„Usain Bolt der Achttausender“: Netflix-Bergsteiger ist tot
Purja auf dem Gipfel des Everest. (Archivbild) Foto: Nirmal Purja/PA Wire/dpa
Das Unglück erinnert an den Tod von Laura Dahlmeier: Eine Lawine erfasst den Gipfelstürmer Nirmal Purja im Karakorum-Gebirge. Nicht nur die Bergsteiger-Gemeinde trauert, sondern auch ein Prinz.
Islamabad. Als erster Mensch hat er alle Achttausender innerhalb einer Saison bestiegen und wurde durch eine Netflix-Dokumentation über dieses gewagte Abenteuer zum Star-Bergsteiger. Jetzt ist der nepalesisch-britische Extremsportler Nirmal Purja nach Angaben seiner Firma tot.
Alle Mitglieder seiner Gruppe wurden am Donnerstag am Broad Peak in Pakistan - einem Berg mit rund 8.050 Metern Höhe - von einer gewaltigen Lawine erfasst und starben, wie der Alpine Club Pakistan der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Zunächst war eine große Rettungsaktion eingeleitet worden, doch keiner der zehn Bergsteiger überlebte.
Laura Dahlmeier starb in der gleichen Region
Das Unglück erinnert an den Tod der Deutschen Laura Dahlmeier. Sie kam vor fast genau einem Jahr, am 28. Juli 2025, ebenfalls im Karakorum-Gebirge und ebenfalls durch Naturgewalten ums Leben. Die 31-jährige Bergführerin war mit ihrer Seilpartnerin unterwegs, als sie beim Abstieg von Laila Peak auf einer Höhe von 5.700 Metern von einem Steinschlag am Kopf getroffen wurde. Der Leila Peak und der Broad Peak liegen nah beieinander.
Trotz umgehend eingeleiteter Rettungsmaßnahmen konnte aufgrund der anhaltenden Steinschlaggefahr und schwieriger Wetterbedingungen niemand zu Dahlmeier vordringen. Die Aktion wurde schließlich eingestellt, da es Dahlmeiers ausdrücklicher und niedergeschriebener Wille war, dass in einem solchen Fall niemand sein Leben riskieren dürfe, um sie zu bergen. Ihr Leichnam verblieb am Berg, wo sie ihre letzte Ruhestätte fand.

Bergretter posieren für ein Foto, bevor sie zu einer Rettungsaktion am Broad Peak aufbrechen. (Foto: Handout) Foto: Uncredited/Alpine Club of Pakistan/AP/dpa
Team aus Nepal, Pakistan, China, USA und Oman
Die Leiche von Nirmal Purja wurde am Sonntag zusammen mit weiteren Leichen seines Teams in etwa 5.700 Metern Höhe gefunden, wie eine Sprecherin des Alpine Club Pakistan erklärte. Anschließend wurden Purja und drei weitere demnach vom nepalesisch-pakistanischen Bodenrettungsteam in ein tiefer gelegenes Lager gebracht.
Insgesamt bestand das Bergsteiger-Team aus zehn Männern und Frauen. Nach Angaben des Clubs sind darunter insgesamt sechs Bergsteiger aus Nepal, ein Bergsteiger aus Pakistan, ein chinesischer Bergsteiger, eine Alpinistin aus den USA sowie eine Bergsteigerin aus dem Oman. Drei Leichen sind dem Alpin-Club zufolge bereits am Freitag geborgen worden, vier am Sonntag. Eine weitere Leiche wurde demnach im Schnee in einer größeren Höhe lokalisiert.

Dieses undatiertes Archivfoto (ursprünglich am 29.10.19) zeigt Purja auf dem Gipfel des Nanga Parbat. (Archivbild) Foto: Nirmal Purja/PA Wire/dpa
Rekordbergsteiger aus Netflix-Doku
Nirmal Purja - auch bekannt unter dem Namen Nims Dai - war einer größeren Öffentlichkeit durch die Netflix-Dokumentation „14 Gipfel: Nichts ist unmöglich“ bekanntgeworden. Darin wird der aus Nepal stammende Alpinist mit britischer Staatsangehörigkeit begleitet, wie er 2019 innerhalb in Rekordzeit alle 14 Achttausender erklimmt. Der Rekordhalter vor ihm brauchte für dieses gigantische Vorhaben sieben Jahre - er schaffte es in sieben Monaten.
„Ich bin der Usain Bolt der Achttausender“, sagte Purja darin. „Meine größte Stärke ist: Ich habe keine Angst.“ Die Dokumentation handelt von dem Balanceakt zwischen Leben und Tod - und Purja spricht davon, dass jeder Fehler am Berg den Tod bedeuten könne. Doch er kämpfe immer darum, zu überleben. „Ich bin Bergsteiger, um jeden Moment meines Lebens leben zu können.“
„Jenseits des Möglichen“
In einer Mischung aus Trotz und Selbstbewusstsein nannte Purja seine damalige Mission „Project Possible“ (Projekt Möglich). „Als ich von dem Projekt erzählte, haben die Leute gelacht“, sagte er damals der dpa in Nepals Hauptstadt Kathmandu. „Sie sagten, das wäre nicht möglich.“

