Goslars Mönchehaus wird innen und außen aufgefrischt
Frühlingsfrisch war es am Samstag, als einige Ehrenamtliche trotz widriger Wetterbedingungen Frühjahrsputz im Skulpturengarten des Kunstmuseums machten. Foto: Kempfer
Es kommt wieder Licht ins und aus dem Mönchehaus: Die Öffnung der Fenster ist Teil des Umbaukonzepts, das derzeit in Goslars Kunstmuseum umgesetzt wird.
Goslar. Was tut sich hinter den Mauern des Mönchehaus-Museums? Schon zum Neujahrsempfang kündigte Direktorin Miriam Bettin eine mehrwöchige Umbaupause an – seit zwei Wochen ist das Haus geschlossen. Am Wochenende trotzten Ehrenamtliche dem widrigen Wetter und gönnten dem Garten einen Frühjahrsputz – aber auch im Innern des Museums für moderne Kunst sieht einiges schon ganz anders aus.
Der geplante „Umbau“ ist allerdings nicht mit großem Mitteleinsatz verbunden, stellt Miriam Bettin beim kleinen Exklusiv-Rundgang gleich klar. Was sich hier tut, bleibe alles „im Rahmen der Ausstellungsbudgets für das laufende Jahr“ – der Rest sind „Wünsche“. Bettin spricht von „Ressourcen nutzen“, „Nachhaltigkeit“ und „Kosteneffizienz“ – keine Frage, die Lektion „Wirtschaftlichkeit“ im Goslarer Kunstbetrieb hat sie schon gelernt.
Die Idee hinter dem „Frühlingsputz XXL“ für innen: Bettin will die Aufenthaltsqualität im Mönchehaus verbessern und das Haus stärker nach außen öffnen. Auch ganz praktisch gesehen: So wird in den oberen beiden Ausstellungsetagen nicht nur der Holzfußboden mehrmals abgeschliffen, sondern auch die nachträglich eingezogenen Wände werden wieder zurückgebaut und die Fenster geöffnet. Das Ergebnis sind lichtdurchflutete Etagen, die wesentlich größer wirken, in denen das Fachwerk als gliederndes Element stärker zur Geltung kommt, in denen es aber auch wieder Dachschrägen gibt – und damit weniger (bis beinahe gar keine) Möglichkeiten, Bilder zu hängen.
Der Boden ist geschliffen und die begrenzenden Wände sind weg: Plötzlich wirkt das 3. Obergeschoss im Mönchehaus riesig. Von dort aus führt die Treppe nur noch auf die beiden Dachböden. Foto: Kempfer

Die bislang verborgenen Fenster wurden wieder geöffnet und geben reizvolle Blicke auf die Altstadt frei. Foto: Kempfer
Wände weggenommen
Während im Ausstellungsflügel des Erdgeschosses alles für die große Einzelschau von Frances Scholz (Eröffnung: 18. April) frisch gestrichen wird, irritiert die Größe der Däle. Miriam Bettin lacht; tatsächlich fällt es nicht unbedingt sofort auf, aber tatsächlich gibt es dort jetzt einen Raum weniger. Der Platz, den die Videopräsentation einnahm, ist der Däle zugeschlagen worden – kein Wunder also, dass auch hier alles wieder luftiger und großzügiger wirkt, zumal auch dort zwei verborgene Fenster zur Straße hin wieder geöffnet wurden. Die Christian-Boltanski-Schuhe, eine beliebte Installation eines Kaiserringträgers, wurden eingelagert, die Galerie der Kaiserringträger selbst musste weichen – für sie soll ein neuer Platz im Häuserensemble gesucht werden.
Bettin will die Däle als Aufenthaltsraum stärken, dort Archivmaterial zugänglich machen, eine Kaffeeecke einrichten; der Traum von einem Museumscafé, den schon Direktorin Dr. Bettina Ruhrberg träumte, bleibt vorerst ein Traum.
