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Bundesbank-Chef Nagel als Ehrengast

GZ Plus IconWas die Menschen beim Pancket über Goslar und die Welt erzählen

Mann in dunklem Anzug steht an einem Mikrofon vor einem Tisch mit Kerzenleuchter und mehreren Personen in einem festlich beleuchteten Raum

Bundesbank-Präsident Professor Dr. Joachim Nagel hält die Festrede beim 44. Goslarschen Pancket. Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner und Nagels frisch angetraute Ehefrau Juliane (r.) hören gut zu. Foto: Schenk

Beim Pancket treffen sich interessante Menschen, die etwas zu erzählen haben – darunter der frischverheiratete Ehrengast und ein Ex-Goslarer, der 71. Geburtstag feierte.

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Von Frank Heine
Samstag, 21.03.2026, 13:30 Uhr

Goslar. Wenn doch alle dienstlichen Termine so wären: Bundesbank-Chef Professor Dr. Joachim Nagel hat seine Rolle als Ehrengast beim 44. Goslarschen Pancket am Freitagabend in der Kaiserpfalz jedenfalls genossen. Und eine solch pompöse Ankündigung, wie er sie von Herold Gunnar Becker in der aula regis vor rund 180 Gästen bekam: Wie es wohl wäre, wenn er sie in Frankfurt jeden Morgen in der Bank einführte?

Ja, der Humor blitzte auch bei einem Mann des Geldes durch, der sich sonst mit weniger witzigen Herausforderungen herumzuschlagen hat und zu dessen größter Sorge im beruflichen Alltag die Preisstabilität im Lande und in Europa gehört. Ob neben einer „ausgezeichneten Stadtführung“ vorab zur guten Laune beigetragen hat, dass Nagel just acht Tage vorher geheiratet hat und mit Ehefrau Juliane am festlich gedeckten Pfalztisch saß? Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner (SPD) verriet dieses private Detail samt dem Zusatz: „Und immer noch glücklich.“ So habe es Nagel ihr verschmitzt anvertraut, den das Stadtoberhaupt als Chef der viertgrößten Zentralbank der Welt und „leidenschaftlichen Europäer“ in Goslar begrüßte.

Im Kräftespiel der Mächte

Und was das anging, hatte sie wahrlich nicht zu viel versprochen. Deutschlands oberster Währungshüter machte nicht nur Karl den Großen, den „Vater Europas“, wie er heute oft gesehen werde, auf den Wislicenus-Bildern in der Goslar Pfalz aus. Nagel beschwor mehr als einmal den Zusammenhalt auf dem Kontinent, um gewappnet zu sein etwa gegen „US-Zolleskapaden und die zunehmende Konkurrenz chinesischer Unternehmen in unseren Paradedisziplinen – jetzt heißt es Charakter beweisen“. Dies gelinge am besten, wenn die Mitglieder der Europäischen Union zusammenarbeiten. Einzelne Staaten hätten im internationalen Kräftespiel der Mächte kaum Chancen, ihre Sicht der Dinge gegenüber Supermächten durchzusetzen.

Die „kognitive Dissonanz“

Fast entrüstet und ärgerlich klang es, als Nagel abweichend von seinem Skript erklärte, es könne doch nicht sein, dass ein oder zwei Länder wiederholt Entscheidungen in Europa aufhielten und in erster Linie wohl Ungarns Premier Viktor Orbán meinte. Er diagnostizierte eine Art „kognitive Dissonanz“, wenn dies von Ländern käme, die selbst „maßgeblich die Hilfen der EU erhalten“ hätten. Der digitale Euro, eines von Nagels Leib- und Magenthemen, passt sich da ins Bild. Er soll als Ergänzung zum Barheld eine „echte europäische und europaweite Lösung“ bieten. Und sein ebenfalls nicht unspannendes Bekenntnis: „In Deutschland haben wir zu lange zu wenig über Wirtschaftswachstum gesprochen.“
Festlich gekleidete Gäste sitzen an langen Tafeln in einem prunkvollen Saal mit hohen Bögen und Kerzenleuchtern, während Köche mit weißen Hüten ein großes Tablett mit Speisen tragen.

