Goslarer Betriebshof weicht in die Baßgeige aus
„Wir sind umgezogen“: Seit 2023 hat die Firma Pachel die Adresse gewechselt. Der alte Standort an der Langen Wanne steht leer. Foto: Heine
Der Plan ist geheim und wird aktuell hinter verschlossenen Türen beraten: Die Stadt will ein Areal in der Baßgeige kaufen – als Ausweichort für den Betriebshof und später als Dauerlösung für den Bevölkerungsschutz. Die GZ verrät, wo das ist.
Goslar. Ein Gelände für zwei Lösungen: Das alte Betriebsgelände der Firma Pachel an der Langen Wanne in der Goslarer Baßgeige will die Stadt zunächst als Ausweichstandort nutzen, wenn endlich der abrissreife Betriebshof an der Immenröder Straße saniert wird. Ab dem Jahr 2028 sollen dort schließlich auf Dauer Gerätschaften gelagert werden, die dem Schutz der Bevölkerung insbesondere vor Hochwasser dienen und gegenwärtig in zwei Hallen und auf einer Außenfläche in Vienenburg untergebracht sind.
Aktuell ist ein Vorschlag der Verwaltung im geheimen Beratungsgang, der einen Kauf des Areals vorsieht. In einem Exposé bietet die Firma Realkapital Mittelstand mit Sitz am Braunschweiger Eiermarkt das rund 3500 Quadratmeter große Grundstück mit einer Lagerkapazität von rund 1300 Quadratmetern für einen Preis von 750.000 Euro an – zuzüglich Baunebenkosten.
Keine Stellungnahmen
Hinter der Realkapital verbirgt sich eine Beteiligungsgesellschaft aus der Löwenstadt. Sie hat sich auf kleine und mittlere Betriebe spezialisiert und 2018 zusammen und je zur Hälfte mit Kraftfahrzeugtechniker-Meister und Geschäftsführer Arne Bosse den Karosserie- und Fahrzeug-Baubetrieb von Inhaber Gerd Pachel übernommen. Stellungnahmen zum beabsichtigten Deal waren weder aus dem Goslarer Rathaus noch von Bosse zu bekommen. Das verwundert nicht: Schließlich laufen die Beratungen in den politischen Gremien nicht öffentlich. Verwaltungsausschuss und der Betriebsausschuss des Goslarer Gebäudemanagements sind noch in dieser Woche anzuhören, bevor der Rat am 30. September kurz vor den Herbstferien endgültig entscheidet.
Das Schaubild zeigt, wie die Pfahlbauweise an der Immenröder Straße aussehen kann. Foto: Keller Grundbau (Skizze)

In die Jahrzehnte gekommen: Die Gebäude auf dem Betriebshof an der Immenröder Straße sollen abgerissen werden. Anschließend wird in Pfahlbauweise neu gebaut. Foto: Heine
Um das hinzubekommen, ist eine Interimslösung notwendig. Nach Einschätzung des Betriebshofes kann die Liegenschaft an der Langen Wanne für diese Übergangszeit sinnvoll als Ausweichquartier genutzt werden, bis es laut Planung 2028 zurück an den alten Platz, aber in neue Unterkünfte geht. Und wenn es an der Immenröder Straße mit dem Bauen länger dauert, wäre es auch nicht schlimm. Es bestünde am Ort und im Eigentum kein Zeitdruck. Wenn kein Gelände angekauft wird, dürften nicht unerhebliche Mietkosten anfallen. Für das Pachel-Grundstück wären das nach GGM-Berechnungen knapp 150.000 Euro pro Jahr – brutto und mit Betriebskosten.
Schutz für die Bevölkerung
Was kommt nach dem Provisorium? Besserer Schutz und mehr Sicherheit für die Goslarer Bevölkerung. Wenn nämlich der Betriebshof wieder seine Segel in der Baßgeige streicht, soll sich dort alles konzentrieren, was mit Bevölkerungsschutz zu tun hat. Gerätschaften und Ausrüstung sind nach GGM-Angaben aktuell in zwei Hallen in einer Größenordnung von 500 und 400 Quadratmetern und auf einer 200 Quadratmeter großen Außenfläche in Vienenburg untergebracht. Die Lagerflächen sind gemietet. Sie erfüllen aber hinsichtlich Kapazität und Infrastruktur auf lange Sicht nicht die Anforderungen einer Bevölkerungsschutzhalle.
Wo liegen die Probleme? Schon jetzt würden notwendige Laufwege zugestellt. Im Einsatzfall wäre ein schneller Zugriff auf dringend benötigte Gerätschaften wie Sandsäcke oder mobile Elemente zum Hochwasserschutz „erheblich erschwert“, meint das GGM. Zudem seien die Freiflächen nicht überdacht, was bei widrigem Wetter problematisch sei. Außerdem fehle es an Umkleidemöglichkeiten und sanitären Einrichtungen wie Duschen für die Einsatzkräfte. Koordinatoren könnten nicht ausreichend auf Büros zugreifen. An einer Stelle werde es zusätzlich gefährlich eng, wo nur ein Bauzaun städtische Güter von Nachbarflächen trennt.
Nur eingeschränkt effizient
Ergo heißt es in der Vorlage: nach Einschätzung des zuständigen Fachdienstes führe diese Situation regelmäßig zu organisatorischen Behinderungen, Verzögerungen sowie einem erhöhten personellen und logistischen Mehraufwand. Einsatzbereitschaft und Effizienz der Helfer würden so erheblich beeinträchtigt. Ein alternativer Standort in Goslar sei notwendig. Er müsse schnell erreichbar sein, über ausreichend große und gesicherte Lager- und Aktionsflächen sowie die notwendigen infrastrukturellen Einrichtungen wie Büros, Klos, Duschen und Parkplätze verfügen. Was alles ganz nach dem früheren Pachel-Gelände klingt.
Kein Wunder also, wenn das GGM nach all diesen Überlegungen zu der Einschätzung kommt: „Unter Berücksichtigung der langfristigen Bedarfe und einer realistischen Kostenentwicklung wird der Kauf als bevorzugte Lösung empfohlen. Ein Kauf bietet eine langfristige Kostensicherheit, minimiert Abhängigkeiten von Dritten und sichert die dauerhafte Einsatzfähigkeit der kommunalen Einheiten im Bevölkerungsschutz.“
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