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Blick in die Geschichte

GZ Plus Icon150. Geburtstag: So entstanden die Bad Harzburger Feuerwehren

Viel zu tun hat die Feuerwehr 1979: Gleich mehrfach brechen damals im ehemaligen Kurhotel Juliushall Brände aus, sodass die Feuerwehr zu Großeinsätzen ausrücken muss. Im Anschluss wird wegen Brandstiftung ermittelt.

Viel zu tun hat die Feuerwehr 1979: Gleich mehrfach brechen damals im ehemaligen Kurhotel Juliushall Brände aus, sodass die Feuerwehr zu Großeinsätzen ausrücken muss. Im Anschluss wird wegen Brandstiftung ermittelt. Foto: Ahrens-Archiv

Sowohl die Ortsfeuerwehr Bad Harzburg als auch jene in Bündheim-Schlewecke werden in diesem Jahr 150 Jahre alt. Anlässlich dessen sind große Feste geplant. Doch wie fing eigentlich alles an? Und wie wurden davor Brände gelöscht? Die GZ blickt zurück.

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Von Christoph Exner
Mittwoch, 12.06.2024, 10:00 Uhr

Bad Harzburg. Bad Harzburgs Feuerwehr feiert in diesem Jahr einen Doppelgeburtstag: Sowohl die Ortsfeuerwehr Bad Harzburg als auch jene in Bündheim und Schlewecke werden 150 Jahre alt. Das soll groß gefeiert werden. Wie bereits berichtet, sind für kommenden Samstag, 15. Juni, eine Feier und ein Tag der offenen Tür am Holzhof sowie für den 14. September am Gerätehaus und am Schloss in Bündheim geplant.

Am Holzhof soll in der Zeit zwischen 11 und 18 Uhr Fahrzeug- und Gerätetechnik präsentiert werden. Außerdem können Besucher die Wache und den noch jungen Erweiterungsbau erkunden, heißt es in einer Ankündigung. Für das leibliche Wohl werde gesorgt. Wegen der Veranstaltung werden die Straße Holzhof sowie die Parkfläche an der Forstwiese am Samstag zwischen 9 und 18 Uhr gesperrt. Das hat das Ordnungsamt am Dienstag mitgeteilt.

Doch wo liegen eigentlich die Ursprünge der Bad Harzburger Feuerwehr? Und wie wurde die Brandbekämpfung vorher organisiert? Die GZ wirft einen Blick in die Geschichte.

Stolz testet ein Feuerwehrmann im Oktober 1961 eines von mehreren brandneuen Funkgeräten, die von der Stadt angeschafft wurden.

Stolz testet ein Feuerwehrmann im Oktober 1961 eines von mehreren brandneuen Funkgeräten, die von der Stadt angeschafft wurden. Foto: Ahrens-Archiv

Im ehemaligen Herzogtum Braunschweig gab es schon lange ein sogenanntes „Feuerhülfswesen“. Aufzeichnungen darüber reichen bis in das Jahr 1350 zurück. In der späten Neuzeit wurden diese dann professionalisiert. Ein Gesetz vom 22. Januar 1831 sah für die Feuerwehr das Spritzenverfahren vor; dazu hatte der Amtmann vier Pferde zur Verfügung zu stellen, Karrenführer, Großkötter und Halbspänner – also leibeigene Bauern – je zwei Pferde. Ein weiteres Gesetz vom 18. Oktober 1832 sah vor, dass jeder Hausbesitzer ein Exemplar der Feuerordnung besitzen muss. So wird es in der Chronik der Stadt berichtet. Die Brandbekämpfung war Pflicht für alle Gemeindemitglieder, egal welchen Standes und Geschlechts. Jede Gemeinde sollte zudem eine Feuerspritze haben. Diese musste zweimal jährlich im Beisein des Ortsvorstehers auf ihre Tauglichkeit überprüft werden.

Harlingerode feiert später

Am 2. April 1874 wurden aufgrund einer Anordnung der Herzoglichen Staatsregierung schließlich Freiwillige Feuerwehren in Bündheim, Schlewecke, Harlingerode, Oker und in Neustadt-Harzburg gegründet. Die Harlingeröder Wehr, die dieses Jahr entsprechend auch ihren 150. Geburtstag feiern müsste, war im Jahr 1902 aufgrund Geldmangels geschlossen und dann im Jahr 1910 neu gegründet worden.

Die Arbeit an den Brandstellen stützte sich nun auf geschulte und gründlich ausgebildete Männer. Durch eine Uniform kenntlich gemacht, bestanden sie aus Kompanien und Zügen, geführt von Spritzenmeistern, Zugführern und einem Hauptmann, der als Zeichen seiner Würde einen blanken Messing-Helm mit rotem Roßschweif tragen durfte. Auch eine einheitliche Ausrüstung war im Gesetz von 1874 verankert worden, heißt es in der Chronik.

Im April 1980 brennt der Stuten-Stall im Gestüt. Die Feuerwehr Bündheim-Schlewecke kann das Feuer löschen, doch zehn Stuten sterben.

