Die Geschichte des Goslarer Odeon-Theaters in vielen Bildern
Das Schülermusical Fame geht 2009 über die Odeon-Bühne. Foto: Kusian (Archiv)
Das Odeon-Theater prägte über Jahrzehnte das kulturelle Leben in Goslar. Eine Chronik von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zum Umbau zum Wohnhaus.
Goslar. Die Geschichte des ehemaligen Odeon-Theaters ist um ein Kapital reicher: Das prestigeträchtige Gebäude wird überleben, allerdings mit ganz neuer Rolle. Die Investorengruppe Dr. Meinhof und Felsmann hat in den vergangenen Jahren aus dem Schauspiel- ein Wohnhaus geschaffen. Die 34 Wohneinheiten gehen bald an den Markt.
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Ein Wohnhaus: So sieht das Odeon nach dem Umbau von außen aus. Foto: Sowa
Vom Schützenhaus zum Theater
Die Ursprünge des Odeon reichen bis ins ganz späte 19. Jahrhundert zurück. Wie der Chronik „Das Odeon – unser Theater“ von Dr. Heidi Roch zu entnehmen ist, eröffnete im November 1899 das ehemalige Schützenhaus unter dem Namen „Röttgers Kaisersaal“ mit 900 Plätzen.

Die Anfangsjahre als Röttgers Kaisersaal. Foto: Stadtarchiv
Der Name Odeon taucht demnach erstmals im September 1945 auf, als ein neuer Betreiber eine Gaststättenerlaubnis für das Bahnhofshotel, das Alte Schützenhaus sowie den Kaisersaal als „Odeon-Betriebe und Bahnhofshotel“ beantragt hat.

Bundeskanzler Konrad Adenauer auf dem Gründungsparteitag der CDU im Odeon-Theater. Foto: Stadtarchiv
Erste große Umgestaltung nach dem Krieg
Die erste grundlegende Sanierung und Neugestaltung gab es in den Jahren 1948/49: Vom alten Kaisersaal blieben nur Bühne und Umfassungsmauern erhalten. Am 1. Januar 1949 begann die Spielzeit mit der „Lustigen Witwe“. Bei einem weiteren Umbau 1968 verschwanden die Logen des unter Denkmalschutz stehenden Jugendstilgebäudes und der Garderobenanbau entstand.

Wenn der Vorhang fällt: Die Perspektive von der Bühne in den Zuschauerraum Foto: Schenk
Ausbau zum Veranstaltungshaus
Ab 1975 wurde das Theater als GmbH geführt, die Stadt war alleinige Gesellschafterin. Die Verantwortung für das Gebäude oblag der Stadt, das operative Geschäft wurde durch eine GmbH abgewickelt. Das Odeon-Theater war von Anfang an als bespieltes Haus ohne eigenes Theaterensemble geplant.

Das Odeon-Theater ist lange Zeit das kulturelle Herz der Stadt Goslar. Foto: Schenk (Archiv)
1977 wurde letztmalig umgebaut, um Theateraufführungen, Tagungen und Filmvorführungen unter einem Dach anbieten zu können. Eine neue Heizungs- und Belüftungsanlage und der Theaterkeller entstanden. Nach achtmonatiger Bauzeit und einer Investition von 2,3 Millionen DM, an der sich der Landkreis mit 530.000 DM beteiligte, wurde das „dezent wie elegant“ wirkende Haus am 7. Januar 1978 wieder eröffnet.

Angela Merkel feiert 2010 den 50. CDU-Geburtstag in Goslar. Foto: Schenk
Der Kommentar der GZ lautete damals: „Endlich verfügt die Kreisstadt Goslar über ein Theater, dessen äußerer Rahmen auf das Bühnengeschehen festlich einstimmt.“

Ein Blick hinter die Kulissen. Foto: Epping
Sanierungen und Modernisierungen
Nie realisiert wurden dagegen die Planungen, den Haupteingang zur Bahnhofseite zu verlegen. Größere Reparatur- und Sanierungsmaßnahmen fielen 1994/1995 an: Der große Saal und der Balkonbereich wurden überholt, die Bestuhlung aufgearbeitet. 1999 wurde das Foyer um eine zusätzliche Getränkeausgabe erweitert.
Das Foyer des Odeon-Theaters Foto: Epping
Sparzwang und Schließungsdebatten
2003 gab es schon einmal eine Zitterpartie für das Odeon: Damals forderte die mit dem Auftrag der Haushaltskonsolidierung gegründete Lenkungsgruppe im Rahmen einer Gruselliste die Schließung des Theaters, wenn nicht die Hälfte des städtischen Zuschusses zum Spielbetrieb über Drittmittel/Sponsoren aufzubringen sei.
2009 fiel das erste Mal das Wort Abriss. Laut Angaben der Verwaltung kostete das Theater die Stadt damals jährlich 360.000 Euro, für eine dringend nötige Grundsanierung wären weitere 1,7 Millionen Euro zu stemmen.

Ein gut gefülltes Odeon-Theater bei einem Amigos-Auftritt im Jahr 2007. Foto: Schenk (Archiv)
Der Proteststurm ließ nicht lange auf sich warten. Goslar ohne Odeon? Für viele war das nicht denkbar, der Verein „Freunde des Odeon-Theaters“ wurde ins Leben gerufen.
Proteste aus der Bürgerschaft
2011 rollte die nächste Welle des Protestes durch Goslar, nachdem die Stadt die Theaterpädagogik auf die Streichliste setzen wollte.

Im Frühjahr 2011 ziehen mehr als 500 junge Menschen durch die Goslarer Altstadt, weil die Theaterpädagogik städtischen Sparzwängen zum Opfer fällt. Foto: Epping (Archiv)
Ein Jahr später war es dann Gewissheit: Das Odeon-Theater stellte zum 1. August 2012 den Betrieb ein.
Jahre des Stillstands
Es folgten Jahre, in denen viele Summen kursierten. Ob eine Sanierung des Theaters nun für fünf oder zehn Millionen Euro möglich gewesen wäre, blieb am Ende egal. Es passierte nichts, bis 2019 der Investor mit den Wohnbauplänen auf den Plan trat und das denkmalgeschützte Gebäude für einen symbolischen Euro kaufte.

Eine Aufnahme der Baustelle aus dem Jahr 2021. Foto: Epping (Archiv)

Wohnhaus-Pläne: So sollte der Innenhof des umgebauten Odeon-Theaters aussehen, das Landesdenkmalamt hatte allerdings etwas dagegen. Foto: Investor (Archiv)

Insgesamt 840 Gäste finden Platz im Goslarer Odeon-Theater. Foto: Schenk

Ein Odeon-Abend mit Standing Ovations. Foto: Schenk
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