Helfen mit dem, was da ist: Wie die Tafel in Clausthal arbeitet
Petra Mölter (v.l.), Sabine Krause und Sabine Engeler bereiten Kisten für die Lebensmittelausgabe in Clausthal-Zellerfeld vor. Foto: Müller
Für den Clausthaler Tisch „Lazarus“ packen Ehrenamtliche jede Woche zweimal Lebensmittelkisten. Weniger Ware und fehlende Helfer machen die Arbeit jedoch schwieriger.
Clausthal-Zellerfeld. Im Haus des Diakonischen Werks stehen Kisten dicht an dicht auf dem Tisch. Drei Frauen verteilen Obst und Gemüse, sind konzentriert, aber positiv. Sie bereiten in Clausthal-Zellerfeld die Lebensmittel der Tafel für die Ausgabe am Mittwoch und Freitag vor.
Sabine Krause ist die Teamleitung. „Ich mache das hier seit 20 Jahren. Die letzten Jahre war ich in Osterode“, erklärt sie. Der Clausthaler Tisch „Lazarus“ fusionierte 2022 mit der Osteröder Tafel und wurde dauerhaft in diese integriert. Vorher gehörte das Angebot zur Marktkirchengemeinde. Sabine Krause war selbst an der Gründung beteiligt und packt bis heute mit an. Die Osteröder Tafel ist als Verein organisiert, hat acht Ausgabestellen und wird komplett von Ehrenamtlichen am Laufen gehalten. Laut Krause sind es circa 20 Personen.
Ärger über Lebensmittelverschwendung
Während die GZ zu Besuch ist, hat die Teamleiterin zwei Helferinnen: Petra Mölter unterstützt seit vier Jahren, weil sie gerne mit Menschen zusammenarbeitet. Sabine Engeler ist ein Jahr länger dabei und engagiert sich aus denselben Beweggründen. „Außerdem bin ich Rentnerin und möchte ein bisschen Abwechslung im Alltag.“ Für Sabine Krause war der Ärger über Lebensmittelverschwendung ausschlaggebend, denn sie möchte Menschen mit dem helfen, was noch verwertbar ist. Alles, was jetzt in den großen und kleinen Kisten landet, haben die Ehrenamtlichen am Morgen geprüft. Obst wird gedreht, Druckstellen kontrolliert, alles mit Schimmel aussortiert.
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„Wir müssen alles noch einmal in die Hand nehmen“, sagt Sabine Engeler. Um das Obst und Gemüse in diesem Raum frisch zu halten, ist es kalt. Kühlware lagert separat. Laut den Ehrenamtlichen geben viele große Märkte inzwischen weniger dieser Produkte ab. Besonders bei Fleisch, Milch und ähnlichen tierischen Produkten gelten strengere Hygiene- und Kühlkettenvorschriften. Die Angst vor Haftung, falls doch ein Kühlkettenfehler passiert, könne die Zurückhaltung erklären.
Ablauf und Organisation
Im Haus stehen Lebensmittel vom Vortag bereit – sortiert, je nachdem, wie lange sie haltbar sind. Die Ware wird jeden Tag abgeholt, außer Samstag. „Wir fangen um halb zehn an und sortieren, was wir weitergeben können“, sagt Sabine Krause. Jeden Mittwoch, gegen 11.30 Uhr, kommt noch einmal Nachschub: Ein Kühlwagen liefert Lebensmittel aus einer Bäckerei und einer Fleischerei aus der unmittelbaren Umgebung. Gegen 13 Uhr beginnt das Packen, die Ausgabe läuft jeweils von 14.30 Uhr bis 17 Uhr. „Wir geben pro Ausgabetag, das ist bei uns mittwochs und freitags, 35 bis 45 Kisten aus“, so die Teamleiterin. Wer zuerst kommt, mahlt hier nicht zuerst. Die Kisten sind zugeteilt, den Inhalt suchen sich die Gäste nicht aus. Manchmal legen die Helferinnen noch eine Süßigkeit dazu: „Dann freuen sich die Kinder.“ Bevor jetzt die ersten Menschen kommen, packen sie gemeinsam an und stellen die Kisten an Ort und Stelle. „Für die Familienkiste zahlt man drei Euro, für die kleinere zwei“, erklärt Petra Mölter.

Sabine Krause teilt auf: nach Gemüse, Brot und weiteren Lebensmitteln. Foto: Müller
Wer zur Tafel kommt, ist laut Sabine Krause ganz unterschiedlich. Es sind Einzelpersonen aller Altersgruppen, Zwei-Personen-Haushalte, viele Familien und darunter viele Alleinerziehende. „Die meisten sind Geflüchtete“, fügt Petra Mölter hinzu. So verschieden die Empfänger auch sind, eins haben sie gemeinsam: „Die Scham ist groß.“ Deswegen findet die Ausgabe auch über den Hintereingang des Gebäudes statt.
Bekannte Gesichter erkennen die Helfer wieder. So merken sie sich, ob jemand beispielsweise eine Allergie hat oder kein Schweinefleisch isst. „Wir versuchen, ein bisschen auf Einzelne einzugehen“, so Sabine Krause. „Aber zuallererst versuchen wir, alle Kisten vollzubekommen und die Menge gerecht aufzuteilen.“
Am unteren Ende der Nahrungskette
Wer hierherkommt, braucht eine sogenannte Tafelkarte, eine offizielle Genehmigung, die sich nach dem Einkommen und der Haushaltsgröße richtet. Gerade in Zeiten des Ukrainekrieges und der Inflation fehlt es vielen Haushalten an Geld. Lieferengpässe bei Supermarktketten wirken sich auch auf die Tafel aus. „Wir sind am unteren Ende der Nahrungskette“, sagt Sabine Krause. Das zeige sich auch in den Kisten: Fehlen frische Lebensmittel, geht es ans Eingemachte. Und an die Konserven.
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Was fehlt der Tafel noch? „Eigentlich alles“, sagt sie lachend. Laufende Kosten machen dem Verein zu schaffen, beispielsweise Miete, Müllgebühren und Benzin. An Sachspenden wünschen sich die Ehrenamtlichen vor allem haltbare Lebensmittel, um sie zeitlich flexibel in die Kisten packen zu können.
Unsichere Zukunft für Ehrenamt
Seit der Fusion habe sich wenig geändert, der Clausthaler Tisch „Lazarus“ behielt sein eigenes Konto. Eine Erleichterung war für Sabine Krause der Kühlwagen aus Osterode. „Am Anfang haben wir die Waren noch mit dem Privatauto geholt“, erinnert sie sich. An der Versorgung sei eigentlich alles beim Alten geblieben. „Wir bekommen weiterhin Lebensmittel von unseren Supermärkten, von einer Bäckerei und einem Fleischer in Clausthal-Zellerfeld.“
Geblieben sind auch die Nachwuchssorgen. „Alle, die sich hier engagieren, sind Rentner“, sagt Sabine Krause. Einige legten ihr Ehrenamt aus Altersgründen nieder, andere sind mittlerweile verstorben. „Unsere Älteste ist 83“, sagt Krause. Die Vorbereitungs- und Ausgabezeiten der Tafel seien für viele Menschen, die noch regulär arbeiten, schwierig. „Bei uns sind aber alle Altersgruppen willkommen. Man muss nur zuverlässig sein“, sagt sie.
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