Wie ein Polizeierholungsheim im Harz zum alternativen Hotel wurde
In den Gruppenräumen der „Welt Lodge“ von Susen und Mario Rosner können Gäste ins Gespräch kommen. Foto: Müller
Susen und Mario Rosner haben ein Altenauer Haus mit Geschichte übernommen. Mit der Wirtschaftsförderung bauten sie es um, zu einem Selbstversorgerhaus mit Gemeinschaft.
Altenau. Susen und Mario Rosner haben vor einem knappen Jahr ein Hotel und eine Gruppenunterkunft in Altenau eröffnet. Unterstützung für die „Welt Lodge“ gab es von der Wirtschaftsförderung Region Goslar (Wirego). In der vergangenen Woche kam schließlich der Förderbescheid für die eigenen Ideen des Gründerpaares. Ursprünglich war dieses Haus, das mitten in der Altenauer Natur liegt, ein Polizeierholungsheim.
„Die Förderung war die Grundlage dafür, dass wir das überhaupt umsetzen konnten“, sagt Mario Rosner. Seine Frau und er wollten bewusst gemeinsam ein Unternehmen führen und möglichst selbstbestimmt arbeiten. Beide kommen aus dem öffentlichen Dienst, den sie aber als sehr bürokratisch erlebt haben.
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Auch wenn der Gedanke bei einem ehemaligen Polizeierholungsheim naheliegt: Einen polizeilichen Hintergrund haben beide nicht. Mario ist gelernter Architekt und war zuletzt stellvertretender Bauamtsleiter in Nordhessen. Susen Rosner arbeitete in der Verwaltung. „Ich bin die Ordnungsliebende“, sagt sie. Mario ist offiziell Geschäftsführer, aber er kümmert sich vor allem um die Öffentlichkeitsarbeit. Susen ist für Organisation und Reinigung zuständig.
Kein konventionelles Hotel
Von Beginn an verfolgten die Rosners ein eigenes Konzept: ein Selbstversorgerhaus mit Gemeinschaft. Ein klassisches Hotel mit Gastronomie war, wie Mario erklärt, nicht der Kerngedanke. Neben den Zimmern gibt es drei Gruppenräume in unterschiedlichen Größen, beispielsweise für Musik- oder Seminargruppen. „Es soll nicht nur ein Ort zum Schlafen sein“, sagt Susen. „Im Sommer nutzten unsere Gäste auch die Feuerstelle oder den Grillpavillon draußen.“ Ein klassisches Frühstück bietet die „Welt Lodge“ nicht an, aber einen Brötchendienst. Für die Gäste gibt es eine Küche zur eigenen Nutzung.

In der Küche können sich Gäste nehmen, was sie brauchen. Foto: Müller
Ein Neubau kam für beide nicht infrage. „Das wäre zu teuer gewesen“, sagt Mario Rosner. Seine Frau ergänzt: „Ich mag das Haus auch, weil es eine Geschichte hat.“ Der vordere Gebäudeteil stammt aus dem Jahr 1948, ein Anbau folgte 1964. „Das Haus zu erhalten, ist auch nachhaltiger.“ 2006 schloss das Polizeierholungsheim seine Türen, danach nutzte ein Motorrad-Club das Haus vor allem an den Wochenenden. „Da hieß es noch Wald Lodge“, erinnert sie sich. Mittlerweile ist jedes Zimmer nach einer bestimmten Hauptstadt benannt und entsprechend eingerichtet. „Deswegen heißt es jetzt Welt Lodge.“
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Persönliche Erfahrungen und Begegnungen
Nach wie vor stemmen die Rosners alles zu zweit, möchten aber individuell auf ihre Gäste eingehen. „Manchmal stehen Wanderer hier, die eigentlich auf den Brocken wollten und es körperlich nicht geschafft haben“, erzählt Susen Rosner. „Und dann fragen sie nach Strom, Wasser oder vielleicht einem Bier. Und ich sage dann: Kommt rein.“ Aus solchen Situationen entstanden manchmal auch längere Gespräche. Und das Persönliche habe sie in vielen Hotels vermisst. „Ich möchte, dass man nicht nur einen Zahlencode oder einen Schlüssel hat.“

Das London-Zimmer wurde nach der englischen Hauptstadt benannt und gestaltet. Foto: Rosner
Da beide keine Erfahrung in der Hotelbranche hatten, erstellten sie ihren Businessplan mit einer externen Firma. Die Umsetzung finanzierten sie mit Eigenkapital und der Förderung. Laut Wirego ist das ein Zuschuss von rund 20 Prozent ihrer Investition. Mit Gästen haben sie überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Das scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen, denn „ein Drittel bucht gleich den nächsten Termin, wenn sie abreisen“, sagt Mario Rosner. Schwierige Situationen habe es nur selten gegeben, einmal wegen einer sehr laut feiernden Männergruppe. „Da war klar: Jeder von ihnen kann mit seiner Familie gern wiederkommen. Aber nicht in dieser Konstellation“, findet er.
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Zukunft und Vergangenheit in der Welt Lodge
Noch heute kommen Polizeigruppen aus ganz Deutschland in das Haus, auch wenn es für alle Zielgruppen offen sein soll. Die Zeugnisferien waren für die Rosners erfolgreich. Nicht zuletzt wegen des Schnees, der dem Paar schon Ende November gelegen kam. Für 2026 haben sie konkrete Pläne: „Als Nächstes wollen wir eine Photovoltaikanlage aufbauen“, sagt Susen Rosner. Weiterhin pflanzen die beiden für jede Gruppe, die mindestens zwei Nächte bleibt, einen Baum. „Das machen wir im Frühjahr“, ergänzt Mario Rosner.

Die „Welt Lodge“ befindet sich an der Schwefelquelle. Foto: Rosner
Am meisten verändert habe sich aber nicht das Haus, sondern sie selbst. „Wir sind gelassener geworden und genießen das Leben hier in der Natur“, sagt Mario Rosner. Auch wenn es kaum feste Feierabende gebe, überwiegen für die beiden die positiven Aspekte. „Es ist viel Arbeit, aber man kann die positiven Sachen nur dann richtig genießen, wenn man auch Negatives erlebt hat. Und das Haus lebt ja erst durch die Gäste.“
Für Susen Rosner war 2025 „das emotionalste und härteste Jahr jemals. Und gleichzeitig das dankbarste.“
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Susen und Mario Rosner leiten die Unterkunft zu zweit, bisher ohne Mitarbeiter. Foto: Müller