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Martin Ksink tritt an

GZ Plus IconFDP nominiert bekanntes Gesicht zur Clausthaler Bürgermeisterwahl

Martin Ksink will für die FDP als Bürgermeisterkandidat in Clausthal-Zellerfeld antreten. Jetzt ist er offiziell aufgestellt.

Martin Ksink, der Leiter des Clausthaler Bergschulchors, tritt für die FDP als Bürgermeisterkandidat an. Ob er seine Stimmgewalt im Rathaus nutzen kann, bleibt offen. Foto: Privat

Martin Ksink, der Leiter des Clausthaler Bergschulchors, tritt für die FDP als Bürgermeisterkandidat an. Ob er seine Stimmgewalt im Rathaus nutzen kann, bleibt offen.

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Von Corinna Knoke
Donnerstag, 12.02.2026, 14:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Jetzt ist es offiziell: Martin Ksink geht für die FDP ins Rennen um das Bürgermeisteramt. Auf der Wahlkreismitgliederversammlung im Vereinsheim „Querschlag“ in Clausthal-Zellerfeld wählten ihn die Mitglieder einstimmig zu ihrem Kandidaten. Bereits vor einigen Wochen hatte der 44-Jährige sein Interesse bekundet, nun ist die Nominierung formell beschlossen.

Ksink wurde in Bad Saarow-Pieskow in Brandenburg geboren und wuchs in Fürstenwalde/Spree auf. Seit 2001 lebt er in Clausthal-Zellerfeld, beruflich ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Clausthaler Verfahrens- und Energietechnik GmbH tätig. Mitglied der FDP ist er seit 2003. Seit 2015 sitzt er für die Liberalen im Rat der Berg- und Universitätsstadt, bald zehn Jahre gehört er dem Kreistag in Goslar an. In der aktuellen Ratsperiode ist der Ortsverbandsvorsitzende innerhalb seiner Fraktion übrigens das einzig verbliebene FDP-Mitglied.

Mitglied in vielen Vereinen

Über die Politik hinaus ist Ksink im Oberharz vielfach engagiert. Seit fast elf Jahren leitet er den Chor der Berg- und Hüttenschule Clausthal, zudem steht er seit 2017 der Sängerriege des TuS Clausthal-Zellerfeld vor. Als Moderator der Harzer Tzscherper führt er einmal im Jahr durch den Abend, mahnt mit kräftigem „Silentium“ zur Ruhe und beschließt das Fest mit dem Clausthaler Mitternachtsschrei. Bei der Schützengesellschaft Buntenbock ist er aktuell gewählter Junggesellenhauptmann. „Durch meine Vereinsarbeit kennen mich ja doch ein paar Leute“, sagt er gegenüber der GZ. Damit erklärt er auch, warum er sich Chancen ausrechnet, nach der Kommunalwahl im September auf dem Chefsessel im Rathaus zu sitzen. Sonst würde er erst überhaupt nicht antreten.

Als Bürgermeister wolle Ksink den Blick stärker auf das „große Ganze“ richten. Er kritisiert, dass in der täglichen Ratsarbeit zu häufig über kleinere Verwaltungsvorlagen diskutiert werde. Dabei gerieten strategische Fragen aus dem Fokus. Ein zentrales Anliegen ist für ihn die Ausweisung von Baugrundstücken. Es sei nicht hinnehmbar, dass Menschen, die in Clausthal-Zellerfeld arbeiten, mangels verfügbarer Flächen nicht vor Ort wohnen könnten.

Eine Zukunft für Existenzgründer

Ähnlichen Handlungsbedarf sieht der Liberale bei Gewerbeflächen. Als Beispiel nennt er das Unternehmen MAC Frischkorn, das auf die Optimierung und den Vertrieb von Titan- und Aluminiumlegierungen spezialisiert ist. Im Gründungszentrum Clausthal-Zellerfeld startete die Firma, musste die gemieteten Räume jedoch im vorigen Jahr aus Platzmangel in Richtung Gifhorn verlassen. Das bedauert Ksink sehr. Existenzgründer, die unternehmerische Risiken eingingen und innovative Ideen entwickelten, müssten um jeden Preis im Oberharz gehalten werden oder zumindest im Landkreis Goslar.

Mit Blick auf die schrittweise verpflichtende Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ab dem kommenden Schuljahr warnt Ksink vor großen Herausforderungen. „Wir können die Schulen dabei nicht allein lassen“, betont er. Die Stadt müsse insgesamt für alle Generationen attraktiv sein.

