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Absage wegen Unwetterwarnung

GZ Plus IconSchulausfall und keine Müllabfuhr – der Landkreis Goslar im Winter

Am Montag blieben die Gelben Tonnen stehen. Wegen des schlechten Wetters sagten die Kreiswirtschaftsbetriebe die Müllabfuhr ab.

Am Montag blieben die Gelben Tonnen stehen. Wegen des schlechten Wetters sagten die Kreiswirtschaftsbetriebe die Müllabfuhr ab. Foto: Epping

Wegen Glatteis fielen am Montag im Landkreis Goslar Müllabfuhr und Schule aus. Sehr zum Missfallen einiger Eltern in Clausthal-Zellerfeld.

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Von Petra Hartmann
Dienstag, 13.01.2026, 17:00 Uhr

Goslar. Schulausfall wegen Eisglätte – wer hat als Kind nicht davon geträumt? Für den gestrigen Montag hatte der Landkreis Goslar bereits am Sonntag den Unterricht abgesagt und die Schülerbeförderung eingestellt. Außerdem ließen die Kreiswirtschaftsbetriebe für Montag die Müllabfuhr ausfallen.

Aufgrund einer amtlichen Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes ließ der Landkreis an allen allgemein- und berufsbildenden Schulen im Landkreis Goslar den Präsenzunterricht ausfallen. „Die Entscheidung, in digitale Unterrichtsmodelle zu wechseln, obliegt den jeweiligen Schulen“, hatte es mit Hinweis auf die möglichen Gefahren in der Schülerbeförderung in der entsprechenden Mitteilung geheißen. Ob und wie die Schulen von der Möglichkeit Gebrauch machten, ihre Schüler im Homeoffice weiter zu unterrichten, konnte Landkreissprecher Maximilian Strache gestern jedoch nicht sagen.

Die Ankündigung warf bei einigen Eltern die Frage auf, ob es trotzdem eine Betreuung der Kinder in der Schule geben würde. Eigentlich sei das keine Verpflichtung, machte Sandra Keiber, Schulleiterin der Grundschule Worthschule, vorsorglich in einer Rundmail an die Eltern deutlich. „Bei einem witterungsbedingten Schulausfall sind in Niedersachsen laut Erlass keine Notgruppen (wie zu Coronazeiten) vorgesehen, da ein gesicherter Schulweg nicht gewährleistet ist und die Schülerbeförderung nicht stattfindet“, schrieb sie. „Diese Entscheidung trifft der Landkreis als Träger der Schülerbeförderung in Absprache mit dem eingesetzten Nahverkehr. Lediglich ein ‚Notempfang‘ am Morgen für Kinder, die die Nachricht des Ausfalls nicht rechtzeitig erreicht hat, ist gewährleistet, bis diese schnellstmöglich wieder abgeholt werden.“

Vor verschlossenen Türen würde aber kein Kind stehen müssen, betonte sie. „Natürlich sind wir vor Ort. Allerdings gibt es keine Notgruppen, für die Eltern ihre Kinder anmelden können und die in einem zeitlich festgelegten Rahmen stattfinden. Kinder, die aufgrund der Witterung trotzdem kommen, werden so lange betreut, bis wir die Eltern erreicht haben und diese ihr Kind wieder abholen.“

Dies sei aber dann doch gar nicht nötig gewesen, wie Keiber auf spätere Nachfrage der GZ berichtete. Einige Lehrer seien zwar vor Ort gewesen, doch Schülerinnen und Schüler seien nicht zur Schule gekommen. Vor allem hätte ihr am Herzen gelegen, dass die Lehrer, die eine weitere Anfahrt zur Schule hatten, an diesem Tag zu Hause blieben.