Im April 1980 brennt der Stuten-Stall im Gestüt. Die Feuerwehr Bündheim-Schlewecke kann das Feuer löschen, doch zehn Stuten sterben. Foto: Ahrens-Archiv

Die erste Bewährung hatte die Freiwillige Feuerwehr Harzburgs im Jahr 1876 beim Brand des Actienhotels, dem späteren Harzburger Hof, zu bestehen. Eine Gasexplosion in der Küche hatte das Feuer ausgelöst. Es konnte schnell gelöscht werden. Bei diesem Brand wurden drei Menschen getötet und einer schwer verletzt.

Der erste Feuerwehrhauptmann Neustadts war Hotelier und Architekt Eduard Pfeiffer vom Hotel Juliushall. Bereits das erste Feuerwehrhaus befand sich auf dem Holzhof. 1879 hatte die Neustädter Freiwillige Feuerwehr schon 71 aktive Mitglieder. Im Jahr 1912 konnte laut Chronik die erste ausfahrbare Anhängeleiter mit 18 Metern Steighöhe angeschafft werden,1921 erhielt die Harzburger Wehr ihre erste Motorspritze.

Schlecht ausgerüstet

In einem Bericht über die Besichtigung der Feuerlöscheinrichtungen in Bad Harzburg durch die zuständige braunschweigische Behörde vom 19. März 1922 hieß es jedoch: „Bad Harzburg besitzt eine freiwillige und eine Pflichtfeuerwehr, was nach dem Feuerhilfsgesetz unzulässig ist. Jede Feuerwehr in Bad Harzburg hat ein eigenes Spritzenhaus, die noch dazu einander gegenüberliegen. Eine Feuermelde- und Alarmanlage fehlt, eine Modernisierung der Feuerlöschgeräte ist seit Jahrzehnten aus Geldmangel unterblieben“. Das sollte sich Jahre später ins Gegenteil ändern.

Während der Rennwoche 1952 sorgt eine weggeworfene Zigarette auf der Tribüne für einen Feuerwehreinsatz. Die Bündheimer Kräfte sind vor Ort und haben den Entstehungsbrand schnell im Griff.

Während der Rennwoche 1952 sorgt eine weggeworfene Zigarette auf der Tribüne für einen Feuerwehreinsatz. Die Bündheimer Kräfte sind vor Ort und haben den Entstehungsbrand schnell im Griff. Foto: Ahrens-Archiv

1926 konnte laut Chronik die erste Automobilspritze in Betrieb genommen werden. Da es an erwachsenen Männern fehlte, wurden auch Jugendliche während des Zweiten Weltkrieges zum Feuerwehrdienst herangezogen.

Ein paar Monate nach der Feuerwehr Bad Harzburg wurde am 1. November 1874 jene in Bündheim gegründet. Schon im Jahr darauf soll sie 76 Mitglieder gezählt haben. Die Bündheimer sind in den Jahren ihres Bestehens zu vielen Bränden gerufen worden – besonders vor der Jahrhundertwende, heißt es in der Chronik der Stadt. Beim Zusammenschluss der Gemeinden Bündheim und Schlewecke musste auch die Schlewecker Wehr in die Bündheimer Freiwillige Feuerwehr integriert werden.

Gemeinsames Kommando

1964 wurden Jugendfeuerwehren eingeführt. Bereits Zehnjährige konnten damals an den Ausbildungen teilhaben. Mit der Gebietsreform 1972 erhielten die Wehren der einzelnen Orte ein gemeinsames Kommando. Es kam zur Bildung einer Stadtfeuerwehr unter Führung eines Stadtbrandmeisters und eines Stadtkommandos. Eine Organisation, die bis heute so beibehalten wurde.

Seit 1976 können auch Frauen Mitglieder der Wehren werden; die Respekt heischende Rolle eines Feuerwehrhauptmanns war in Bad Harzburg zuvor den Männern vorbehalten gewesen, berichtet die Chronik. Eine gründliche Modernisierung und Vergrößerung erfuhr das Feuerwehrgerätehaus in Bad Harzburg im Jahr 1980.

In jüngerer Zeit sorgte der mehr als eine Million Euro teure Anbau der Dekontaminationshalle für die eine oder andere politische Diskussion. Inzwischen sind die Harzburger Feuerwehren mit modernstem Gerät ausgestattet. Ständig wachsende Aufgaben erfordern jedoch auch eine ständige Anpassung und Ausbildung.
Im Jahr 1980 wird im neu errichteten Gerätehaus am Holzhof Richtfest gefeiert. Bis heute haben die Ortsfeuerwehr Bad Harzburg und das Stadtkommando hier ihr Hauptquartier.

Im Jahr 1980 wird im neu errichteten Gerätehaus am Holzhof Richtfest gefeiert. Bis heute haben die Ortsfeuerwehr Bad Harzburg und das Stadtkommando hier ihr Hauptquartier. Foto: Ahrens-Archiv

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