Gerade im Bereich der Seniorenbetreuung sieht Ksink Entwicklungsbedarf. Durch seine Rolle als Chorleiter habe er viel Kontakt zur älteren Generation. Immer wieder erlebe er dort, dass Senioren ihre vertraute Umgebung verlassen müssten, weil es vor Ort nicht genug Pflegeplätze gebe. Leerstände, auch größerer Gebäude, böten Potenzial. Eigentümer und Investoren müssten besser vernetzt werden, betont der 44-Jährige. Im ehemaligen DRK-Altenheim erkennt er etwa solche Chancen. Und sollte dieses Gebäude zu klein sein, könne auch ein Modell mit mehreren Standorten in Betracht gezogen werden. Der FDP-Bürgermeisterkandidat schlägt vor, womöglich leerstehende TU-Institute einzubeziehen.

Städtische Finanzen im Blick

Zugleich sprach sich Ksink in der Aufstellungsversammlung dafür aus, die gewachsenen gesellschaftlichen Strukturen im Oberharz zu stärken. Vereine, Verbände und ehrenamtliche Initiativen seien tragende Säulen des Gemeinwesens. Angesichts des demografischen Wandels brauche es gezielte Information und Unterstützung, um diese Strukturen langfristig zu sichern.

Auch die städtischen Finanzen hat der FDP-Kandidat im Blick. Ihm sei bewusst, dass Clausthal-Zellerfeld bei vielen Investitionen faktisch die „Hände gebunden“ seien, nicht zuletzt wegen der angespannten Haushaltslage und enger Vorgaben. Dennoch warnt er davor, sich allein auf das Sparen zu konzentrieren. Ein reiner Konsolidierungskurs reiche nicht aus, um die Stadt zukunftsfähig zu machen.

Kommentar: Reicht Stimmgewalt fürs Rathaus?

Eine Bürgermeisterwahl ist am Ende immer eine Personenwahl. Bundespolitische Trends spielen zwar eine Rolle, ausschlaggebend ist jedoch, wen die Menschen vor Ort für geeignet halten. In Clausthal-Zellerfeld erreichte die FDP bei der Stadtratswahl 2021 immerhin fast elf Prozent der Stimmen – ein Ergebnis, das sich sehen lassen konnte und nicht allzu weit hinter der damals schwächelnden CDU lag.

Corinna Knoke

Corinna Knoke Foto: GZ-Archiv

Mit Martin Ksink setzt die FDP nun auf ein bekanntes Gesicht. Sein ehrenamtliches Engagement von Kellerclub bis Bergschulchor verschafft ihm bei Jung und Alt eine Sichtbarkeit, die über Parteigrenzen hinausreicht. Der 44-Jährige ist präsent, ansprechbar und seit Jahren fester Bestandteil des öffentlichen Lebens. Das kann in einer Stadt, in der persönliche Begegnungen oft mehr zählen als Parteiprogramme, ein Vorteil sein. Ksink bringt zudem kommunalpolitische Erfahrung aus Rat und Kreistag mit. Mit seinen ersten Wahlkampfthemen erfindet er allerdings das Rad nicht neu. Mehr Baugebiete, mehr Gewerbeflächen, mehr Entwicklung stehen seit Jahren auf vielen Wunschzetteln. Entscheidend wird sein, ob er den Wählerinnen und Wählern erklären kann, warum es diesmal anders laufen soll als bislang.

Seine Stimmgewalt dürfte ihm als Bürgermeister nicht schaden. Wer beim Tzscherper einen ganzen Saal zur Ruhe bringt, sollte auch in der Stadthalle bestehen, wenn die Mikrofonanlage wieder einmal streikt. Wie stimmgewaltig Ksink im Ringen um den Chefsessel im Rathaus abschneidet, wird sich erst im September zeigen. Mit seiner Nominierung wird das Bewerberfeld aber noch einmal breiter. Markus Finck tritt für die SPD an, Wolfram Haeseler für die Grünen und Erik Hippauf für die Wählergemeinschaft Bürger für Bürger. Die CDU bleibt nach wie vor in Deckung. Sicher ist: Der Wahlkampf nimmt Fahrt auf und bietet mittlerweile eine echte Auswahl, auch wenn immer noch die weibliche Note in der Kandidatenriege fehlt...

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