Brücke zwischen Zeiten
Eine „Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart“ bauen, das steht als Headline über dem Umbau – und so stand es auch schon auf einem Infoblatt des Mönchehauses in den 1980er Jahren. „Man muss nicht alles neu machen, man muss es nur neu sortieren“, erklärt Miriam Bettin, die alles auf den Prüfstein stellt: „Aber im positiven Sinne“, betont die junge Direktorin. Bestandsaufnahme, Modifizieren, Transformieren – einige der Arbeitsschritte, in deren Zuge auch der alte Tresen (ein neuer steht auf der Wunschliste) mit dem Kassenbereich wieder an eine andere, aus alten Zeiten vertraute Stelle rückt.
Der „Shop“ des Museums wurde von Sitzgelegenheiten befreit, wirkt größer und einladend. Foto: Kempfer
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Skulpturengarten als Zentrum
Dem Umbau liegt ein architektonisches Konzept zugrunde, für das die Mönchehaus-Direktorin Grafikdesigner und Architekten hinzugezogen hat. Die Neugestaltung der Ausstellungsräume wird von Lennart Wolff und Nwakuso Ndozien begleitet, die das Haus bereits beim Neujahrsempfang auf sich wirken ließen.
Die an der Umbauplanung beteiligten Architekten Lennart Wolff und Nwakuso Ndozien machten sich beim Neujahrsempfang des Vereins zur Förderung moderner Kunst einen Eindruck vom Mönchehaus. Foto: Zietz
Den Ehrenamtlichen, die am Samstag zur Pflanzaktion erschienen, ging es allerdings erst mal um ganz Praktisches. Bäume wurden geschnitten, Wiese, Wege und Beete vom Laub befreit, Stiefmütterchen gepflanzt – damit Ostern alles wieder schön aussieht, betonten Frauke Wagner und Beate Rotermund, die gleich eine Aktion des Lions-Clubs Bad Harzburg Walburga draus machten. Schließlich seien die Haustechniker momentan beim Innenumbau im Einsatz, erklärte Elisabeth Keese. Eine zweite Gartenaktion soll nach den Eisheiligen folgen – dann vielleicht mit mehr Freiwilligen, hoffen alle.
Das Osterprogramm
Zwar bleibt das Mönchehaus bis 17. April geschlossen, über die Osterfeiertage wird allerdings eine Ausnahme gemacht. Der Garten und das Atelier für alle öffnen von morgen, Dienstag, an bis zum 6. April einschließlich Karfreitag, Karsamstag, Ostersonntag und Ostermontag. Barbara Tidow führt an mehreren Terminen durch den Skulpturen-Garten: Gründonnerstag um 12 Uhr, Ostersonntag um 15 Uhr und Ostermontag um 11.30 Uhr. Am Karsamstag, 4. April, wird um 17 Uhr zum Music-meets-Art-Konzert „Vive la France“ eingeladen – es gibt noch Karten.
Über das Osterwochenende entsteht im Garten des Museums eine „partizipative Installation“: Der Goslarer Tim Steckel bietet am Samstag von 14 bis 16 Uhr einen Kompost-Workshop an. Im Zentrum steht eine temporäre, lebendige Skulptur aus organischen Materialien, Wasser, Luft und Mikroorganismen – passend zum Themenkomplex Ökologie, Industrie, Natur und Bergbau, der das Jahr 2026 im Mönchehaus prägt.
Am Ostersonntag lädt Steckel ebenfalls von 14 bis 16 Uhr zu mikroskopischen Einblicken ins Atelier für alle ein. Über ein Mikroskop, das über eine Kamera an einen Monitor angeschlossen ist, wird das Bodenleben sichtbar gemacht. Besucher sind eingeladen, eine kleine Kompostprobe aus dem eigenen Garten zur Untersuchung mitzubringen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, alle sind eingeladen.
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