Einwohnerzahlen: Ist Bad Harzburg wirklich eine Rentnerstadt?
Bad Harzburg von oben. Nach mehreren Jahren des Rückgangs scheint sich die Einwohnerentwicklung der Stadt gerade zu stabilisieren. Foto: Neuendorf/GZ-Archiv
Nach Jahren des Rückgangs blieb die Einwohnerzahl der Kurstadt 2025 nahezu konstant. Woran das liegt und ob das Klischee der „Rentnerstadt“ tatsächlich zutrifft.
Bad Harzburg. Bad Harzburgs Einwohnerzahl stabilisiert sich. 22.324 Menschen lebten per Stichtag 31. Dezember 2025 in der Kurstadt. Diese erfreuliche Nachricht kann die Stadtverwaltung zu Beginn des neuen Jahres verkünden. Sie mag angesichts der negativen Entwicklung in jüngerer Vergangenheit durchaus überraschend klingen. Betrachte man jedoch die Bevölkerungsentwicklung Bad Harzburgs seit dem Jahr 1990, lasse sich ein Muster erkennen, erklären Bürgermeister Ralf Abrahms und Erster Stadtrat Andreas Simon.
So sei die Einwohnerzahl in Krisenzeiten oder kurz danach stets gesunken, in der übrigen Zeit aber eigentlich immer stabil geblieben oder gar gewachsen. Einen überdurchschnittlich großen Zuwachs gab es zumindest kurzzeitig nach der Wiedervereinigung zwischen Ost und West. Während, sowie nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008, sowie der Corona-Pandemie 2020 ist in der Statistik hingegen ein Bevölkerungsrückgang vermerkt. Nun scheint sich diese Entwicklung gerade wieder zu erholen.
„Verhalten optimistisch“
Zwar bleibt der Sterbeüberschuss, doch der Wanderungsgewinn rettet die Bilanz: 129 Geburten konnten die 390 Todesfälle in 2025 erneut nicht ausgleichen. Eine Ausnahme bilden dabei nur die Einwohner mit anderer Staatsangehörigkeit. In dieser Bevölkerungsgruppe war die Geburtenrate fast doppelt so hoch wie die Sterberate. Dafür gab es allerdings mehr Zu- als Wegzüge in die Stadt. 1320 Personen kamen, 1035 gingen. Unter dem Strich macht das einen – wenn auch minimalen – Bevölkerungszuwachs.
Weil die Geburten die Sterbefälle nicht ausgleichen können, ist Bad Harzburg auf möglichst viele Zuzügler angewiesen. Zuletzt war deren Zahl erfreulich hoch. Foto: (Symbolbild) Christian Klose/dpa
Das auf dem Papier zum Ende des Jahres trotzdem 25 Personen weniger in der Kurstadt lebten als im Vorjahr, liege daran, dass die Zahl der Nebenwohnungen erneut gesunken sei, erklärt Servicebüro-Leiter Ralf Otte, der die Statistik erstellt hat.
So oder so: Die Einwohnerzahl ist dieses Mal annähernd unverändert geblieben. Nach mehreren Jahren des Rückgangs – seit dem Jahr 2000 hat Bad Harzburg übrigens unter dem Strich 1866 Einwohner verloren – scheint sie sich nun wieder in eine positive Richtung zu entwickeln, wenngleich es sicher noch zu früh ist, um von einer kompletten Trendwende zu sprechen. „Wir blicken verhalten optimistisch in die Zukunft“, sagen auch Bürgermeister Abrahms und Erster Stadtrat Simon.
Größter Zuwachs in Bündheim
Aus finanzieller Sicht zählt für die Stadt jeder einzelne Einwohner. Stichworte sind da Schlüsselzuweisungen oder der Anteil an der Einkommenssteuer. Umso mehr freut man sich im Rathaus darüber, dass es jetzt wie schon 2024 einen Wanderungsgewinn gab und der dieses Mal sogar noch deutlich höher ausgefallen ist. Damals lag er bei 80, jetzt bei 285 Personen.