Nirmal Purja hat den Mount Everest und die dreizehn anderen Achttausender der Welt in sieben Monaten bestiegen. (Archivbild) Foto: Prakash Mathema/AFP/dpa
Die Netflix-Produktion, die auf Englisch „14 Peaks: Nothing is Impossible“ heißt, zeigt auch die extremen Wetterbedingungen, denen Bergsteiger in den Höhen ausgesetzt. Zuvor veröffentlichte Purja unter dem Namen Nimsdai Purja eine Autobiografie, die zum Bestseller wurde. Eine deutsche Fassung erschien im Jahr 2022 unter dem Titel „Jenseits des Möglichen: 1 Mann, 6 Weltrekorde, 14 Achttausender“.
Tiefe Trauer und Kummer
Zahlreiche Bergsteiger trauerten in sozialen Medien öffentlich über den Verlust von Purja und teilten Erlebnisse, die sie mit ihm teilten. Seine Firma schrieb in einer Stellungnahme auf Instagram von „tiefer Trauer und unermesslichem Kummer“. Auch der nepalesische Premier Balendra Shah reagierte schnell auf Facebook und zeigte sich schockiert.
Die Bergsteigerlegende Reinhold Messner würdigte Purja: „Was bleibt, ist nicht nur die Trauer über seinen Tod, sondern auch die Erinnerung an ein Leben, das er in vollen Zügen gelebt hat“, schrieb er auf Instagram. Es sei ein Privileg, ihn gekannt zu haben.
Sogar Prinz William brachte nach dem Tod seine Trauer zum Ausdruck. „Nims diente mit Auszeichnung bei den britischen Streitkräften, bevor er zu einem der größten Bergsteiger der Welt wurde und nepalesische Alpinisten international bekannt machte“, schrieb der britische Thronfolger bei X. Sein unermüdlicher Wille, das scheinbar Unmögliche zu erreichen, gepaart mit seiner Bescheidenheit und Selbstlosigkeit, hätten ihn wahrhaft einzigartig gemacht, so Prinz William weiter.

Mehrere Gipfel locken Alpinisten aus aller Welt in die Region, um den oft gefährlichen Aufstieg zu wagen. (Archivbild) Foto: Olivier Matthys/EPA/dpa
Fatale Änderung seines Plans
Im Zug seiner 14-Achttausender-Tour im Jahr 2019 hatte Purja den Broad Peak schon einmal bestiegen. Ihn diesmal zu erklimmen, sei ursprünglich nicht Teil seines Plans gewesen, schrieb Purja am Montag auf der Plattform X.
Nach einer Besteigung des Gasherbrum II - einem weiteren pakistanischen Achttausender - fehle ihm lediglich die Besteigung des Broad Peak, um der erste Mensch zu sein, der alle 14 Achttausender ohne Sauerstoff zweimal bestiegen habe, schrieb er.

Purja war in der Bergsteigerszene ein Star. Foto: Niranjan Shrestha/AP/dpa
Die britische BBC berichtete, dass Purja seine Liebe zum Bergsteigen während seiner Zeit als Elitesoldat der britischen Marine fand. Er sei von Königin Elizabeth II. 2018 ausgezeichnet worden. Auch sein Vater und ältere Brüder seien bereits Teil der britischen Streitkräfte gewesen, berichtet der Sender.
Experte: Klimawandel verschärft Gefahrenlage in Bergsteigerregion
Der Broad Peak ist der zwölfthöchste Berg der Erde und liegt im Karakorum-Gebirge auf der Grenze zwischen Pakistan und China. Die Region im hohen Norden Pakistans zieht jährlich viele internationale Bergsteiger-Expeditionen an.
Als Achttausender sei der Broad Peak ein schwieriger Berg, und es habe auch in der Vergangenheit immer wieder Unfälle dort gegeben, sagte Irfanullah Baig, ein pakistanischer Bergsteigerexperte. Aber mit dem Klimawandel würden Lawinen, schwere Wetterbedingungen und Steinschlag zunehmen. „Die Temperaturen in den Ortschaften am Fuß der Berge steigen auf 40 Grad. Damit gibt es keine stabile Schneedecke mehr und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Schneeschmelze jederzeit Lawinen auslöst“, erklärte der Experte.