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Wirbel im Bauausschuss

GZ Plus IconSPD distanziert sich von Ehrenbergs Vorstoß zum Oberharzer Windpark

Das Gelände von Werk Tanne ist im Besitz der Halali-Verwaltungsgesellschaft und darf nicht einfach so betreten werden. Das Schild warnt vor einem Gefahrenbereich.

Das Gelände von Werk Tanne ist im Besitz der Halali-Verwaltungsgesellschaft und darf nicht einfach so betreten werden. Ob sich dort in den nächsten Jahren auch Windräder drehen? Foto: Neuendorf

Alexander Ehrenbergs Forderung, das Verfahren um den Windpark in Werk Tanne zu stoppen, sorgte für Wirbel: Nun betont die SPD, dass es keine gemeinsame Parteilinie war.

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Von Corinna Knoke
Samstag, 28.02.2026, 14:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Nach der Debatte um die Windkraftpläne bei Werk Tanne stellt die SPD in Clausthal-Zellerfeld ihre Position klar. Fraktion und Ortsverein widersprechen dem Eindruck, sie wollten das Verfahren stoppen. Der entsprechende Vorstoß im Bauausschuss sei ausschließlich von SPD-Ratsherr Alexander Ehrenberg gekommen und keine abgestimmte Parteilinie gewesen.

Zur Erinnerung: Ehrenberg nutzte den Bauausschuss, um grundsätzlich Kritik an dem Vorhaben der Halali-Verwaltungsgesellschaft zu üben, die als Eigentümerin der NS-Rüstungsaltlast dort einen Windpark errichten will. Im Kern stört sich der Sozialdemokrat daran, dass seiner Ansicht nach ein falscher Eindruck über die Einflussmöglichkeiten des Rates entstanden sei. Weder Flächennutzungsplan noch Bebauungsplan oder ein städtebaulicher Vertrag könnten verbindlich festlegen, wie viele Windenergieanlagen gebaut werden oder wie hoch sie sein dürfen. Maßgeblich seien am Ende die Fachgutachten der zuständigen Behörden und nicht die politische Einschätzung der Stadt. Dennoch sei bei dem SPD-Politiker in der Vergangenheit der Eindruck entstanden, als könne der Rat das Aussehen des Vorhabens steuern. „Das Vertrauen in die Ehrlichkeit dieses Projektes ist beschädigt, hier wurde unglücklich gespielt.“ Aus diesem Grund rät er, das Verfahren abzubrechen.

Fraktion hält an geordnetem Verfahren fest

Übermittelt wurde die Klarstellung der SPD von Markus Finck, dem neuen Fraktionsvorsitzenden und Nachfolger Ehrenbergs. Gegenüber der GZ betont der Bürgermeisterkandidat, dass es sich bei Ehrenbergs Auftritt im Bauausschuss ausdrücklich um eine Einzelmeinung gehandelt habe. Die übrige SPD-Fraktion halte hingegen derzeit an einem sachorientierten und geordneten Verfahren fest.

Nach Darstellung der Sozialdemokraten sollen zunächst die noch ausstehenden Fachgutachten etwa zu Trinkwasser, Artenschutz und Welterbe-Verträglichkeit abgewartet werden. Erst auf dieser belastbaren Datengrundlage wolle die Fraktion eine abschließende politische Bewertung zu den Windparkplänen vornehmen. Für die SPD sei es selbstverständlich, auch die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger sowie der Initiativen in den Entscheidungsprozess einzubeziehen.

Überrumpelt im Bauausschuss

Auf GZ-Nachfrage, warum sich die Fraktion denn nicht bereits in der Bauausschusssitzung klar von Ehrenbergs Vorstoß distanziert habe, räumt Finck ein, die Genossen seien von der Wortmeldung überrumpelt worden. Die Fraktion sei im Vorfeld nicht ausreichend informiert gewesen. Ehrenberg habe als einziger SPD-Vertreter an dem Januar-Treffen mit den übrigen Fraktionen, der Stadtverwaltung, dem Planungsbüro und dem Vorhabenträger teilgenommen und die entsprechenden Unterlagen nicht weitergegeben. Aus diesem Grund habe eine fraktionsinterne Beratung zu den dort besprochenen Details noch nicht stattfinden können. „Ein transparenter und fairer Prozess erfordert, dass alle Beteiligten auf derselben Informationsbasis agieren“, betont Finck.

Auch von anderer Seite kommt Kritik an Ehrenbergs Vorgehen, nämlich aus der Glück-Auf-Gruppe. Wolfram Haeseler, Fraktionsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat der Grünen, zeigte sich im Nachgang der Ausschusssitzung irritiert über den Vorstoß. Gerade weil Ehrenberg in der Vergangenheit den Anspruch erhoben habe, im Bau- und Verwaltungsrecht besonders versiert zu sein, überrasche der Vorwurf, von Verwaltung und Vorhabenträger in die Irre geführt worden zu sein.

Haeseler verweist zudem auf eine Informationsveranstaltung der Oberharzer Grünen im Juli 2025 mit ihrem Umweltminister Christian Meyer, bei der der Ablauf von Genehmigungsverfahren ausführlich dargestellt worden sei: „Das Bundes-Immissionsschutzgesetz und die Genehmigungsbehörden des Landkreises geben Vorgaben und Auflagen, der Vorhabenträger plant danach, dieser Plan wird veröffentlicht, die Bürgerinnen und Bürger können dazu ihre Anmerkungen einreichen und am Ende sagt der Stadtrat ja oder nein.“

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