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Altenauer Kirchenvorstand Pinnow

GZ Plus Icon„Mein größter Albtraum wäre es, meine eigene Kirche zu löschen“

Alexander Pinnows größte Angst ist es, irgendwann einmal die Altenauer Kirche löschen zu müssen. Darum pocht er jetzt auf eine Brandmeldeanlage.

Alexander Pinnows größte Angst ist es, irgendwann einmal die Altenauer Kirche löschen zu müssen. Darum pocht er jetzt auf eine Brandmeldeanlage. Foto: Knoke/Feuerwehr Hahnenklee

Alexander Pinnow ist Feuerwehrmann und Vorsitzender des Kirchenvorstands in Altenau. Seit dem Brand in Clausthal treibt ihn eine Frage um: Was, wenn die St.-Nikolai-Kirche in Flammen steht und er selbst zum Löschen kommen muss?

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Von Corinna Knoke
Mittwoch, 23.07.2025, 19:45 Uhr

Oberharz. Wenn Alexander Pinnow an den Brand der Clausthaler Marktkirche denkt, fehlen ihm die Worte. „Ich bin immer noch fassungslos“, sagt er. Als Vorsitzender des Kirchenvorstands der St.-Nikolai-Kirche geht ihm seitdem ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf: Was, wenn es in Altenau passiert wäre? Im Gegensatz zur Marktkirche gibt es dort keine Brandmeldeanlage, die Schlimmeres verhindern könnte.

Kirchenvorstand Alexander Pinnow sieht die St.-Nikolai-Kirche samt der kürzlich sanierten Orgel als schützenswerten Schatz.

Kirchenvorstand Alexander Pinnow sieht die St.-Nikolai-Kirche samt der kürzlich sanierten Orgel als schützenswerten Schatz. Foto: Knoke

Als Pinnow am Morgen nach dem Clausthaler Brand die Einsatzbilder sah, war er geschockt. Wäre er in der Nacht in Altenau gewesen, wäre er ebenfalls ausgerückt. Seit neun Jahren ist er nämlich in der Feuerwehr der Bergstadt aktiv. Diese Doppelfunktion gibt ihm einen geschärften Blick für die Brandrisiken in der St.-Nikolai-Kirche. Seit er dem Kirchenvorstand vorsteht, hat er vieles überprüft und angepasst, wie er erzählt. Zwölf Feuerlöscher sind inzwischen im gesamten Gotteshaus verteilt – allen voran im hölzernen Dachstuhl, wo vorher keiner war. Doch das allein reicht ihm nicht mehr. Sein größter Albtraum: In Altenau selbst mit dem Schlauch anrücken zu müssen und die eigene Kirche zu löschen.

Mulmiges Gefühl im Magen

Schon als an Weihnachten in der Beuchter Kirche der Altarraum in Flammen stand, war er alarmiert. Damals war ein Kabelbrand Schuld. „Man denkt immer, das passiert woanders. Aber wenn es in der Nähe ist, so wie jetzt der Brand in Clausthal, ist das ein ziemlich mulmiges Gefühl.“ Oft habe er den Satz gehört, in den 355 Jahren Kirchgeschichte in Altenau sei bisher nichts passiert. Für Pinnow ist das aber kein Argument, sondern Leichtsinn. In seiner Recherche habe er herausgefunden, dass in Deutschland etwa einmal pro Woche eine Kirche brennt. Dennoch hat er das Gefühl, in den vergangenen Monaten für sein Engagement um den Brandschutz in der Altenauer Kirche belächelt worden zu sein. Er bedauert, dass es erst solch einen Großbrand in der Stadt geben muss, bis hoffentlich jetzt ein Umdenken stattfindet – auch in den anderen Oberharzer Gemeinden.

Seit dem Wechsel im Kirchenvorstand gibt es zwölf Feuerlöscher in der Altenauer Kirche, mittlerweile auch unter dem Dach.

