Nachbarschaftshilfe und Dorfgemeinschaft: Engagement im Nordharz
Upen hat vergangenes Jahr eine 900-Jahr-Feier organisiert. Für solche und andere Events freuen sich die Ehrenamtlichen über helfende Hände oder neue Ideen. Foto: Gereke (Archiv)
Engagement beginnt vor der Haustür: Ob Nachbarschaftshilfe, Vereinsarbeit oder neue Ideen fürs Dorf – im Nordharz gibt es viele Wege, sich einzubringen.
Nordharz. Ob neu zugezogen, auf der Suche nach Anschluss oder einfach mit Lust, sich einzubringen: Im Nordharz gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren und Teil einer lebendigen Gemeinschaft zu werden. In einer Artikelreihe möchte die GZ Vereine, Initiativen und Engagementangebote aus der Region vorstellen und zeigen, wie vielfältig das Miteinander vor Ort gelebt wird – und wie wichtig Vereine und engagierte Bürgerinnen und Bürger für das gesellschaftliche Leben sind.
Den Auftakt macht der Blick auf Nachbarschaftshilfe und gemeinschaftliches Engagement in den Dörfern – dort, wo Hilfe oft ganz unkompliziert funktioniert und das Miteinander bewusst gepflegt wird.
Vielfalt an Möglichkeiten
In Gielde ist ehrenamtliches Engagement fest im Dorfleben verankert, betont Ortsbürgermeisterin Friederike Fiebig. „Gielde ist bezüglich seiner Vereine breit aufgestellt“, sagt sie und verweist auf die große Vielfalt an Mitmachmöglichkeiten. Der größte Verein ist der TSV Gielde, dessen Angebote weit über den klassischen Sport hinausgehen. Neben Fußball und einer breit aufgestellten Gymnastiksparte gibt es Freizeitangebote wie eine Skatgruppe, Dart, Kickboxen oder die Mini-X-Gruppe mit Modellautorennen. „In allen Bereichen darf hereingeschnuppert werden, ohne sofort eine Mitgliedschaft abzuschließen“, so Fiebig.
Für die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, bekommt die Dorfgemeinschaft ein Geschenk überreicht. Zum Sieg hat es zwar nicht gereicht, aber einige Punkte sprachen durchaus für das Dorf. Foto: Privat (Archiv)
„Unser Dorf hat Zukunft“
Gielde geht gestärkt aus dem Landeswettbewerb
Aktive Nachbarschaftshilfe
Besonders wichtig ist Fiebig der soziale Zusammenhalt. Der Gielder Frauentreff organisiert für Frauen aus Gielde und Altenroder Veranstaltungen wie Frauenfrühstücke, Cocktailabende, Wanderungen oder Vorträge. „Eine Mithilfe ist ohne jede Verpflichtung jederzeit gern gesehen“, betont sie. In den vergangenen Jahren habe der Frauentreff zudem die Organisation des lebendigen Advents übernommen. Das offene Jugendzentrum richtet sich an Teenager und junge Erwachsene und organisiert darüber hinaus mehrfach im Jahr Feste für das ganze Dorf, etwa ein Grillplatzfest, ein Zeltlager im Rahmen des Ferienpasses oder den Matjes-Cup als Spaß-Fußballturnier.
Nachbarschaftshilfe funktioniere in Gielde auf kurzem Weg, sagt Fiebig: „Häufig sind Nachbarschaften lange gewachsen, aber auch Neuzugezogene werden schnell aufgenommen, wenn sie dies möchten.“ Hilfeleistungen wie Fahrten zum Einkaufen oder zu Arztterminen würden meist direkt abgesprochen oder über digitale Plattformen organisiert. Auch bei Festen und Veranstaltungen sei Unterstützung jederzeit willkommen: „In keinem unserer Vereine wird jemand, der mithelfen möchte, abgewiesen – egal ob Mitglied oder nicht.“ Die vielen gemeinsamen Aktivitäten stärken nach Ansicht der Ortsbürgermeisterin das Miteinander im Ort. Um den Austausch zusätzlich zu fördern, lädt sie zweimal jährlich alle Vereinsvorsitzenden und Sprecher der Interessengruppen zu einem runden Tisch ein – ein Angebot, das im Ort gut angenommen werde.
Die Hahäuser Dorfmoderation bietet viele verschiedene Angebote, bei denen sich jeder einbringen kann. Foto: Gereke (Archiv)
Gelebte Gemeinschaft
Auch in Upen wird Gemeinschaft aktiv gestaltet, sagt Ortsbürgermeister Christian Meyer. Der Verein „Hand in Hand – Förderverein Upen“ wurde 2022 gegründet und zählt aktuell rund 40 Mitglieder. Als gemeinnütziger Verein hat er sich zum Ziel gesetzt, das Dorfleben und die Gemeinschaft nachhaltig zu fördern. Dafür werden konkrete Projekte geplant und umgesetzt, die allen Einwohnern zugutekommen. Der Verein kümmert sich dabei um die gesamte Projektierung – von der Idee über die Beschaffung finanzieller Mittel bis hin zur Umsetzung und der anschließenden Betreuung. Ein Beispiel ist die Umgestaltung des Geländes der ehemaligen Kläranlage zu einem „Platz der Natur“.