Eltern äußern Unverständnis

Wenig Verständnis für den kreisweiten Schulausfall zeigte dagegen eine Gruppe von Eltern aus Clausthal-Zellerfeld. In einem gemeinsamen Schreiben, das von Brigitta Braun versandt wurde, werden die Maßnahmen des Landkreises als übertrieben dargestellt, immerhin sei ein solches Wetter „für den Winter im Oberharz keine Seltenheit“. In dem Schreiben heißt es: „Anscheinend kann man bei winterüblichen Witterungsbedingungen in Deutschland keinen regulären Schulbetrieb mehr aufrechterhalten. Es mag in anderen Landesteilen etwas mehr Schnee gegeben haben und auch wirkliche Verkehrsbehinderungen. Aber pauschal für alle Schulen im gesamten Bundesland beziehungsweise im Landkreis den Unterricht ausfallen zu lassen, ist nicht zielführend. Dafür ist Niedersachsen und auch der Landkreis Goslar in sich geographisch und meteorologisch zu vielfältig.“

Keine Angst vor dem Wetter

Die Gruppe fragt, warum die Entscheidung, die Kinder zur Schule zu schicken oder nicht, nicht den Eltern überlassen wird. Diese Einstellung, „bei dem kleinsten Anzeichen von Widrigkeiten nicht zur Schule gehen zu müssen“, vermittele den Kindern die Botschaft, Schule sei nicht so wichtig, und würde ihnen Angst vor dem Wetter und der Natur machen. „Zu erfahren, dass man auch unter widrigen Umständen seine Pflicht erfüllt und dass man Herausforderungen meistern kann, stärkt das Selbstbewusstsein und ist eine Grundlage für eine resiliente Gesellschaft“, schreiben die Eltern. „Wir befürchten, dass in Zukunft bei harten Wintern, die noch vor einigen Jahren völlig normal gewesen wären, Schulschließungen an der Tagesordnung sind.“

Schulbus-Linie gestrichen

Komplett gestrichen waren gestern die Fahrten der Goslarer Stadtbus-Linie 805: Die Schulbuslinie fährt vom Goslarer Bahnhof über die Wachtelpforte weiter in die Baßgeige zum Schulzentrum. Abgesehen davon seien die Goslarer Stadtbusse aber ohne Ausfälle durch das Wochenende und den Montag gekommen, versichert Geschäftsführerin Anne Sagner. „Wir hatten nahezu keine Verspätungen“, sagt die Stadtbus-Chefin.

Für die Kindergärten im Kreisgebiet lag die Entscheidung bei den jeweiligen Trägern. „Wir haben die Entscheidung für die städtischen Kindergärten den Kitaleitungen vor Ort überlassen“, sagt Daniela Siegl, Pressesprecherin der Stadt Goslar.

Müll bleibt stehen

Abgesagt haben die Kreiswirtschaftsbetriebe (KWB) gestern auch die Müllabfuhr: „Aufgrund der aktuellen Wetterlage und der Vorhersage von gefrierendem Regen kann die Müllabfuhr heute nicht durchgeführt werden“, teilte das Unternehmen mit. „Die Restabfallentsorgung sowie die Sammlung der Weihnachtsbäume werden am Samstag, 17. Januar, nachgeholt. Die Sammlung der Biotonnen, Gelben Tonnen und Blauen Tonnen entfällt ersatzlos.“

Thomas Ebert, Betriebsleiter der KWB, machte deutlich: „Die Sicherheit unserer Beschäftigten hat für uns oberste Priorität. Diese ist bei den aktuellen Wetterbedingungen und schwierigen Straßenverhältnissen nicht gegeben. Daher ist dieser Schritt für uns leider notwendig. Wir bitten alle Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Goslar um Verständnis.“

Wohin mit dem Müll, wenn die Mülleimer überquellen? Laut Auskunft der KWB können die Bürger ihren Müll für die Gelbe Tonne einfach in durchsichtige Säcke packen und bei der nächsten Abfuhr neben die Tonne stellen – oder ihn kostenfrei zur Abfallentsorgungsanlage „Im Heiligenholze“ bringen. Papiermüll und Kartons können auch zu den Depotbehältern für Papier gebracht werden, wenn die nächste Abholung erst später erfolgt.

Bereits am Vormittag setzte gestern im Landkreis Goslar das Tauwetter ein. Für die kommenden Tage werden Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt erwartet, sodass mit einem weiteren Schulausfall wegen Glatteis vorerst nicht zu rechnen ist.

Eis und Schnee: Vor allem die Straßen in den kleineren Orten blieben auch gestern noch weiß.

Eis und Schnee: Vor allem die Straßen in den kleineren Orten blieben auch gestern noch weiß. Foto: Epping

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