Warum Harzer Bäume für die Wissenschaft gefällt werden
Zum Waldumbau fällen die Landesforsten auch Bäume. Foto: Skuza
Die meisten Einheimischen kennen den Harz noch als reinen Fichtenwald, doch die Landesforsten setzen auf Waldumbau. Ein Forscherteam nutzt das für seine Zwecke.
Oberharz. Die Zitterpappel ist Baum des Jahres 2026 und dient den Niedersächsischen Landesforsten im Harzer Waldumbau. Nur als Rohstoff spielt dieser Baum, auch Aspe genannt, bislang keine große Rolle. Ein Forschungsteam verschiedener Organisationen widmet sich nun der Frage, ob man dies in Zukunft ändern könnte.
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Das Projektkonsortium ist laut einer Pressemitteilung ein regionaler Wald- und Holzforschungs-Cluster in Südniedersachsen. Es besteht demnach aus dem Verein Kompetenznetz für Nachhaltige Holznutzung, der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt und der Universität Göttingen, ergänzt um die Partner Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI und das Thünen-Institut für Waldwirtschaft sowie die Niedersächsischen Landesforsten und den Harzer Tourismusverband.
Waldumbau ist im Gange
Mit Tobias Krenn und Paul Schmidt sind am Mittwochvormittag zwei Mitarbeiter des Fraunhofer-Instituts in den Oberharz gefahren, um sich eine Ladung Aspenholz zu Forschungszwecken abzuholen – und sich einmal in dem Revier umzusehen, in dem die Bäume entnommen wurden. Denn im Dreieck zwischen Lautenthal, Hahnenklee und Wildemann stehen zwar noch vergleichsweise viele Fichten, doch auch hier ist der Waldumbau in vollem Gange.
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Dazu gehört es, erklärt Revierförster Silas Tepper, dass aktiv in den Bestand eingegriffen werde – anders als im Nationalpark. Heißt: Dort, wo es Sinn ergibt, werden Bäume gefällt, beispielsweise um anderen Arten das Wachsen zu ermöglichen. Erfreulicher Nebeneffekt: Das dadurch gewonnene Holz kann so einen neuen Zweck bekommen. Am Mittwochvormittag lag etwa schon Material für das Osterfeuer in Lautenthal bereit.

Tobias Krenn (v.l.) und Paul Schmidt informieren sich bei Förster Silas Tepper (r.) über dessen Revier. Foto: Skuza
Zu Forschungszwecken hat nun Holz von der Zitterpappel den Besitzer gewechselt. Die Aspe ist im Harz heimisch, besiedelt als Pionierpflanze baumfreie Flächen. Sie verjüngt sich natürlich, ihr Samen wird vom Wind in weit entfernte Regionen verweht. Wo Aspen wachsen, gedeihen auch andere Gehölze. Im Schutz ihrer Zweige und zittrigen Pappelblätter überleben empfindliche Baumarten, die Frost und Sonnenbrand wenig vertragen. Mit diesen Eigenschaften und der zunehmenden Bedeutung bei der Wiederbewaldung rückt die Zitterpappel in den Fokus der Holzforschung.
Aspe liefert weiches Holz
Als relativ weiches Laubholz wird die Pappel heute vornehmlich für Faser- und Spanprodukte genutzt. Das Forscherteam will untersuchen, welche Chancen die Aspe in lasttragenden und somit höherwertigen oder leistungsfähigeren Werkstoffen wie Grobspanplatten und Furnierschichtholz hat.

Zum Waldumbau gehört es auch, Bäume zu fällen. Foto: Skuza
Die Landesforsten beteiligen sich an dem Forschungsvorhaben. Die erste Fuhre Pappelholz ist dafür im Forstamt Seesen gefällt worden. Forstwissenschaftlerin Jella Rebentisch-Weikert ist Betriebsdezernentin im Forstamt. Sie hat gemeinsam mit Silas Tepper, dem Revierleiter der Försterei Lautenthal, geeignete Pappelbäume im Seesener Revier ausgewählt und unterstützt die Feldforschung im Rahmen der Regionalstudie Harz.
Szenarien für die Wiederbewaldung
Die Studie entwickelt vor dem Hintergrund der aktuellen Waldsituation und des zukünftigen Klimawandels Szenarien für die Wiederbewaldung des Harzes. Die Pflanzung von klimaangepassten, ertragsstarken Baumarten und die Chancen hinsichtlich ihrer Holzverwendung werden betriebswirtschaftlich analysiert. Darüber hinaus werden wichtige Funktionen des Waldes wie beispielsweise die Trinkwassergewinnung beleuchtet.

Waldumbau ist eine langwierige Angelegenheit. Dieses Bäumchen ist bereits fünf Jahre alt. Foto: Skuza
In den vergangenen Wochen sind bereits zigtausend Setzlinge gepflanzt worden mit dem Ziel, eine tiefgreifende Transformation hin zu vielfältigen Mischwäldern zu erreichen, weg von den einstigen Fichtenwäldern. „Über Jahrhunderte hat die Baumart den Bergbau im Harz ermöglicht. Aus dem Verkauf des begehrten Bauholzes konnten wir in den vergangenen 40 Jahren den Umbau unserer Nadelwälder bezahlen“, erinnert Försterin Rebentisch-Weikert.
Im Harz entsteht Mischwald
Die nächste Waldgeneration bestehe überwiegend aus Mischwäldern. Darin befänden sich mehr Laubbaumarten, insbesondere sogenanntes Weichlaubholz wie Birke, Aspe und Eberesche, so die Forstfrau und ergänzt: „Die Studie will untersuchen, wofür Hölzer verwendet werden können, die bislang auf dem Markt nur eine Nebenrolle spielen. Denn Aspen, Birken oder Ebereschen liegen uns Forstleuten aus ökologischen Gründen sehr am Herzen. Wenn künftig mehr weiches Laubholz im Harz anfällt, freuen sich Holz-Fans natürlich, diesen Rohstoff nutznießend verwenden zu können“, hofft die Försterin auf positive Forschungsergebnisse für ihr Pappelholz. Schließlich sollen die Aspen nicht ausschließlich als Streichhölzer enden.

Ein Teil des Holzes der Landesforsten bleibt als Totholz im Wald, andere Teile werden zum Abtransport abgelegt. Foto: Skuza
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