Mobilität der Zukunft

Warum der Goslarer Stadtbus vor großen Veränderungen steht

Frau mit verschränkten Armen steht vor gelbem Stadtbus der Marke VDL in einer Garage

Gelb für Goslar: Mit Begeisterung führt Anne Sagner das Unternehmen Stadtbus Goslar. Foto: Tietze

Mehr E-Busse, neue Mobilitätskonzepte und unsichere Finanzierung: Anne Sagner spricht über die größten Herausforderungen für das Goslarer Stadtbus-Unternehmen.

Von Von Anna Tietze 22.07.2026, 14:00 Uhr

Goslar. „Es war der absolut richtige Schritt“, ist sich Anne Sagner nach etwa sechs Jahren als Geschäftsführerin der Stadtbus Goslar GmbH sicher. Gemeint ist ihr Wechsel von der Goslarer Marketing-Gesellschaft zum Goslarer Verkehrsunternehmen.

Den Schritt beschreibt sie ebenso knapp wie passend: „Ich habe nur dazugewonnen.“ Noch immer bestehe ein sehr guter Kontakt zu den damaligen Kollegen, Netzwerken ist wichtig und neben der Klärung alltäglicher Fragen im Alltagsgeschäft eine ihrer Hauptaufgaben. Nicht zuletzt, um den Stadtbus zukunftsfähig zu gestalten.

Finanzierung bleibt größte Baustelle

Dabei sticht ein Thema besonders heraus. Die nachhaltige Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs sei das drängende Zukunftsthema schlechthin“, erklärt Sagner: „Der ÖPNV befindet sich inmitten verschiedener Transformationsprozesse. Veränderte Kundenansprüche und Nutzungsgewohnheiten, Digitalisierung, Elektrifizierung, Automatisierung, Modernisierung der Infrastruktur und der Fachkräftemangel in der Zukunft entscheiden darüber, ob wir als Angebot für unsere Kunden relevant bleiben.“

Warum der ÖPNV vor einem Wandel steht

Zugleich sei die Finanzierung besonders auf der Einnahmeseite unsicher. Deshalb müssten zur Lösung der Probleme alle an einen Tisch – Bund, Land, Kommunen und die Verkehrsunternehmen. Nur so könne es gelingen, „öffentliche Mobilität in einem zuverlässigen Rahmen sattelfest für die Zukunft zu machen.“

Neue E-Busse für Goslar geplant

Klein und fein ist die Stadtbus-Flotte mit 18 modernen Niederflurfahrzeugen, vier davon sind seit 2022 elektrisch unterwegs. Goslars Flotte wächst weiter. In diesem und im Jahr 2027 sollen vier weitere E-Busse folgen, die die Dieselbusse ersetzen. Das Unternehmen erhält dafür 1.596.000 Euro. Die Förderung erfolgt aus Mitteln des „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ und mit Geld des Landes Niedersachsen.

Kooperation bringt Fördergelder

Möglich war dies unter anderem durch die Kooperation von drei Verkehrsunternehmen: der Verdener Verkehrsgesellschaft, der Stadtbus GmbH und der Kraftverkehrsgesellschaft (KVG) Braunschweig. Die Betriebe kooperieren seit mehreren Jahren bei der Einwerbung von Fördermitteln und der Fahrzeugbeschaffung.

„Dieses Netzwerk bietet viele Synergieeffekte, denn jeder hat andere Fähigkeiten und Möglichkeiten“, betont Sagner. Durch die Partnerschaft, die kurz vor der Corona-Pandemie entstand, würden die Chancen auf Fördermittel steigen. Jede Partei profitiere vom Erfahrungsaustausch. Gemeinsam könne man mehr erreichen.

Welche Rolle der Stadtbus für Touristen spielt

Auch in Sachen Tourismus nehme der Stadtbus Goslar eine wichtige Rolle ein, auch wenn die Hauptaufgabe die Beförderung von Schülern und Bevölkerung sei. „Wir haben seit 2020 das landkreisweite Harzer-Urlauber-Ticket Hatix, das sehr gut angenommen wird“, erklärt Anne Sagner. Viele Touristen, allein Hahnenklee hatte zuletzt 482.625 Übernachtungen, würden das Auto zumindest während ihres Aufenthaltes lieber stehen lassen und gern Busse nutzen. So fährt zum Beispiel die Linie 803 während der Öffnungszeiten des Unesco-Weltkulturerbes Rammelsberg in einem 30-Minuten-Takt vom Bahnhof durch die Innenstadt an den Berg.

Krisen prägten die ersten Jahre

Nach sechs Jahren an der Spitze der Stadtbus GmbH könnte Anne Sagner noch viel berichten. Eines ist dabei aber ganz klar: Die Arbeit mit ihrem 50-köpfigen Team bereitet ihr nach wie vor viel Freude.

Wagt sie jedoch einen Rückblick, dann war es vor sechs Jahren wahrlich kein leichter Start gewesen. Kaum hatte sie den Posten der Geschäftsführung übernommen, nahm die Corona-Pandemie mit ihren Kontaktbeschränkungen ihren Lauf. Kurz darauf brach ein Schneechaos über die Kaiserstadt herein, das den Stadtbusverkehr auf eine ganz andere Art herausforderte.

Digitalisierung verändert den Nahverkehr

Auch der Weg der Digitalisierung, der immer schneller beschritten werden müsse, sowie die E-Mobilität, stellen Anforderungen an das Unternehmen. Dazu kommt der Ukrainekrieg mit der Energiekrise, der nach einer neuen Ausrichtung verlangte. Große Aufgaben und die gleich zu Beginn einer Laufbahn: „Ich hatte von Anfang an großartige Kollegen und ein prima Team um mich herum“, beschreibt Sagner ihr Arbeitsumfeld. Bis heute sei das so geblieben. „Wir gehen gemeinsam mit Elan, großem Einsatz und Professionalität an die Themen heran. Und das begeistert mich.“

So soll Mobilität in Goslar künftig aussehen

Für die nächsten Jahre hat Anne Sagner eine Vision: „Ich möchte, dass wir schlagkräftig, flexibel und nah an unseren Kunden bleiben, um die Lösung für geteilte Mobilität in Goslar zu bleiben. Wir betreiben dazu mit weiteren Kooperationspartnern das E-Carsharing-Angebot der Ein-Harz-Initiative in Goslar. Dazu müssen wir die Verzahnung mit unseren Partnern ausbauen und vor allem sichern.“

Weshalb die Zukunft am Geld hängt

Wichtig ist Anne Sagner aber vor allem ein Punkt: „Die Finanzierung des ÖPNV in Niedersachsen und der Region muss wieder auf sicheren Füßen stehen, daran hängt einfach alles, um ein zuverlässiges Unternehmen für alle, für unsere Fahrgäste und unsere Mitarbeiter, zu sein.“

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