Zähl Pixel
Zukunft von Kur- und Kurmittelhaus

GZ Plus IconInvestoren gesucht: Jetzt soll Glücksburg Hahnenklee helfen

Was passiert mit Kur- und Kurmittelhaus? Die Tourist-Info ist schon an die Rathausstraße umgezogen.

Was passiert mit Kur- und Kurmittelhaus? Die Tourist-Info ist schon an die Rathausstraße umgezogen. Foto: Heine

Was soll mit Kur- und Kurmittelhaus passieren? Ein Treffen der Lenkungsgruppe brachte als Ergebnis, dass die Glücksburg Consulting bei einer neuen Suche nach Investoren helfen soll. Eine Schwimmbadnutzung wird es als Übergangslösung nicht geben.

author
Von Frank Heine
Dienstag, 21.01.2025, 14:00 Uhr

Hahnenklee. Was soll mit Kur- und Kurmittelhaus passieren? Eine zündende Idee hat weiterhin niemand – und ein großer Unbekannter mit dicker Brieftasche ist zwischenzeitlich auch nicht aufgetaucht. Nach dem jüngsten Treffen der Lenkungsgruppe in der Vorwoche soll nun zumindest wieder Hilfe von außen geholt werden.

Die Adresse ist bekannt: Die GLC Glücksburg Consulting, die zum Jahreswechsel ganz frisch für fünf Jahre die touristische Geschäftsbesorgung der Stadt Bad Lauterberg nach EU-weiter Ausschreibung übernommen hat, soll wieder am Regiepult Platz nehmen und sich in den nächsten Monaten ohne stark einschränkende Vorgaben und ergebnisoffen nach einem Interessenten mit Idee und Kapital umschauen. Diese Entscheidung bestätigten alle Teilnehmer des Treffens vom vergangenen Donnerstag, mit denen die GZ im Nachgang gesprochen hat. Einen Tag nach dem Bürgerforum zum Paul-Lincke-Ring ging es um die nächsten Sorgenkinder in der Ortsmitte.

Die Glücksburg Consulting hatte bereits Ende 2019 einen Auftrag für ein Freizeit-Konzept für ein Indoor-Angebot erhalten und ihre Pläne im Herbst 2021 zunächst hinter verschlossenen Türen und im Frühjahr 2022 öffentlich vorgestellt. Als Platz war damals noch der Parkplatz am Ortseingang vorgesehen, wo aber bald auf Pläne für eine Krämerei als Nahversorger umgeschwenkt wurde. Deren Investoren erklärten das Vorhaben bekanntlich im Sommer 2024 für gescheitert. Inzwischen hat Tante Enso im Zentrum geöffnet.

Trends herausfiltern

Zurück zur Glücksburg Consulting: Die Touristik-Experten sind also drin im Indoor-Thema und sollen aus ihren früheren Plänen als Grundlage die tatsächlich noch aktuellen Trends herausfiltern und – salopp gesagt – gucken, was der Markt hergibt. Klares Ergebnis, so erklärt Erster Stadtrat Dirk Becker, sei es am Donnerstag jedenfalls gewesen, dass sich keine Interimslösung abzeichne. Experten aus dem Gebäudemanagement und dem Goslarer Aquantic-Bad hätten aufgezeigt, dass auch ein Wiederbeleben des Schwimmbads im Kurmittelhaus kurzfristig nicht klappe. Aufwand und Kosten stünden dem entgegen.

DATEN UND ZAHLEN ZUR HISTORIE

Nach dem Ende der Gespräche über einen Hotelneubau der Hildesheimer Lüder-Gruppe am Großen Kranicher Teich hatte das Beratungsunternehmen Wolfsburg Consult GmbH geprüft, ob das ursprünglich für den Ortseingang geplante Indoor-Freizeitangebot nebst begleitenden Angeboten im Kur- und Kurmittelhaus abgebildet werden könnte. Die „Machbarkeitsstudie zur Revitalisierung der Kureinrichtungen“ wies nach, dass dies mit entsprechenden Umbauten realistisch möglich ist.