Seit dem Wechsel im Kirchenvorstand gibt es zwölf Feuerlöscher in der Altenauer Kirche, mittlerweile auch unter dem Dach. Foto: Knoke

Der Vorsitzende des Kirchenvorstands weiß, dass Brandmeldeanlagen in Gotteshäusern tatsächlich eine Ausnahme seien. In der Berg- und Universitätsstadt ist lediglich die Clausthaler Kirche damit ausgerüstet. „Die Marktkirche stellt einen Sonderfall dar“, erklärt Rebekka Neander. Die stellvertretende Pressesprecherin der Landeskirche Hannovers betont: „Sie ist nicht nur die größte Holzkirche Deutschlands und von hoher kulturhistorischer Bedeutung, sondern bietet in ihrem stattlichen Ausmaß Platz für bis zu 2000 Personen.“ Aufgrund der baulichen Gegebenheiten bleibe trotz einiger Optimierungen „eine gewisse Unwägbarkeit für die Sicherheit vieler Menschen im Ernstfall“. „Insofern erscheint eine Brandmeldeanlage für eine sichere Nutzung und den Erhalt der denkmalgeschützten Gesamtsubstanz hier unbedingt sinnvoll“, betont Neander.

Gemeinden entscheiden selbst

Auch Stadtbrandmeister Markus Finck hält Brandmeldeanlagen grundsätzlich für wichtige Schutzmaßnahmen. Bei dem stattlichen Preis müsse aber vorab klar sein, welchen Zweck sie in der Kirche erfüllen sollen. Menschenleben retten sie vermutlich nicht. Dazu sind laut Finck im Gottesdienst immer Besucher da, die eingreifen könnten. Doch wenn ein Feuer in der Nacht ausbricht, sei das anders. Dann könne so eine Anlage das Gebäude retten.

Neander macht aber darauf aufmerksam, dass die Landeskirche in der Regel nicht Eigentümerin der Sakralbauten sei. Aus diesem Grund entscheiden die Gemeinden selbst, ob eine Brandmeldeanlage angeschafft werden soll. Im Oberharz ist dafür die Gesamtkirchengemeinde Oberharz zuständig.

Ein Schatz muss bewahrt werden

Schon vor dem Brand haben Pinnow und die anderen Ehrenamtlichen des Kirchenvorstands angefangen, Kostenvoranschläge für eine Brandmeldeanlage in der St.-Nikolai-Kirche einzuholen. Nach ersten Einschätzungen geht der Altenauer von rund 15.000 Euro aus. Für die Gemeinde eine Stange Geld, denn in erster Linie ist sie für die Finanzierung zuständig. Unterstützung kann sie sich aber über den Kirchenkreis und Spendenaktionen holen. Für solche Fälle wurde im vergangenen Jahr der Förderverein zum Erhalt der Altenauer Kirche gegründet, bei dem Pinnow ebenfalls Vorsitzender ist. Die Mitgliederversammlung könnte entscheiden, dass die gesammelten Gelder für die Brandmeldeanlage genutzt werden.

Genau wie die Clausthaler Marktkirche besteht die 355 Jahre alte St.-Nikolai-Kirche aus Holz.

Genau wie die Clausthaler Marktkirche besteht die 355 Jahre alte St.-Nikolai-Kirche aus Holz. Foto: Knoke

Bei der Anschaffungssumme wird es zudem nicht bleiben, weil noch regelmäßige Wartungskosten auf die Gemeinde zukommen. Diese Investitionen wären es Pinnow aber wert, wenn er im Vergleich die Sanierungskosten nach einem möglichen Brand oder gar für einen Neubau sieht. Besonders die gerade erst sanierte Orgel und der handgeschnitzte Altar, der fast so alt wie die Kirche selbst ist, könnten nicht ersetzt werden. Daher ist die St.-Nikolai-Kirche für Alexander Pinnow ein unglaublicher Schatz, den es definitiv zu erhalten gilt.

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