um Zehntausende Arbeitsplätze und ganze Werke: Volkswagen muss in der aktuellen Krise nach Ansicht der Automobilexpertin Helena Beron Wisbert zügig handeln, um die Perspektive für das Unternehmen zu verbessern. „Die Sparprogramme, die wir jetzt bei allen Autobauern sehen, sind unvermeidbar“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. 

Für die Professorin der Ostfalia Hochschule Wolfsburg ist es umso wichtiger, die Sparmaßnahmen schnell umzusetzen, um sich wieder auf die Weiterentwicklung von neuen Modellen und Technologien zu konzentrieren. Nachdem für den chinesischen Markt alles Mögliche getan worden sei, um die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen, dürfe nicht der europäische Automobilmarkt aus dem Blick geraten. 

Deutsche Autobauer dominieren in Europa - aber Anteile schwinden 

Die deutschen Autobauer dominieren den Wettbewerb in Europa laut Beron Wisbert zwar noch. Ihr zufolge schwinden aber bei den Elektroautos auch hier die Marktanteile. Die Kritik des Betriebsrats und aus der Politik seien zwar nachvollziehbar, es gelte jetzt aber innerhalb der nächsten Monate eine Einigung über die weiteren Kosteneinsparungen zu erzielen. Die Zeit dränge. 

An vielen Standorten des VW-Konzerns hatte es in den vergangenen Tagen außerordentliche Betriebsversammlungen gegeben, bei denen die Belegschaft Antworten zum angekündigten verschärften Sparkurs forderte. Unter den Beschäftigten wird um Zehntausende zusätzliche Stellen und vier ganze Standorte gebangt: Konkret genannt werden dabei Emden, Zwickau, das Audi-Werk in Neckarsulm und Hannover, wo Nutzfahrzeuge gebaut werden. 

VW-Chef Blume: „Die Lage ist mehr als kritisch“ 

Die VW-Führung betonte, dass der laufende Arbeitsplatzabbau - 50.000 Stellen bis 2030 - und die bisher erreichten Kostenreduzierungen in den Fabriken aus ihrer Sicht nicht ausreichen. Das Management um Konzernchef Oliver Blume arbeite daher an einem neuen „Zielbild 2030“. „Die Lage ist mehr als kritisch“, sagte Blume zum Auftakt in die Betriebsversammlungen. Das Unternehmen mache zwar Gewinn, verdiene aber zu wenig, um damit die Zukunft finanzieren zu können. 

Nach Einschätzung der Professorin für Automobilwirtschaft war es wichtig, dass der Vorstand persönlich vor Ort gesprochen hat, nachdem Informationen bis dahin nur über Dritte verbreitet worden waren. „Für die Belegschaft der gefährdeten Werke muss es aber ernüchternd gewesen sein, dass die bisher erreichten Kosteneinsparungen von 20 Prozent nicht ausreichen“, sagte Beron Wisbert. Jetzt folge erneut eine unsichere Zeit von sechs bis zwölf Monaten, in denen nach Lösungen gesucht werde. 

Expertin kritisiert Kommunikation des Vorstands 

Die persönlichen Auftritte des Vorstands sieht Beron Wisbert positiv. Aber der um Jobs bangenden Belegschaft zu sagen, dass alle gemeinsam anpacken müssten und es eine gemeinsame Kraftanstrengung sei, halte sie für schwierig. „Das sind eher Worte, um das Management darauf einzustimmen, Einschnitte beim Bonus hinzunehmen“, sagte die Professorin. 

Bei der nach Medienberichten für Freitag (4. September) geplanten Aufsichtsratssitzung dürfte der Vorstand nach Einschätzung der Branchenexpertin einen überarbeiteten Sparplan präsentieren. Das Kontrollgremium dürfte demnach auch einzelne Sparmaßnahmen verabschieden. „Von konkreten Lösungen für einzelne Werke gehe ich aufgrund der neuen Sechs- bis Zwölf-Monatsfrist nicht aus“, sagte Beron Wisbert.

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