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Ein Jahr nach spektakulärem Fund

GZ Plus IconHarzburger Cannabis-Plantage: Zwei weitere Verdächtige vor Gericht

Der ehemalige „Burgkeller“ vor einem Jahr: Mehr als 800 Pflanzen wurden dort gezüchtet.

Der ehemalige „Burgkeller“ vor einem Jahr: Mehr als 800 Pflanzen wurden dort gezüchtet. Foto: Polizei

Vor einem Jahr wurde eine Drogen-Plantage im ehemaligen „Burgkeller“ ausgehoben. Nun beginnt der Prozess gegen zwei Verdächtige. Was wird ihnen genau vorgeworfen?

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Von Holger Schlegel
Freitag, 27.03.2026, 11:25 Uhr

Bad Harzburg. Der spektakuläre Drogenfund im ehemaligen Hotel „Burgkeller“ in der Herzog-Julius-Straße hatte vor fast genau einem Jahr für Aufsehen gesorgt (die GZ berichtete). Nun beginnt vor dem Landgericht Braunschweig ein umfangreicher Prozess gegen zwei weitere mutmaßliche Drahtzieher.

Rückblick: Am 27. März vergangenen Jahres hatte die Polizei in dem leerstehenden Gebäude nahe der Lutherkirche eine groß angelegte Cannabis-Plantage entdeckt. Hunderte Pflanzen standen dort verteilt über mehrere Etagen. Sie wurden mit erheblichem technischem Aufwand gezüchtet.

Die Entdeckung kam eher zufällig zustande: Die Erbin des Hauses, es handelt sich um das ehemalige Hotel „Burgkeller“, wollte das Gebäude betreten, fand es jedoch von innen verriegelt vor und alarmierte die Polizei. Die Beamten stießen bei der Kontrolle auf die Plantage.

Professionelle Anlage

Die Anlage war professionell aufgebaut, mit Beleuchtung, Belüftung und Heiztechnik. Weil das Gebäude stark baufällig ist, musste zunächst das Technische Hilfswerk Decken und Böden sichern, bevor die Ermittler ihre Arbeit aufnehmen konnten.

Säckeweise werden im März 2025 die Cannabis-Pflanzen abtransportiert.

Säckeweise werden im März 2025 die Cannabis-Pflanzen abtransportiert. Foto: Neuendorf

Am folgenden Tag wurde die Plantage vollständig abgeerntet. Die Pflanzen wurden abgeschnitten, verpackt und abtransportiert. Dabei wurde auch bekannt: In der Umgebung war immer wieder Cannabis-Geruch wahrgenommen worden, konkrete Hinweise an die Polizei hatte es allerdings nicht gegeben. Auch der Strom für die Anlage war illegal beschafft worden. Nach Angaben der Stadtwerke wurde er am Zähler vorbei abgezapft. Vergleichbare Anlagen verbrauchen enorme Mengen Energie.

Für zusätzliche Brisanz sorgte ein Großeinsatz am Abend: Zwei Verdächtige flüchteten zunächst, wurden später aber im Stadtgebiet gefasst.

Im Oktober waren bereits zwei Männer zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Nun beginnt der Prozess gegen zwei weitere Verdächtige: Vor dem Landgericht müssen sich ein 21- und ein 30-jähriger Mann verantworten, beide sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen bandenmäßiges Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor.
 Insgesamt 843 Pflanzen werden laut Anklageschrift in dem Haus gefunden. 

Insgesamt 843 Pflanzen werden laut Anklageschrift in dem Haus gefunden. Foto: Neuendorf

Demnach sollen sie Teil einer größeren, arbeitsteilig organisierten Gruppe gewesen sein, die in Norddeutschland und darüber hinaus agierte.

Die beiden Angeklagten sollen vor allem logistische Aufgaben übernommen haben: Sie hätten mehrere Cannabis-Plantagen eingerichtet und betrieben sowie den Vertrieb organisiert. Zudem geht es in der Anklage auch um den Umgang mit erheblichen Mengen Kokain.

Bis zur polizeilichen Durchsuchung in Bad Harzburg am 27. März 2025 soll der 21-jährige Angeklagte mit den zwei weiteren, inzwischen verurteilten Personen, die Bad Harzburger Cannabis-Plantage mit insgesamt

843 Pflanzen betrieben haben. Er habe beabsichtigt, das durch die Aufzucht

gewonnene Cannabis mit einem Gesamtgewicht von mehr als 63 Kilogramm zu verkaufen. In einem weiteren Komplex geht es um mehr als 800 Pflanzen sowie Hunderte Setzlinge. Hinzu kommen größere Mengen gelagerter Drogen.

Mehrere Prozesstage

Der Prozess beginnt am Freitag, 17. April, um 11.30 Uhr. Mehrere Fortsetzungstermine sind bereits angesetzt und ziehen sich bis in den Juni hinein.

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