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Architektin klärt auf

GZ Plus IconSanierung zeigt verborgene Brandschäden an Clausthaler Marktkirche

Die Clausthaler Marktkirche ist an der Ostseite eingerüstet und mit einem Netz umspannt. So sind die Arbeiten auch von Weitem unübersehbar.

Die Clausthaler Marktkirche ist an der Ostseite eingerüstet und mit einem Netz umspannt. So sind die Arbeiten auch von Weitem unübersehbar. Foto: Neuendorf

Die Arbeiten an der Clausthaler Marktkirche laufen wieder. Eine Architektin erklärt, warum das Ausmaß der Brandschäden erst nach und nach sichtbar wird.

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Von Corinna Knoke
Mittwoch, 04.03.2026, 04:00 Uhr

Clausthal-Zellerfeld. Der Frost hat die Arbeiten monatelang ausgebremst, jetzt geht es an der Clausthaler Marktkirche weiter. An der Ostseite arbeiten Fachleute daran, das im Juli 2025 durch das Feuer beschädigte Fachwerk Schritt für Schritt zu sichern und zu sanieren. Architektin Cornelia Roeder vom Ingenieurbüro Götz und Ilsemann aus Hildesheim begleitet das Projekt und erläutert gegenüber der GZ, warum die Instandsetzung so aufwendig ist.

Die Ostseite an Deutschlands größter Holzkirche ist eingerüstet und mit einem hellen Schutznetz verhüllt. Dieses auffällige Gewand macht die Baustelle auch für Vorbeigehende unübersehbar. Für die Arbeiten sind zwei Mitarbeiter der Zimmerei Mönig Bau aus Katlenburg-Lindau im Einsatz. Die Firma kenne das Gebäude gut, sagt Roeder, sie habe bereits die Außensanierung im Jahr 2010 betreut.

Harzer Holz ersetzt verkohlte Balken

Stück für Stück öffnen die beiden derzeit die Fassade. Mit jedem freigelegten Abschnitt zeigt sich immer mehr, wie stark das Feuer die Holzkonstruktion in Mitleidenschaft gezogen hat – auch wenn nach wie vor die Erleichterung überwiegt, dass die Feuerwehr einen noch größeren Schaden habe abwenden können. Bei den Arbeiten kommen laut Roeder durchaus „böse Überraschungen“ ans Licht, die bei früheren Bestandsaufnahmen nicht erkennbar waren.

Die Firma Mönnig Bau aus Katlenburg-Lindau kennt die Marktkirche gut, sie ist auch schon bei der Außensanierung vor einigen Jahren dabei gewesen.

Die Firma Mönnig Bau aus Katlenburg-Lindau kennt die Marktkirche gut; sie ist auch schon bei der Außensanierung vor einigen Jahren dabei gewesen. Foto: Neuendorf

So habe sich etwa gezeigt, dass im oberen Bereich mehr Nadelholz verbaut wurde. Dieses weichere Holz sei deutlich anfälliger für das Feuer gewesen als das widerstandsfähigere Eichenholz im unteren Bereich. In bis zu zwölf Metern Höhe tragen die Handwerker derzeit verkohlte Balken ab, legen sie frei und prüfen, welche Teile noch erhalten werden können. Denn jedes beschädigte Stück muss ersetzt werden, um die Statik von Deutschlands größter Holzkirche zu sichern, macht die Architektin deutlich. Entsprechend vorsichtig geht das Team auf dem Gerüst vor, um an dem Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung keine weiteren Schäden zu verursachen. Ein Teil des benötigten Holzes stammt aus dem Oberharzer Wald. Das Forstamt Clausthal hat dafür rund 40 etwa 100 Jahre alte Fichten aus dem Stadtwald bereitgestellt. Die ohnehin fällige Entnahme dient zugleich der Jungwaldpflege.

Aktuell klafft ein Loch in der östlichen Fassade der Kirche, das es nach und nach zu schließen gilt.

Aktuell klafft ein Loch in der östlichen Fassade der Kirche, das es nach und nach zu schließen gilt. Foto: Neuendorf

Wie hoch ist der Schaden?

Zwar ist bekannt, dass die Versicherung der Kirche für den Schaden aufkommt. Eine konkrete Schadenssumme gibt es jedoch weiterhin nicht. Für Laien mag das überraschend wirken, doch Roeder hält Zahlen im laufenden Prozess für unseriös. Erst wenn sämtliche Bereiche freigelegt seien, lasse sich der tatsächliche Umfang zuverlässig beurteilen. Das sei ein typisches Vorgehen bei komplexen Schäden an historischen Holzbauten. Auf GZ-Nachfrage hält sich die Diplom-Ingenieurin also weiterhin bei der Nennung irgendwelcher Zahlen zurück.

Diese Kostenunsicherheit wirkt sich laut Roeder auch auf den Zeitplan aus: Solange nicht feststeht, welche Arbeiten in welchem Umfang konkret nötig sind, bleiben genaue Prognosen zum Abschluss der Sanierung ebenso schwierig. Hinzu kommen witterungsbedingte Einschränkungen, denn für das Vermauern müssen die Temperaturen dauerhaft über fünf Grad Celsius liegen. Diese Bedingungen sind derzeit noch nicht gegeben. Roeder rechnet deshalb damit, dass dieser Arbeitsschritt frühestens im April oder Mai erfolgen kann.

Verkohlte Balken werden durch frisches Harzer Holz ersetzt, um die Statik der Kirche zu sichern.

Verkohlte Balken werden durch frisches Harzer Holz ersetzt, um die Statik der Kirche zu sichern. Foto: Neuendorf

Anschließend muss eine weitere Trocknungsphase abgewartet werden, bevor der blaue Anstrich aufgebracht werden kann. Ein hoffnungsvolles Ziel sei es, die Arbeiten an der Fassade bis zum Sommer abzuschließen. Danach soll die Innensanierung beginnen, bei der vor allem rußbelastete Bereiche aufgearbeitet werden müssen.

Beim Blick vom Gerüst aus werden die verkohlten Holzbalken an der Marktkirche sichtbar.

Beim Blick vom Gerüst aus werden die verkohlten Holzbalken an der Marktkirche sichtbar. Foto: Neuendorf

Feuerteufel-Prozess vor dem Landgericht

In der Nacht zum 20. Juli hatte die Ostseite der Marktkirche in Flammen gestanden. Das Feuer fraß sich vom Boden bis in den Dachstuhl. Ermittler gingen früh von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Noch in der Tatnacht nahmen die Beamten einen Mann aus Clausthal-Zellerfeld in unmittelbarer Nähe der Kirche fest, ließen ihn jedoch zunächst wieder frei.

Gegen den mehrfach vorbestraften 48-Jährigen wurde später Haftbefehl erlassen. Denn ihm wird auch eine weitere Brandstiftung an einem Wohnhaus am Dorotheer Zechenhaus vorgeworfen. Der Prozess vor dem Landgericht in Braunschweig läuft derzeit.

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