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Vor mehr als 125 Jahren

GZ Plus IconBraunlager Bahnanschluss sorgt für einen kräftigen Aufschwung

Das alte Schwarz-Weiß-Foto zeigt eine Dampflok mit drei Waggons in einem Bahnhof.

Der Bahnhof Brunnenbachsmühle bei Braunlage ist ein kleiner Knotenpunkt: Von da aus sind bis 1945 die Nachbarorte Tanne und Sorge und damit auch die damalige Nordhäuser-Wernigerode-Eisenbahn erreichbar. Foto: Privat

Mit dem Bahnanschluss vor mehr als 125 Jahren steigen die Übernachtungszahlen in Braunlage kräftig. Die Anreise ohne Postkutsche ist für die Urlauber bequemer.

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Von Michael Eggers
Mittwoch, 18.02.2026, 10:00 Uhr

Braunlage. Mehr als 60 Jahre nach der letzten Fahrt ist die Sehnsucht nach der Schiene in Braunlage wieder da. Während aktuell über den Anschluss Braunlages an das Netz der Harzer Schmalspurbahnen diskutiert und auch schon geplant wird, blicken die Harzer in die Geschichtsbücher und schauen auf den 15. August 1899 zurück.

Was für ein besonderer Tag. Der 15. August 1899 beschert Braunlage den Bahnanschluss. An diesem Tag wird die Südharzeisenbahn zwischen Braunlage und Walkenried in Betrieb genommen, das Teilstück für den Güterverkehr dann am 1. November 1899.

In den Jahren danach erlebt die kleine Gemeinde einen vergleichsweise enormen Aufschwung. Einwohner- und Übernachtungszahlen steigen, 1934 gibt es die Stadtrechte, und der Tourismus boomt. Weitere Strecken nach St. Andreasberg, Altenau, Bad Harzburg, auf den Brocken, nach Elend und nach Zorge sind im Gespräch, doch nach Ende des Zweiten Weltkriegs liegt Braunlage plötzlich direkt am Eisernen Vorhang, und die Planspiele haben nicht nur ein Ende, 1963 stellt auch die Südharzeisenbahn ihren Dienst ein. Busse und der immer mehr zunehmende Individualverkehr übernehmen ihre Funktion.

2,3 Millionen Mark Kapital

Die Südharzeisenbahn wird schnell umgesetzt. 1894 wird die Idee geboren, dann gründt sich die Gesellschaft, die den Betrieb übernimmt, 1896 starten die Bauarbeiten und am 15. August 1899 fährt der erste Zug. Dabei ist der Bau nicht leicht. Mehr als 24 Kilometer Gleise müssen zwischen Braunlage und Walkenried verlegt werden, und das meist auf Gefällstrecken. Nur 2,14 Kilometer weisen gar keine Steigung auf. Die höchste Steigung liegt bei nur vier Prozent. Um das zu erreichen, werden viele Kurven geschaffen, auf denen sich die Bahn die Berge hochschlängelt.

Eigentümer der Südharzeisenbahn ist zunächst eine Gesellschaft, die mit Genehmigung des Herzogtums Braunschweig unter Leitung des Berliner Eisenbahners Louis Degen am 28. April 1897 in die „Südharz-Eisenbahn-Actien-Gesellschaft“ mit einem Kapital von 2,3 Millionen Mark mit Sitz in Walkenried umgewandelt wird.

Doch bereits im Oktober stirbt Degen, und der Eisenbahnunternehmer Louis Herrmann Bachstein übernimmt zunächst alle Vorzugsaktien mit einem Nennwert von insgesamt 1,3 Millionen Mark und erhält dafür die Betriebsführung für 20 Jahre. Später übernimmt er alle Aktien und wird alleiniger Eigentümer.

Das alte Schwarz-Weiß-Foto zeigt eine Gruppe von Menschen neben einer Dampflok.