Die Zahl der Zuzüge zeige, dass Bad Harzburg ein attraktiver Wohnort ist. Die Politik der vergangenen Jahre sei offensichtlich erfolgreich gewesen, so Abrahms und Simon. Es fänden sich hier keine sozialen Brennpunkte. Was die Grundstückspreise angehe, sei Bad Harzburg vergleichsweise günstig. Zudem liege die Stadt geografisch betrachtet optimal nahe der Autobahn, über die man in kurzer Zeit beispielsweise in Braunschweig oder Wolfsburg ist. Das Thema Baulandentwicklung sei deshalb nach wie vor wichtig für die Stadt.Eigene Daten besser als offizielle
Braunlage: Einwohnerzahlen gehen nach wie vor zurück
Größter Gewinner in der aktuellen Einwohnerstatistik ist der Ortsteil Bündheim mit 35 neuen Einwohnern (Hauptwohnsitz), größter Verlierer die Kernstadt Bad Harzburg mit einem Verlust von 59 Personen. Insgesamt gibt es in der Stadt etwas mehr Frauen als Männer, die Geschlechterverteilung hält sich allerdings ungefähr die Waage. Der Ausländeranteil ist wie schon 2024 gesunken und beträgt nun rund 7,8 Prozent. Die 1724 Personen stammen aus fast 100 verschiedenen Ländern. Mit Abstand die größten Gruppen sind Ukrainer (198), Syrer (188), Türken (187) und Polen (117).
Auch, aber nicht nur Rentner
Ein Klischee, das Bad Harzburg hartnäckig anhaftet, lautet, eine Stadt der Rentner zu sein. Tatsächlich macht die Altersgruppe 65 Plus den größten Anteil an Einwohnern aus – 7135 sind es, gut ein Drittel der Gesamteinwohnerzahl. Auf absehbare Zeit wird die Stadt also einen gewaltigen Sterbeüberschuss verzeichnen.Einwohnerstatistik für 2024
Immer weniger Geburten: Gehen Bad Harzburg bald die Kinder aus?
DIE EINWOHNERSTATISTIK IN ZAHLEN
21.298 Menschen leben mit Hauptwohnsitz in Bad Harzburg (Stichtag 31. Dezember 2025). Das sind 36 mehr als im Vorjahr.
1026 „gelegentliche Einwohner“ mit einer Nebenwohnung gibt es zusätzlich (-61).
22.324 ist damit die Gesamtzahl der Einwohner mit Haupt- und Nebenwohnsitz (-25).
9355 Menschen leben mit Hauptwohnsitz in der Kernstadt (-59).
373 leben in Bettingerode (-5).
5049 leben in Bündheim (+35).
135 leben in Eckertal (+-0).
811 leben in Göttingerode (-9).
2879 leben in Harlingerode (+31).
1513 leben in Schlewecke (+6).
1183 leben in Westerode (-1).
1320 Menschen sind im vergangenen Jahr nach Bad Harzburg gezogen. Das sind sieben mehr als im Jahr zuvor.
1035 Personen sind aus Bad Harzburg weggezogen (-57)
285 Menschen machen damit den sogenannten „Wanderungsgewinn“ aus, also Zuzüge im Verhältnis zu Wegzügen.
129 Geburten verzeichnet die Statistik 2025 (+25 im Vergleich zum Vorjahr).
390 Sterbefälle stehen dem gegenüber (-38).
-261 beträgt damit der sogenannte „Sterbeüberschuss“, also das Verhältnis Geburten zu Sterbefällen.
3980 Bad Harzburger sind älter als 75 Jahre, das ist die größte Altersgruppe. Gefolgt von 3155 Personen zwischen 65 und 75 Jahren.
2786 Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 18 Jahren gibt es in Bad Harzburg.
1724 Einwohner sind Ausländer (-47).
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