Fantasy aus dem Harz: Warum der „Gipfelbasilisk“ über Pilze schreibt
Der Altenauer Jan Beyer alias Gipfelbasilisk nutzt Fantasy-Romane für gesellschaftskritische Themen. Foto: Christian Dolle
Jan Beyer, auch bekannt als „Gipfelbasilisk“, schließt seine Romanreihe „Die Myzelchroniken“ ab. Er spricht über seinen Schreibprozess und Verbindungen zum Harz.
Altenau. Bis zum 28. Februar läuft die Vorbestellaktion für den dritten Band der Trilogie „Die Myzelchroniken“. Sie stammt aus der Feder von Jan Beyer aus Altenau, der unter dem Namen „Gipfelbasilisk“ veröffentlicht. „Weltenfall“ markiert den Abschluss einer Geschichte, die märchenhaft begann und bewusst immer dunkler wird. Und: Die ersten Kriegstrommeln nähern sich dem fiktiven Reich Zyamel.
Hintergründe zur Buchreihe
„Band eins ist die Emanzipation meiner Sporlinge in der Welt“, erklärt der 38-Jährige. Sporlinge sind die Hauptcharaktere. In Fantasy-Medien aus seiner Kindheit und Jugend kamen zwar oft Pilzwesen vor, aber „nur als Nebencharaktere“. Mit seiner Buchreihe wollte er ihnen das Rampenlicht geben, das sie aus seiner Sicht verdienen. „Es ist Fantasy mit Pilzen und darin verpackt auch sozialkritische Themen.“ Wer sich nicht mit den Naturwissenschaften auskennt, könne die Bücher trotzdem verstehen.
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Ursprünglich war die Geschichte nur als Einzelband geplant, „und Band eins hat auch eine in sich abgeschlossene Handlung.“ Doch unter der Oberfläche bildeten sich immer neue Vernetzungen. Am Ende entstand „zu viel Plot für ein Buch“. In Band zwei fordert ein magisches Portal die Sporlinge heraus, und die Stimmung wird düsterer. Band drei folgt dieser Entwicklung und verschmilzt stärker mit dem Genre Horror.

Das Cover für Band 3, designt von Juliana Fabula. Foto: Juliana Fabula
Der Basilisk zwischen Gipfeln
Jan Beyer arbeitet im Versandhandel und schreibt seine Bücher nebenbei, vor allem Fantasy. „Aber mein Herz schlägt auch sehr für Horror.“ Der Künstlername „Gipfelbasilisk“ entstand über den Zufallsgenerator einer Spielekonsole. „Ich spiele für mein Leben gern mit der Xbox 360“, erzählt er. Als er für ein Online-Spiel einen Benutzernamen suchte, erschienen die Worte Gipfel und Basilisk auf dem Bildschirm. Diesen Namen nutzte er auch für Twitch, eine Internetplattform für Live-Übertragungen, und später dann bei seinen Büchern. „Gipfel passt auch zum Harz. Basilisk passt zu Fantasy und Horror“, sagt er heute. Das Fabelwesen stammt aus dem Mittelalter, besteht aus mehreren Tieren und symbolisiert oft den Tod.
Bis heute lebt und arbeitet er in Altenau. Sein persönlicher Bezug zur Region reicht zurück bis 2011. „Mein Mann hatte hier schon das Haus und es war klar: Ich komme hierher.“ Beyer wuchs in Langenhagen bei Hannover auf, inmitten von Flugzeugen, „die ständig übers Dach brettern“. Für ihn ist der Harz inzwischen ein „absoluter Ruheort“ geworden. Diese Eindrücke fließen in seine Bücher ein.
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„Mich fasziniert Biologie und Mykologie“, sagt Jan Beyer. Mykologie ist die Wissenschaft der Pilze. Über die konnte er „den Harz nochmal neu entdecken.“ Jan Beyer ist kein Biologe. Er hat aber wissenschaftliche Bücher gelesen, um sie für seine Trilogie anzuwenden. Beim Wandern im Harz fiel ihm die Vielfalt immer stärker auf. „Da wird einem erst mal bewusst, wie sehr wir von den Pilzen abhängig sind.“ Er nennt Beispiele aus Medizin und Natur. „Penicillin ist ja auch aus einem Pilz gemacht.“ Auch die fiktive Welt Zyamel trägt Spuren der Region. Das Dorf seiner Hauptfiguren liegt unter einem Felsmassiv. Auch der Goslarer Rammelsberg inspirierte ihn, denn „90 Prozent des Buches spielt unter der Erde“.
Emotion, Horror und Gesellschaftskritik
Inhaltlich richtet sich die Trilogie an Jugendliche und Erwachsene. „Band eins geht ab 14 los. Das ist noch sehr märchenhaft“, erklärt er. In Band zwei wird es, „gerade, was die Gewalt angeht, intensiver“. Deswegen empfiehlt er das Buch ab 16. Der dritte Teil sorgte für Diskussionen im Lektorat. „Wir haben tatsächlich überlegt, ob wir das mit ‚ab 18‘ kennzeichnen.“ Auch wenn der Krieg mit Schwertern anstatt Maschinengewehren ausgetragen wird, sind einige brutale Elemente vorhanden. Für Bücher gibt es keine Altersbeschränkungen, nur Empfehlungen. Für das neue Buch liegt die jetzt bei 16 Jahren.
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Das Kriegsthema hat für den Autor ein besonderes Gewicht. „Mit Band drei habe ich angefangen, als der Ukraine-Krieg begonnen hat.“ Der Plot sei jedoch von Anfang an auf ein Kriegsthema zugelaufen. Wichtig war ihm aber, die Kämpfe nicht zu glorifizieren. Themen wie Trauer und Trauma spielen ergänzend eine Rolle. „Trauer ist nichts, was man einfach wegwischen kann. Sie kommt immer wieder auf, oftmals unerwartet.“
Die richtigen Worte für so eine Geschichte zu finden, war nicht immer leicht. „Ich schreibe sehr schnell. Das wird im Lektorat am meisten kritisiert.“ Um Dinge beim Namen zu nennen, beispielsweise in Kampfszenen, sei das hilfreich. Aber andere Szenen leben von Ruhe, Details und Emotionalität.
Vom Schlusskapitel zum Neuanfang
Für den letzten Band seiner Trilogie verfasste Jan Beyer bewusst mehrere Enden. „Am Ende der Hauptgeschichte kommen drei schwarze Seiten. Das ist mein Ende“, erklärt er. Und es sei kein allzu positives. Trotzdem wollte er Hoffnungselemente einbringen, wodurch alternative Enden entstanden. „Pilze können uns helfen. Deswegen gibt es noch eine Kurzgeschichte, die ein helleres Licht auf die Reihe wirft.“
Für die Trilogie selbst zieht der „Gipfelbasilisk“ eine klare Grenze: „Nach Band drei ist definitiv Schluss.“ Stattdessen möchte er neue Geschichten erzählen. „Mein nächstes Projekt, an dem ich demnächst den finalen Entwurf schreibe, ist eine Horrorgeschichte. Die spielt auch hier im Harz.“
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