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Präventionsrat findet Sponsor

GZ Plus IconMentoren-Programm „Balu und Du“ unterstützt Goslarer Grundschüler

Ein sitzender Bär biegt einen Baumstamm nach unten, damit ein Junge sich aus der Krone eine Banane pflücken kann. Beide sind umgeben von Dschungelpflanzen.

Ein großer Freund, mit dem man zusammen viel Spaß haben und etwas über das Leben lernen kann: Bär Balu wird in Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“ Mentor des Menschenkinds Mogli. Hier eine Szene aus dem gleichnamigen Disney-Film. Die Freundschaft zwischen dem Kind und dem Bären ist das Vorbild für das Projekt „Balu und du“, das nun auch in Goslar starten soll. Foto: picture-alliance/ dpa

Nicht jeder Schüler hat reiche und gebildete Eltern. Aber jeder sollte die gleichen Startchancen haben, sagt der Goslarer Präventionsrat. Starthilfe soll „Balu“ leisten.

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Von Petra Hartmann
Samstag, 21.02.2026, 13:00 Uhr

Goslar. „Balu und Du“ heißt ein bundesweites Programm, das der Kommunale Präventionsrat nun auch in Goslar einführen möchte. Es geht um eine Förderung von Jungen und Mädchen, denen ein Jugendlicher oder junger Erwachsener als Mentor an die Seite gestellt wird. Eben wie der Bär Balu in Rudyard Kiplings „Dschungelbuch“, der dem Menschenkind Mogli beim Überleben im Urwald mit Rat und Tat zur Seite steht. Und das nicht nur mit „Gemütlichkeit“.

Dr. Christine Maria Rose, die Vorsitzende des Präventionsrats, hat sich für das Projekt stark gemacht und kann schon einen ersten Erfolg melden: „Die Hassdorf-Stiftung hat ihre Unterstützung bereits zugesagt“, berichtet sie. Damit sei die Anschubfinanzierung gesichert. Die Summe, deren Höhe sie noch nicht nennen will, dient dazu, die künftigen „Balus“ zu schulen und zu begleiten. „Nun möchten wir in Goslar gern weitere engagierte Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewinnen, um das Projekt auf eine breite Basis zu stellen.“, sagt Rose. Wer helfen möchte, kann sich unter KPR@goslar.de melden.

Chancengleichheit für alle Kinder

Worum geht es genau? „Dieses Programm soll Kindern mit geringen Ressourcen durch Mentoring und gezielte Unterstützung neue Entwicklungschancen eröffnen“, sagt Rose. Der spätere Bildungserfolg von Kindern ist schon in der Grundschulzeit stark von der sozialen Herkunft und dem Bildungsstatus der Eltern abhängig. Hier will „Balu und Du“ gegensteuern und die Chancenungleichheit abfedern, indem es den sechs- bis zehnjährigen Schülern und Schülerinnen einen jungen Menschen an die Seite stellt – eine niedrigschwellige 1:1-Betreuung für informelles Lernen, aber auch einfach nur, um etwas gemeinsam zu unternehmen. Die Mentoren sind im Alter zwischen 17 und 30 Jahren und meistens Schüler oder Studenten.

Ein Jahr lang sollen Balu und Mogli einmal wöchentlich für einige Stunden zusammen sein. Vielleicht einen Ausflug machen, Sport, zusammen spielen oder lesen, über Probleme reden, über die man mit Eltern und Lehrern vielleicht nicht so gut sprechen kann. Das Kind soll dadurch neues Wissen und neue Fähigkeiten erwerben, in seiner Entwicklung gefördert werden, individuelle Zugewandtheit erfahren. Das Ziel: eine verbesserte Resilienz, eine Stärkung der Persönlichkeit und eine Förderung sozialer Kompetenzen, was auch einer Neigung zu Gewalttätigkeiten im Jugendalter vorbeugen soll. Also ein klassisches Thema für den Präventionsrat.

Mit Empathie und Sozialkompetenz

Auch für die Mentoren soll das Programm sich durchaus positiv auswirken. Sie können ihre sozialen Fähigkeiten trainieren und lernen etwas über andere Lebenswirklichkeiten. Sie verbessern sich dadurch in den Bereichen Empathie, Konfliktlösungsbereitschaft und Kommunikation. Nach Abschluss des Projekts gibt es Urkunden für Balu und Mogli, und für die gemeinsamen Aktivitäten ist auch ein kleines Taschengeld vorgesehen.

Das bundesweite Programm „Balu und Du“ gibt es inzwischen schon seit über 20 Jahren. Der zugehörige Verein wurde im Jahr 2005 gegründet. Aktuell wird das Konzept laut Vereinshomepage an 216 Standorten umgesetzt. 2081 „Tandems“ aus Mentoren und Mentees fanden zusammen.

„Balu und Du“ läuft in 15 Bundesländern. Außerdem gibt es Partnerprojekte in Österreich, Luxemburg und der Schweiz.

Inzwischen wurde das Projekt mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Förderpreis Kriminalprävention der Stiftung Kriminalprävention, dem Kiwanis-Förderpreis im Land Bremen, es erhielt den Hauptpreis des Fördervereins der Wirtschaftsjunioren Osnabrück und wurde ausgezeichnet beim bundesweiten Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ und beim Fairness Award 2008 des Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur in Österreich.

Vorstellung am Mittwoch

Rose will das Programm auf der nächsten Sitzung des Kommunalen Präventionsrates vorstellen. Die Runde trifft sich am Mittwoch, 4. März, in der Goslarer Feuerwache. Beginn ist um 17 Uhr.

Auch zur nächsten Vollversammlung des Sozialpsychiatrischen Verbundes haben die Organisatoren ein in diesen Bereich passendes Schwerpunktthema gewählt, kündigt Rose an. Am Mittwoch, 18 März, wird die Veranstaltung für eine breitere Öffentlichkeit geöffnet, „da wir eine außergewöhnlich interessante Gastdozentin gewinnen konnten“. Prof. Dr. Hannelore Ehrenreich, Neurowissenschaftlerin aus Göttingen, wird einen Vortrag darüber halten, wie sich Lebensereignisse und belastende Umweltbedingungen, die ein Mensch in seiner Jugend erfährt, auf die weitere Entwicklung eines Menschen auswirkt. „Insbesondere im Hinblick auf psychische Gesundheit, Suchtverhalten und auch kriminelle Karrieren.

Gerade für Menschen, die an der Basis sozialpsychiatrischer Arbeit tätig sind oder die Rahmenbedingungen dieser Arbeit gestalten, ist es von großer Bedeutung, aus solchen Forschungserkenntnissen Motivation und praktische Konsequenzen für den Alltag zu ziehen“, sagt Rose. Der genaue Titel des Vortrags steht noch nicht fest. Weitere Informationen sollen folgen.

Mehr über das Projekt „Balu und Du“ gibt es im Internet unter www.balu-und-du.de.

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