Der Förderverein arbeitet eng mit dem Ortsrat zusammen. Ein besonderes Zeichen dieser Verbindung, findet Meyer: Der jeweils amtierende Ortsbürgermeister ist automatisch Vorstandsmitglied im Verein. Gleichzeitig unterstützt der Verein den Ortsrat dort, wo dieser selbst nicht tätig sein darf – etwa bei der Bewirtung von Veranstaltungen wie dem jährlichen Boßelturnier oder den regelmäßig stattfindenden Bürgerstammtischen. Darüber hinaus organisiert der Verein Veranstaltungen, die das Miteinander stärken, darunter eine jährliche Waldwanderung. Für dieses Jahr sind außerdem ein Bingo-Abend, eine Unternehmensbesichtigung sowie eine Pilzwanderung geplant.Runder Tisch für das Dorf
Gemeinschaft und Ideenaustausch für alle Hahausener
In den vergangenen Jahren wurden bereits zahlreiche Projekte umgesetzt: Dazu zählen das Aufstellen einer Bücherzelle im Jahr 2025, neue Sitzgelegenheiten in und um die Ortschaft (seit 2022), die Durchführung der Feier zu 900 Jahre Upen sowie eine gemeinsame Putzaktion zur Vorbereitung der Feierlichkeiten. Mitglied werden kann jede und jeder; der Jahresbeitrag beträgt mindestens einen Euro pro Monat und kann freiwillig erhöht werden. Viele Aktionen leben von helfenden Händen – Unterstützung ist sowohl praktisch vor Ort als auch organisatorisch im Hintergrund willkommen. Ansprechpartner vor Ort sind Ortsbürgermeister Meyer unter 0160/1434161 oder der Vorsitzende Jörg Linnemannstöns unter 0177/7051559. Bei Fragen oder Ideen können sich Upener gerne an sie wenden.
Beteiligung sehr erwünscht
In Hahausen lebt Nachbarschaftshilfe von vielen Wegen und persönlichem Engagement, erläutert Dorfmoderatorin Claudia Mehl. Um möglichst viele der rund 730 Einwohner zu erreichen, nutzt der Ort unterschiedliche Kommunikationskanäle: einen E-Mailverteiler als Newsletter, den Vereinskasten im Dorf, Facebook, die lokale Presse und teilweise auch den kirchlichen Neileboten. Flyer an alle Haushalte hätten sich dagegen weniger bewährt.
Unterstützung im Alltag organisiert sich häufig direkt. „Unsere Erfahrung ist, dass sich Bürger selbst organisieren, wenn sie nicht mehr mobil sind“, erklärt die Dorfmoderatorin. Dazu gehören Fahrdienste zu Arztterminen oder zum Einkaufen ebenso wie kleinere Hausmeistertätigkeiten, die über Familie, Freunde oder Nachbarn geregelt werden. Helfer für Feste und Aktionen werden je nach Anlass auf unterschiedlichen Wegen gesucht – über Festausschüsse, vereinsinterne Messenger-Gruppen oder auch über Aufrufe in der lokalen Presse, etwa wenn die Harzklubhütte für die Saison vorbereitet werden soll. Einen festen Standardweg gebe es dabei bewusst nicht.Wachwechsel im Ehrenamt
Dorfgemeinschaftsanlage Upen: Förderverein hat neuen Vorstand
WEITERE IDEEN?
Angesichts der Vielzahl an Vereinen und Initiativen ist es leider nicht möglich, alle Engagementmöglichkeiten zu berücksichtigen. Wer jedoch gern über ein besonderes Projekt, eine Initiative oder eine Mitmachmöglichkeit berichten möchte, kann sich gern per E-Mail an ronja.heinemann@goslarsche-zeitung.de wenden.
Jede Idee zählt
Das vielfältige Engagement in Gielde, Upen und Hahausen steht stellvertretend für viele weitere Orte im Nordharz. Auch in den anderen Dörfern zeigt sich, wie wichtig ehrenamtlicher Einsatz, Nachbarschaftshilfe und gemeinschaftliche Aktionen für ein lebendiges Miteinander sind. Wer Lust hat, sich einzubringen oder eigene Ideen verwirklichen möchte, findet meist offene Türen. Ein guter erster Ansprechpartner sind in der Regel die Ortsbürgermeister, die Kontakte vermitteln und dabei helfen können, den passenden Rahmen für ein Engagement zu finden. Denn eines zeigt sich in allen Dörfern deutlich: Jede helfende Hand – und jede gute Idee – zählt.
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