Der Braunlager Bahnhof am 1. Mai 1938: Die Bediensteten der Südharzeisenbahn lassen sich zum „Tag der Arbeit“ mit Dampflok fotografieren. Foto: Archiv Museum Braunlage

Als Bachstein 1908 stirbt, übernimmt sein Sohn Herrmann Bachstein jun. das Unternehmen, der es 1933 in eine GmbH umwandelt, und auch nach dessen Tod 1944 bleibt das Unternehmen in Familienbesitz. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der damit verbundenen Kappung der Verbindungen nach Sorge und Tanne werden die Zahlen der Südharzeisenbahn schlechter. Als dann noch die Kistenfabrik Fuchs 1957 schließt, wird es dramatisch.
Das Foto zeigt eine alte Ansicht von Braunlage aus der Luft.

Ein Luftbild aus den 1920er-Jahren: Die Güterbahnlinie durch Braunlage am Kurpark und dem seinerzeit noch größeren Gondelteich vorbei ist gut zu erkennen. Foto: Archiv Museum Braunlage

Bahnhof mit zwei Wartesälen

Und auch die Passagiere bleiben aus. Viele Urlauber reisen mit dem Auto an oder per Bahn und Bus über Bad Harzburg. 1960 befördert die Südharzeisenbahn nur noch 51.000 Fahrgäste, das sind halb so viele wie sieben Jahre zuvor. Am Freitag, 28. September 1962, gibt es schließlich die offizielle Abschiedsfahrt mit geladenen Gästen. Die Südharz-Eisenbahn-Gesellschaft stellt den Betrieb auf Buslinien um und nennt sich ab 1973 „Harzer Verkehrsbetriebe Braunlage GmbH“. Heute gehört das Unternehmen zu den „Verkehrsbetrieben Bachstein GmbH“ mit Sitz in Celle.

Das alte Schwarz-Weiß-Foto zeigt einen alten Bahnhof und eine alte Dampflok.

Der Bahnhof Elend um 1910: Schon früh gibt es Überlegungen in Braunlage, einen Anschluss in den wenige Kilometer entfernten Nachbarort zu schaffen, weil die Verbindung über Brunnenbachsmühle und Sorge doch zu langwierig ist. Foto: Archiv Museum Braunlage

Die Bahngleise erreichen Braunlage vom Schmiedeberg her. An der Straße „Am Brandhai“ entlang geht die Strecke zum Bahnhof, der zwischen dem heutigen ZOB und dem heutigen Getränkegroßhandel Hebestriet liegt. Der Bahnhof Braunlage ist der betriebliche Mittelpunkt der Südharzeisenbahn. Er liegt 548 Meter hoch, es gibt unter anderem einen Warteraum zweiter und dritter Klasse, ein Empfangsgebäude, das mit Holzlattung im Harzer Stil verkleidet ist, und einen eingeschossigen Anbau, in dem die Toiletten untergebracht sind.
Das alte Schwarz-Weiß-Foto zeigt Güterwaggons und eine Art Seilbahn an einem Berg.

Endstation: Am sogenannten Knacker in der Nähe des Wurmberg-Steinbruchs endet die Güterstrecke der Südharzeisenbahn. Auf dem Bild ist im Hintergrund gut der Wurmberg-Gipfel (noch ohne Schanze oder Turm) zu erkennen und die Verladestrecke des Gesteins. Foto: Archiv Museum Braunlage

Das Bahngelände, das zwischen den heutigen Straßen „Am Brandhai“ und „Am Bahnhof“ sowie dem Buchholzplatz liegt, verfügt über etliche Gleisanlagen zum Rangieren. Es gibt zudem einen zweigleisigen Lokschuppen, der später um ein drittes Gleis erweitert wird. Zudem stehen ein Lokomotivschuppen und ein Kohlenbunker auf der Fläche. Die damalige Gemeinde Braunlage hatte sich seinerzeit dafür ausgesprochen, den Bahnhof an den Ortsrand zu bauen, damit der zunehmende Tourismus nicht durch laute Lokgeräusche gestört wird.
Die Bahnstrecke führt mitten durch den Amtsweg an der Bode entlang Richtung heutiges Eisstadion.

