So pompös feierten Bad Harzburger früher mal Silvester
An Silvester 1979/80 fotografiert Herbert Ahrens das gigantische Feuerwerk über dem Burgberg. Foto: Ahrens-Archiv
Stargäste, Feten an der Grenze, Raketen über dem Burgberg: So feierten Bad Harzburger im letzten Jahrhundert Silvester. Bildhafte Eindrücke aus dem Ahrens- und GZ-Archiv.
Bad Harzburg. Stargäste, leuchtendes Feuerwerk über dem Burgberg, pompöse Festprogramme und proppenvolle Straßen: Silvester war im vergangenen Jahrhundert in Bad Harzburg oft ein gesellschaftliches Großereignis. So große Veranstaltungen wie damals etwa im Kurhaus oder in der Wandelhalle gibt es heute allerdings nicht mehr. Geblieben sind Erinnerungen im Ahrens-Foto-Archiv und auch im GZ-Archiv. Ein kleiner Rückblick auf berauschende Feste und große Momente.
Sekt statt Stacheldraht
Eine ganz besondere Silvesterfete feierten zum Jahreswechsel 1989/90 West- und Ostdeutsche vereint am Grenzübergang in Eckertal und Stapelburg. Kurz vorher, den ganzen Nachmittag und Abend über, waren „Bundies“ rüber in die DDR gepilgert, schrieb die GZ damals. Erst gab es dort große Hauspartys, dann marschierten Hunderte von der DDR-Seite auf die Grenze zu, „bereit, die größte Silvesterfete zu feiern, die Eckertal und Stapelburg je erlebt hatten“. Andere kamen aus Bad Harzburg rübergewandert.

Die GZ schreibt zu diesem Bild 1989/90: „Ein kleines Küsschen zum Jahreswechsel und dann auch noch direkt an der Grenze zur DDR, wer kann da schon widerstehen? Besonders, wenn die ganze Aktion auch noch unter dem Schutz von zwei freundlichen Polizeibeamten steht.“ Foto: GZ-Archiv/Schlegel
Ein ähnlich großes Spektakel wie zur Grenzöffnung oder zur Aufhebung der Visapflicht. Doch es waren nicht mehr zwei seit Jahren getrennte Menschengruppen, die da feierten, sondern eine Schar von Freunden. Der ehemalige Todesstreifen zwischen den Zäunen wurde in der Silvesternacht zur Startrampe für bunte Raketen, Sektflaschen kreisten, Menschen lagen sich in den Armen und das „Kulturhaus“ von Stapelburg wurde zum Dreh- und Angelpunkt der riesigen deutsch-deutschen Silvesterparty.
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Ballonschlacht im Kurhaus
Sowohl das Feuerwerk am Burgberg als auch das Bild der Ballon-Party im Kurhaus lichtete der Pressefotograf Herbert Ahrens zum Jahreswechsel 1979/1980 ab. Mehr als 550 Gäste hätten die Gastronomen Karin und Heinrich Oberhuber bei ihrem Silvesterfest im Kurhaus empfangen, hieß es damals im Nachbericht.

Um Mitternacht bricht beim Neujahrswechsel 1979/80 im Kurhaus eine Ballonschlacht aus. Foto: Ahrens-Archiv
Das verstärkte Kurorchester unter Georg Schrade spielte auf einem Podium im Saal, während die Bühne den Gästen überlassen wurde. Um Mitternacht ließen die Veranstalter 1500 Ballons von der Saaldecke auf die volle Tanzfläche herunterschweben und entfachten damit eine Schlacht um die vielen aufgeblasenen Figuren. Schließlich „sah man nur verliebte Paare und die Sektpfropfen flogen bis an die Saaldecke.“ Von der Kurhaus-Terrasse aus betrachteten die Gäste dann ein buntes Feuerwerk, das der Bad Harzburger Ludwik Merkel hoch über ihnen auf der Burgbergkuppe entzündet hatte.
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Dass prominente Künstler und Musiker in Bad Harzburg opulente Auftritte hinlegten, kam früher recht häufig und zu jeder Jahreszeit vor. In die lange Liste neben Stars wie Roberto Blanco und den Jacob-Sisters reiht sich unter anderem auch Schlagersänger Tony Marshall ein. Wenige Jahre nachdem ihm 1971 mit seinem Hit-Titel „Schöne Maid“ der große Durchbruch gelang, geleitete er die Bad Harzburger 1973/74 in das neue Jahr.

Der Auftritt von Schlagerstar Tony Marshall ist 1973/74 für die Veranstalter ein Riesenerfolg. Foto: Ahrens-Archiv
Für die Betreiber bedeutete die Veranstaltung ein großes Risiko. Eine solche Show war nicht billig, hinzu kamen zahlreiche Vorbereitungen, besondere Dekoration und die Plätze mussten völlig neu angeordnet werden. Hinzu kam die Sorge, ob sich genügend Gäste finden würden. Aber das Wagnis wurde zum Erfolg: „Restlos ausverkauft war die große Tony-Marshall-Silvestershow im Bad Harzburger Kurhaus“, schreibt Ahrens. Mehr als 100 Interessenten hätten an dem Tag sogar draußen bleiben müssen. Erstmals sei Marshall mit einer eigenen Showband aufgetreten. Und noch nie habe es eine solche Silvesterstimmung im Bad Harzburger Kurhaus gegeben.
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Auf den Straßen herrscht das Chaos
Nicht selten strömten am Jahresende derart viele Gäste in den Harz – und am Neujahrstag wieder zurück – dass auf den Straßen pures Chaos entstand. Das Foto etwa zeigt etliche Harzbesucher, die den Neujahrstag 1956 im Stau auf der B 4 am Torfhausberg verbrachten.

Den Neujahrstag 1956 verbringen etliche Harzbesucher auf der B 4 am Torfhausberg im Stau. Jenes Jahr ist kein Einzelfall. Foto: Ahrens-Archiv
Auch vor der Kurhausfeier zum Jahresende 1979, so berichtete Ahrens, stand rund um den Harz der Verkehr oft still, so viele Gäste seien gekommen, um dort in fröhlichen Runden zu feiern. Vor Bad Harzburg auf der damaligen B 6 stauten sich die Kraftfahrzeuge zeitweise bis über das Rennbahngelände hinaus zum Silberbornbad.
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