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Vom Schauspiel- zum Wohnhaus

GZ Plus IconDie Geschichte des Goslarer Odeon-Theaters in vielen Bildern

Person mit rotem ärmellosem Oberteil und zerrissener Jeanshose steht vor einer Gruppe sitzender Menschen in einem Innenraum

Das Schülermusical Fame geht 2009 über die Odeon-Bühne. Foto: Kusian (Archiv)

Das Odeon-Theater prägte über Jahrzehnte das kulturelle Leben in Goslar. Eine Chronik von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zum Umbau zum Wohnhaus.

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Von Hendrik Roß
Dienstag, 17.03.2026, 04:00 Uhr

Goslar. Die Geschichte des ehemaligen Odeon-Theaters ist um ein Kapital reicher: Das prestigeträchtige Gebäude wird überleben, allerdings mit ganz neuer Rolle. Die Investorengruppe Dr. Meinhof und Felsmann hat in den vergangenen Jahren aus dem Schauspiel- ein Wohnhaus geschaffen. Die 34 Wohneinheiten gehen bald an den Markt.

Als die Investoren in der Vorwoche zum Tag der offenen Odeon-Tür luden, kamen Hunderte Goslarerinnen und Goslarer, um zu schauen, was aus ihrem Theater geworden ist.
Mehrstöckiges Gebäude mit großen Fenstern und Baustelle im Vordergrund unter blauem Himmel

Ein Wohnhaus: So sieht das Odeon nach dem Umbau von außen aus. Foto: Sowa

Vom Schützenhaus zum Theater

Die Ursprünge des Odeon reichen bis ins ganz späte 19. Jahrhundert zurück. Wie der Chronik „Das Odeon – unser Theater“ von Dr. Heidi Roch zu entnehmen ist, eröffnete im November 1899 das ehemalige Schützenhaus unter dem Namen „Röttgers Kaisersaal“ mit 900 Plätzen.

Historische Aufnahme eines Platzes in Goslar mit mehreren Gebäuden im Hintergrund und einer Gruppe von Menschen im Vordergrund

Die Anfangsjahre als Röttgers Kaisersaal. Foto: Stadtarchiv

Der Name Odeon taucht demnach erstmals im September 1945 auf, als ein neuer Betreiber eine Gaststättenerlaubnis für das Bahnhofshotel, das Alte Schützenhaus sowie den Kaisersaal als „Odeon-Betriebe und Bahnhofshotel“ beantragt hat.

Mann steht an Rednerpult vor Vorhang mit großem Schriftzug und mehreren Mikrofonen

Bundeskanzler Konrad Adenauer auf dem Gründungsparteitag der CDU im Odeon-Theater. Foto: Stadtarchiv

Erste große Umgestaltung nach dem Krieg

Die erste grundlegende Sanierung und Neugestaltung gab es in den Jahren 1948/49: Vom alten Kaisersaal blieben nur Bühne und Umfassungsmauern erhalten. Am 1. Januar 1949 begann die Spielzeit mit der „Lustigen Witwe“. Bei einem weiteren Umbau 1968 verschwanden die Logen des unter Denkmalschutz stehenden Jugendstilgebäudes und der Garderobenanbau entstand.

Person mit Kapuzenpullover steht auf einer Bühne und blickt in einen leeren Zuschauerraum eines Theaters

Wenn der Vorhang fällt: Die Perspektive von der Bühne in den Zuschauerraum Foto: Schenk

Ausbau zum Veranstaltungshaus

Ab 1975 wurde das Theater als GmbH geführt, die Stadt war alleinige Gesellschafterin. Die Verantwortung für das Gebäude oblag der Stadt, das operative Geschäft wurde durch eine GmbH abgewickelt. Das Odeon-Theater war von Anfang an als bespieltes Haus ohne eigenes Theaterensemble geplant.

Außenansicht eines Theaters mit gelber Anzeigetafel, auf der Veranstaltungstermine stehen, und einem historischen Gebäude im Hintergrund

Das Odeon-Theater ist lange Zeit das kulturelle Herz der Stadt Goslar. Foto: Schenk (Archiv)

1977 wurde letztmalig umgebaut, um Theateraufführungen, Tagungen und Filmvorführungen unter einem Dach anbieten zu können. Eine neue Heizungs- und Belüftungsanlage und der Theaterkeller entstanden. Nach achtmonatiger Bauzeit und einer Investition von 2,3 Millionen DM, an der sich der Landkreis mit 530.000 DM beteiligte, wurde das „dezent wie elegant“ wirkende Haus am 7. Januar 1978 wieder eröffnet.