Die Bahnstrecke führt mitten durch den Amtsweg an der Bode entlang Richtung heutiges Eisstadion. Foto: Archiv Museum Braunlage

Anschlussgleis zur Glashütte

Dennoch führt die Güterstrecke mitten durch den Ort. Vom Bahnhof geht es am heutigen Seniorenzentrum „Am Park“ vorbei, an der „Hapimag-Ferienanlage“ und dem Kurgastzentrum entlang, an Heimat- und Skimuseum, Kindergarten und Bücherei vorbei Richtung Großparkplatz, wo dann der erste Haltepunkt ist. Auf dem heutigen Großparkplatz steht vor mehr als 100 Jahren die Kistenfabrik Fuchs, die ist immerhin Zulieferer der Firma Henkel (Persil) und will diese damals leichte Transportmöglichkeit über die Südharzeisenbahn an ihre Kunden liefern.

Das alte Schwarz-Weiß-Foto zeigt eine Dampflok, die an eine Wiese entlang fährt.

Entlang an Wiesen und durch Wälder führt die Bahnstrecke von Braunlage in Richtung Wieda. Foto: Archiv Museum Braunlage

An der Bode führt die Bahnstrecke weiter, und kurz vor dem „Relexa-Hotel Harzwald“ gibt es bis 1905 einen weiteren Halt, die Glashütte des Industriellen Karl Röhrig. Das Anschlussgleis führt über die Warme Bode, wird aber nach 1905 wegen der Stilllegung der Glashütte abgebaut, nur die markante Steinbogenbrücke existiert noch heute.

Danach führt die Güterstrecke an den Brockenwegschanzen vorbei hin zum sogenannten Knacker, der die größeren Gesteinsbrocken aus dem Wurmberg-Steinbruch so zerkleinert hat, dass sie auf die offenen Waggons, die Cabrio-Wagen, verladen werden konnten. In Walkenried gibt es zu der Zeit in der Nähe des Affenteichs einen noch größeren Knacker, der das Wurmberg-Gestein noch feiner zerkleinerte.

Bahnhof wird nicht mehr benötigt

Die Grafik zeigt das Modell des künftigen Braunlager Bahnhofs am Großparkplatz.

So sieht die „DB Engineering & Consulting GmbH“ in ihrer Machbarkeitsstudie den neuen Bahnhof in Braunlage. Zur Orientierung: Links im unteren Bildrand, das weiße Gebäude, ist die Talstation der Seilbahn. Foto: DB Engineering & Consulting GmbH

In Braunlage ist diese Strecke der ehemaligen Südharzeisenbahn auch heute noch gut nachvollziehbar. Es gibt den Rad- und Wanderweg, der nahezu exakt auf der ehemaligen Trasse verläuft und sehr beliebt ist. Weiter hat die Stadt beim Bau der neuen Promenade darauf geachtet, dass in der Pflasterung der Bahnverlauf sichtbar ist. Doch die meisten Gebäude, die in Zusammenhang mit der Bahn standen, stehen nicht mehr, nur einige Brücken sind noch vorhanden. Zuletzt wird im Mai 2014 das marode Bahnhofsgebäude abgerissen, das lange als „Schandfleck“ galt. Seit dem 28. September 1962, mit dem Ende des Personenverkehrs der Südharzeisenbahn, wird das Haus, das einst den Fortschritt brachte, nicht mehr benötigt. Bislang steht kein neues Haus auf dem Gelände (Quellen: Das Buch „Die Südharz-Eisenbahn“ von Winfried Dörner, Archiv Museumsgesellschaft Braunlage, GZ-Archiv).
Das Foto zeigt einen Abrissbagger im Einsatz.

Im Mai 2014 lässt die Firma May aus Itzehoe den alten Bahnhof in Braunlage abreißen, der längst zu einem Schandfleck geworden ist. Foto: Eggers

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