Das Gutachten lag bereits im Herbst 2022 vor. In ihrer Bestandsanalyse kamen die Experten zu dem Schluss, dass eine „gut erhaltene Gebäudesubstanz“ vorliege und die Strukturen für Indoor-Freizeitangebote gut geeignet seien. Gelobt wird die zentrale Lage direkt am Kurpark – ein „perfekter Standort für Gastronomie mit Blick auf den See“. Das hatte sich auch schon einmal anders angehört, als noch die Hotel-Pläne an dieser Stelle favorisiert und vorangetrieben wurden. In einer Kostenschätzung wird eine Sanierung übrigens auf knapp 6,3 Millionen Euro brutto taxiert (Kurhaus 1,58 Millionen, Kurmittelhaus knapp drei Millionen, Café knapp 776.000 Euro – alles netto). Ein Neubau käme – nach Prognose aus dem Juli 2022 – auf rund 6,9 Millionen Euro.

„Back to the roots“, gab Ortsbürgermeister Heinrich Wilgenbus (CDU) deshalb als Marschrichtung vor. Die Glücksburg-Wurzelsetzer sollen jetzt ein offenes Indoor-Modell für Kur- und Kurmittelhaus auf dem Markt anbieten. Definitiv vom Tisch sei jedenfalls die im November während der vorigen Sitzung aufgekommene Idee, das 2008 geschlossene Schwimmbad wieder in Betrieb zu nehmen. „Die Zahlen sprechen für sich“, macht Wilgenbus die Rechnung auf, wenn er von mindestens drei Millionen Euro für die günstigste Sanierungslösung spricht. Er fühle sich zwar in der Sache bestätigt, aber keinerlei Genugtuung, weil sich immer noch keine Lösung abzeichne und es einfach nicht vorwärtsgehe. Für seine Person könne er sagen: Zusammen mit dem damaligen Goslarer Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk (CDU) habe er Modelle vor und für den Ort vorgestellt. Seitdem sei mehr als drei Jahre lang effektiv nichts passiert. Und in jedem Jahr seien mehr als 200.000 Euro für die Gebäudeunterhaltung aufzubringen.

Immer noch im Drehen

Der Liberale Heinrich Wiebe wiederum findet das Ergebnis weniger schön. „Ich plädiere weiterhin für ein Hallenbad“, sagte er, das sei für Touristen und Einheimische ein ersehntes Angebot. Bei der Entscheidung gehe es auch um Daseinsvorsorge und Erwartungshaltungen – und am Ende vor allem um Verlässlichkeit. „Ich fühle mich wie beim Diskuswurf immer noch in den Drehbewegungen, weil auch nach 15 Jahren keiner den Mut loszulassen“, erklärt Wiebe. Was mit ihm definitiv nicht geht: „Hotels oder Ferienwohnungen werden dort nicht gebaut.“ Da sehe er aber auch einen Konsens.

Was sagen die Genossen als großer Wiebe-Partner im Ortsrat? Max Kühl macht es kurz mit einem Zitat aus dem Fundus des ersten SPD-Kanzlers Willy Brandt: „Kleine Schritte sind besser als große Worte.“ Mehr wollte er nicht sagen. Dr. Petra Haumann zeigte sich schon offener – und gab unumwunden zu: „Ich habe ja schließlich auch keine richtige Idee.“ Was nach dem Dafürhalten der CDU-Ortsratsfraktionschefin letztlich daran liege, dass nun einmal keine einfachen Lösungen für komplexe Sachverhalte existierten – auch wenn andere manchmal solche Gedanken nahelegen wollten. „Man muss ja auch wissen: Die Heizung auch für das Kurhaus steht im Kurmittelhaus“, gibt sie nur ein Beispiel für Hindernisse, die überwunden werden wollten. Auf der anderen Seite sei aber ebenso klar: „Wir dürfen das Kurmittelhaus auch nicht verrotten lassen.“ Trotzdem sei sie froh, dass aus ihrer Sicht das Schwimmbad-Thema vom Tisch sei: „Das war einfach unglaubwürdig.“

Große Ernüchterung

Die große Ernüchterung für die Indoor-Pläne im Kurmittelhaus war im November zu Tage getreten, als die Lenkungsgruppe zuletzt zusammengekommen war. Für die Indoor-Pläne hatte die Stadt Goslar wie berichtet den Markt erkundet, ob jemand ein Interesse an einer „überwiegend touristischen Nachnutzung der Kureinrichtungen“ habe. Die Initiative führte laut Verwaltung „zu keinem umsetzbaren Ergebnis“. Anschließend sollten potenzielle Investoren überwiegend aus der Region direkt angesprochen werden. Bei 14 Kontakten gab es acht Absagen und viermal keine Reaktion. Nur zwei Adressen gingen auf die Offerte ein. Bei beiden bestehe aber keine Aussicht auf eine ganzheitliche Entwicklung der Häuser, hieß es damals.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Themen aus der Region