Menschen in formeller Kleidung in einem Raum, einige applaudieren, andere stehen oder sitzen

Angela Merkel feiert 2010 den 50. CDU-Geburtstag in Goslar. Foto: Schenk

Der Kommentar der GZ lautete damals: „Endlich verfügt die Kreisstadt Goslar über ein Theater, dessen äußerer Rahmen auf das Bühnengeschehen festlich einstimmt.“

Ballettkleider und Ballettschuhe hängen an einer Stange vor einem Spiegel in einem Tanzstudio mit lila Teppichboden und orangen Vorhängen

Ein Blick hinter die Kulissen. Foto: Epping

Sanierungen und Modernisierungen

Nie realisiert wurden dagegen die Planungen, den Haupteingang zur Bahnhofseite zu verlegen. Größere Reparatur- und Sanierungsmaßnahmen fielen 1994/1995 an: Der große Saal und der Balkonbereich wurden überholt, die Bestuhlung aufgearbeitet. 1999 wurde das Foyer um eine zusätzliche Getränkeausgabe erweitert.
Großer heller Raum mit orange-grauen Säulen, Stehtischen mit weißen Hussen und einer langen Theke mit orangefarbenen Elementen

Das Foyer des Odeon-Theaters Foto: Epping

Sparzwang und Schließungsdebatten

2003 gab es schon einmal eine Zitterpartie für das Odeon: Damals forderte die mit dem Auftrag der Haushaltskonsolidierung gegründete Lenkungsgruppe im Rahmen einer Gruselliste die Schließung des Theaters, wenn nicht die Hälfte des städtischen Zuschusses zum Spielbetrieb über Drittmittel/Sponsoren aufzubringen sei.

2009 fiel das erste Mal das Wort Abriss. Laut Angaben der Verwaltung kostete das Theater die Stadt damals jährlich 360.000 Euro, für eine dringend nötige Grundsanierung wären weitere 1,7 Millionen Euro zu stemmen.

Große Gruppe von Menschen in einem Saal, die applaudieren

Ein gut gefülltes Odeon-Theater bei einem Amigos-Auftritt im Jahr 2007. Foto: Schenk (Archiv)

Der Proteststurm ließ nicht lange auf sich warten. Goslar ohne Odeon? Für viele war das nicht denkbar, der Verein „Freunde des Odeon-Theaters“ wurde ins Leben gerufen.

Proteste aus der Bürgerschaft

2011 rollte die nächste Welle des Protestes durch Goslar, nachdem die Stadt die Theaterpädagogik auf die Streichliste setzen wollte.

Menschenmenge bei einer Demonstration auf einer Straße, eine Person hält ein grünes Schild mit der Aufschrift 'DAS IST MORD AN DER JUGENDKULTUR'

Im Frühjahr 2011 ziehen mehr als 500 junge Menschen durch die Goslarer Altstadt, weil die Theaterpädagogik städtischen Sparzwängen zum Opfer fällt. Foto: Epping (Archiv)

Ein Jahr später war es dann Gewissheit: Das Odeon-Theater stellte zum 1. August 2012 den Betrieb ein.

Jahre des Stillstands

Es folgten Jahre, in denen viele Summen kursierten. Ob eine Sanierung des Theaters nun für fünf oder zehn Millionen Euro möglich gewesen wäre, blieb am Ende egal. Es passierte nichts, bis 2019 der Investor mit den Wohnbauplänen auf den Plan trat und das denkmalgeschützte Gebäude für einen symbolischen Euro kaufte.

Große Halle in einem Gebäude mit freiliegender Dachkonstruktion und teilweise abgerissenen Wänden und Boden

Eine Aufnahme der Baustelle aus dem Jahr 2021. Foto: Epping (Archiv)

Die ursprüngliche Planung, einen lichtdurchfluteten Innenhof mit geöffnetem Dach zu realisieren, wurde zu einem späten Zeitpunkt vom Landesamt für Denkmalpflege durchkreuzt. Die Planung begann von Neuem. So dauerte es weitere Jahre, bis aus dem ehemaligen Theater ein Wohnhaus geworden ist.
Innenraum mit hohen roten Bäumen in einem rechteckigen Pflanzbeet und weißen menschlichen Silhouetten in einem modernen Gebäude mit sichtbaren Stahlträgern im Dachbereich

Wohnhaus-Pläne: So sollte der Innenhof des umgebauten Odeon-Theaters aussehen, das Landesdenkmalamt hatte allerdings etwas dagegen. Foto: Investor (Archiv)

Voller Zuschauerraum in einem Theater oder Konzertsaal mit mehreren Sitzreihen und einem Balkon

Insgesamt 840 Gäste finden Platz im Goslarer Odeon-Theater. Foto: Schenk

Große Menschenmenge in einem Innenraum, viele klatschen, Gesichter unscharf

Ein Odeon-Abend mit Standing Ovations. Foto: Schenk

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