Braunlager Bahnanschluss sorgt für einen kräftigen Aufschwung
Der Bahnhof Brunnenbachsmühle bei Braunlage ist ein kleiner Knotenpunkt: Von da aus sind bis 1945 die Nachbarorte Tanne und Sorge und damit auch die damalige Nordhäuser-Wernigerode-Eisenbahn erreichbar. Foto: Privat
Mit dem Bahnanschluss vor mehr als 125 Jahren steigen die Übernachtungszahlen in Braunlage kräftig. Die Anreise ohne Postkutsche ist für die Urlauber bequemer.
Braunlage. Mehr als 60 Jahre nach der letzten Fahrt ist die Sehnsucht nach der Schiene in Braunlage wieder da. Während aktuell über den Anschluss Braunlages an das Netz der Harzer Schmalspurbahnen diskutiert und auch schon geplant wird, blicken die Harzer in die Geschichtsbücher und schauen auf den 15. August 1899 zurück.
Was für ein besonderer Tag. Der 15. August 1899 beschert Braunlage den Bahnanschluss. An diesem Tag wird die Südharzeisenbahn zwischen Braunlage und Walkenried in Betrieb genommen, das Teilstück für den Güterverkehr dann am 1. November 1899.
Viele Nachfragen
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2,3 Millionen Mark Kapital
Die Südharzeisenbahn wird schnell umgesetzt. 1894 wird die Idee geboren, dann gründt sich die Gesellschaft, die den Betrieb übernimmt, 1896 starten die Bauarbeiten und am 15. August 1899 fährt der erste Zug. Dabei ist der Bau nicht leicht. Mehr als 24 Kilometer Gleise müssen zwischen Braunlage und Walkenried verlegt werden, und das meist auf Gefällstrecken. Nur 2,14 Kilometer weisen gar keine Steigung auf. Die höchste Steigung liegt bei nur vier Prozent. Um das zu erreichen, werden viele Kurven geschaffen, auf denen sich die Bahn die Berge hochschlängelt.
Verbindung sorgt für Boom
Südharzeisenbahn fährt vor 125 Jahren das erste Mal
Doch bereits im Oktober stirbt Degen, und der Eisenbahnunternehmer Louis Herrmann Bachstein übernimmt zunächst alle Vorzugsaktien mit einem Nennwert von insgesamt 1,3 Millionen Mark und erhält dafür die Betriebsführung für 20 Jahre. Später übernimmt er alle Aktien und wird alleiniger Eigentümer.

Der Braunlager Bahnhof am 1. Mai 1938: Die Bediensteten der Südharzeisenbahn lassen sich zum „Tag der Arbeit“ mit Dampflok fotografieren. Foto: Archiv Museum Braunlage

Ein Luftbild aus den 1920er-Jahren: Die Güterbahnlinie durch Braunlage am Kurpark und dem seinerzeit noch größeren Gondelteich vorbei ist gut zu erkennen. Foto: Archiv Museum Braunlage
Bahnhof mit zwei Wartesälen
Und auch die Passagiere bleiben aus. Viele Urlauber reisen mit dem Auto an oder per Bahn und Bus über Bad Harzburg. 1960 befördert die Südharzeisenbahn nur noch 51.000 Fahrgäste, das sind halb so viele wie sieben Jahre zuvor. Am Freitag, 28. September 1962, gibt es schließlich die offizielle Abschiedsfahrt mit geladenen Gästen. Die Südharz-Eisenbahn-Gesellschaft stellt den Betrieb auf Buslinien um und nennt sich ab 1973 „Harzer Verkehrsbetriebe Braunlage GmbH“. Heute gehört das Unternehmen zu den „Verkehrsbetrieben Bachstein GmbH“ mit Sitz in Celle.

Der Bahnhof Elend um 1910: Schon früh gibt es Überlegungen in Braunlage, einen Anschluss in den wenige Kilometer entfernten Nachbarort zu schaffen, weil die Verbindung über Brunnenbachsmühle und Sorge doch zu langwierig ist. Foto: Archiv Museum Braunlage

Endstation: Am sogenannten Knacker in der Nähe des Wurmberg-Steinbruchs endet die Güterstrecke der Südharzeisenbahn. Auf dem Bild ist im Hintergrund gut der Wurmberg-Gipfel (noch ohne Schanze oder Turm) zu erkennen und die Verladestrecke des Gesteins. Foto: Archiv Museum Braunlage

Die Bahnstrecke führt mitten durch den Amtsweg an der Bode entlang Richtung heutiges Eisstadion. Foto: Archiv Museum Braunlage
Anschlussgleis zur Glashütte
Dennoch führt die Güterstrecke mitten durch den Ort. Vom Bahnhof geht es am heutigen Seniorenzentrum „Am Park“ vorbei, an der „Hapimag-Ferienanlage“ und dem Kurgastzentrum entlang, an Heimat- und Skimuseum, Kindergarten und Bücherei vorbei Richtung Großparkplatz, wo dann der erste Haltepunkt ist. Auf dem heutigen Großparkplatz steht vor mehr als 100 Jahren die Kistenfabrik Fuchs, die ist immerhin Zulieferer der Firma Henkel (Persil) und will diese damals leichte Transportmöglichkeit über die Südharzeisenbahn an ihre Kunden liefern.

Entlang an Wiesen und durch Wälder führt die Bahnstrecke von Braunlage in Richtung Wieda. Foto: Archiv Museum Braunlage
Danach führt die Güterstrecke an den Brockenwegschanzen vorbei hin zum sogenannten Knacker, der die größeren Gesteinsbrocken aus dem Wurmberg-Steinbruch so zerkleinert hat, dass sie auf die offenen Waggons, die Cabrio-Wagen, verladen werden konnten. In Walkenried gibt es zu der Zeit in der Nähe des Affenteichs einen noch größeren Knacker, der das Wurmberg-Gestein noch feiner zerkleinerte.
Bahnhof wird nicht mehr benötigt

So sieht die „DB Engineering & Consulting GmbH“ in ihrer Machbarkeitsstudie den neuen Bahnhof in Braunlage. Zur Orientierung: Links im unteren Bildrand, das weiße Gebäude, ist die Talstation der Seilbahn. Foto: DB Engineering & Consulting GmbH

Im Mai 2014 lässt die Firma May aus Itzehoe den alten Bahnhof in Braunlage abreißen, der längst zu einem Schandfleck geworden ist. Foto: Eggers
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