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Unternehmen in sechster Generation

GZ Plus IconZirkus Salino: Auftakt an der Bad Harzburger Rennbahn

Dustin und Josie Urban stehen mit sibirischen Kamelen in der Manege und lächeln ins Publikum.

Dustin und Josie Urban treten mit sibirischen Kamelen auf. Foto: Müller

In Bad Harzburg beginnt das Programm des Zirkus Salino. Wie der Auftakt war, was neu ist und warum der Familienbetrieb auf Wildtiere verzichtet.

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Von Friederike Julia Müller
Freitag, 30.01.2026, 18:00 Uhr

Bad Harzburg. An der Bad Harzburger Rennbahn beginnt das Programm des Cirkus Salino. Vom 29. Januar bis 8. Februar öffnet sich hier jeweils um 16 Uhr der Vorhang. Auch für die Artistin Michelle Sperlich. Sie lächelt, aber gibt zu, dass sie aufgeregt ist. „Die Aufführung mit dem Netz mache ich heute zum ersten Mal.“ Heute ist die erste Show der „gepflegten Tierschau“, wobei den Großteil menschliche Darsteller in die Manege bringen.

Michelle Sperlich zeigt die Zauberstäbe, deren Erlös in die Tierkasse fließt.

Michelle Sperlich verkauft die Zauberstäbe, deren Erlös in die Tierkasse fließt. Foto: Müller

Das Zelt bietet Platz für bis zu 1000 Zuschauer. Es sind einige Familien hier, aber die Reihen nur zur Hälfte gefüllt. Für Michelle Sperlich ist es etwas schade, aber „dieser Platz ist auch nicht ideal zu finden.“ Vielen bereite auch der Schnee Schwierigkeiten. Dass in Zeiten der Digitalisierung weniger Menschen in den Zirkus gehen, wirke sich ebenfalls auf den Familienbetrieb aus.

Wandel durch Digitalisierung

„Vor zehn Jahren waren hier mehr Familien“, erzählt sie. „Mit der digitalen Unterhaltung verändern sich auch die Kinder. Außerdem haben viele schon genug Programm nach der Schule, mit Sport, Instrumentenunterricht und allem.“ Sie selbst hat eine dreijährige Tochter, die nicht nur zuschaut, sondern mit den Erwachsenen auftritt. Mit Clown Peppino, der sich am Anfang in der Manege schminkt und am Ende abschminkt, begrüßt und verabschiedet sie das Publikum. Die Kinder im Publikum wirken neugierig und gespannt. Erst recht, als Dustin Urban die Manege mit vier Araberhengsten betritt. Er ist Michelle Sperlichs Schwager. Moderatorin der Show ist seine Frau Josie Urban. „Wir sind ein kleiner Familienbetrieb, meine Chefs sind auch meine Schwiegereltern“, erklärt die Artistin. „Wir machen das jetzt in sechster Generation.“ Dass der Zirkus nicht von einer größeren Backup-Crew getragen wird, ist auch einer der Gründe, warum sie keine Wildtiere halten.

„Das wäre vom Personal her, und auch finanziell, nicht machbar“. Auch das Tierwohl sei ein wichtiger Punkt. „Exotische Tiere bräuchten auch spezielles Futter und die Temperaturen wären für sie schwierig.“ Zum Ensemble gehören Pferde, Ponys, Kamele, Hunde, Bergziegen, Rinder, Lamas und sibirische Kamele. „Die sind das europäische Klima gewohnt“, sagt sie.

Wenn Pannen passieren

Als Sperlich selbst auftritt, wird es still. Sie zeigt ihre Luftakrobatik, gehalten durch eigene Körperspannung und ein Fischernetz. Das muss sie genau in den richtigen Momenten halten und in ihre Kunststücke einbinden, um nicht zu fallen und dem Takt der Musik zu folgen. Ihr vierjähriger Neffe sorgt für Lacher, als er in die Rolle von Clown Banane schlüpft, Peppino Streiche spielt und zwischendurch das Publikum einbezieht. Anthony Urban, Michelle Sperlichs Mann, lässt Stühle schweben. Reifenartistin Letitia passiert eine kleine Panne, aber die Show muss weitergehen. Genauso wie bei Dustin Urban, der jongliert und für die Tiere zuständig ist. Der Reifen oder der Ball wird aufgehoben, die Artisten machen mit einem Lächeln weiter.

Ponys laufen durch die Manege. Eins verweigert das Hindernis.

Die Ponys haben ihren eigenen Kopf. Foto: Müller

Was passiert, wenn bei den Tieren nicht alles glatt läuft? Nach mehreren Versuchen will ein Pony nicht springen und läuft immer am Hindernis vorbei. Dustin Urban schaut zur Moderatorin, die über die Situation lachen kann. „Er ist halt unser Kleinster“, sagt sie, und auch das Publikum nimmt es mit Humor. Der Artist begleitet die Ponys wieder hinter die Bühne, jetzt sei es ohnehin Zeit für eine Pause.

Trinkgeld für die Tiere

Die Familien dürfen durch den Artisteneingang, zur Tierschau. Hinter dem Zelt stehen die Pferdeboxen, Ziegen laufen auf dem Gelände frei herum und spielen mit dem Hund Akira. „Vor zehn Jahren haben auch mehr Kinder nach der Schule die Pferde geputzt“, sagt Michelle Sperlich. „Bei den Kindern sind die Schlange und Pferde am beliebtesten“, weiß Dustin Urban aus Erfahrung. „Die Schlange zeigen wir aber nur im Zelt, weil es draußen zu kalt ist.“

Dort sind viele Kinder fasziniert von dem Tier und dürfen es unter Aufsicht streicheln. Es folgen weitere Auftritte der menschlichen Darsteller. Anthony Urban spielt mit dem Feuer, Michelle Sperlich zeigt einen Balanceakt auf dem Silberseil. Die Artistenkinder sammeln Trinkgeld. „Das nehmen wir nicht für uns“, erklärt Josie Urban. „Das ist für unsere Tierkasse.“

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