Präsentation der Speisen: Der traditionelle Zug macht wie immer was her, muss aber auf lodernde Fackeln verzichten. Foto: Schenk

Die Wirtschaft – das richtige Stichwort: Um sie geht es beim Pancket in erster Linie. Kontakte knüpfen, über den Branchentellerrand blicken, Ideen austauschen und Entscheider kennenlernen – und dies alles bei einem schmackhaften Essen nach frühneuzeitlichen Rezepten. Für das Füllen der Teller sorgte zum zweiten Mal in Folge das „Roth Event Catering“ aus Isenbüttel mit hervorragendem Service, auch wenn sich die Speisenfolge in Vergleich zu den Vorläufern inzwischen gelockert hat. Am Freitag mussten die Gäste zudem erstmals auf ein Präsentieren der Speisen mit feurigen Fackeln verzichten. Offene Flammen wurden, so war zu vernehmen, auflagengemäß nur noch als Kerzenlicht auf den Tischen geduldet. Aber ob da farbig leuchtende Plastikstäbe tatsächlich eine sinnvolle Alternative sind?

Der Job am Bierfass

Wie auch immer: Schon seit dem Pancket-Start 1967 ist die Einbecker Brauerei ein treuer Partner. Nach dem Ainpöckisch gab es jetzt ebenfalls zum zweiten Mal einen Sondersud in die tönernen Bierkrüge – mit einem Alkoholanteil von 5,3 Prozent. Was waren das noch für Zeiten, als Zinsen in solchen Größenordnungen lagen... Präsident Nagel erledigte seinen Job am Fass in dieser Hinsicht so, wie manch sich einen (Bundes-)Banker vorstellt: Beim Anstich setzte er die ersten drei Schläge eher bedächtig und tastend, legte anschließend aber bei Frequenz und Kraft zu, bis das Bier lief.
Person in weißem Anzug mit Amtskette hält einen großen Krug neben einem Mann in traditioneller Kleidung mit einem Holzblock vor einem Fass, umgeben von weiteren Personen in einem Innenraum mit großen Fenstern

„O‘zapft is“: Der Einbecker Sondersud läuft. Herold Gunnar Becker, Stadtoberhaupt Urte Schwerdtner und Währungshüter Joachim Nagel (v.l.) erledigen ihren Job am Fass ohne Beanstandungen. Foto: Schenk

Und wie läuft es so in der Goslarer Wirtschaft? Schwerdtner hob das „vergleichsweise solide Fundament“ hervor, das die Stadt einer Vielfalt aus großen wie kleinen Betrieben, Traditionsunternehmen ebenso wie jungen, innovativen Firmen verdanke. Und sie wusste, was Goslar an ihnen hat: „Unsere Stadt lebt wirtschaftlich von Ihnen – den Goslarer Unternehmerinnen und Unternehmern in mehr als 2000 Firmen, überwiegend mittelständisch geprägt, fest verwurzelt hier in Goslar und zugleich offen für neue Entwicklungen.“ Sie sicherten Arbeitsplätze, bildeten aus, investierten vor Ort und trügen ganz wesentlich zur Stabilität und Zukunftsfähigkeit der Stadt bei. Die wiederum investiere gezielt in ihre Infrastruktur („auch wenn Sie es nicht immer gleich merken“), um Goslar als Wirtschaftsstandort zu stärken und weiterzuentwickeln.
Frau in schwarzem ärmellosem Kleid hält ein Blatt Papier und spricht in ein Mikrofon vor einem goldfarbenen Kerzenleuchter mit brennenden Kerzen

Knackige Rede zum Braten: Starck-Standortleiterin Juliane Saupe rät der deutschen Wirtschaft zur Resilienz. Foto: Schenk

Kurz und knackig vor dem Braten

Eine, die das Tag für Tag angeht, ist Juliane Saupe. Die Goslarer Standortleiterin der H.C. Starck Tungsten GmbH erledigte ihren Job als Bratenrednerin unter den Augen ihres Chefs Dr. Hady Seyeda mit Bravour. Wie unterhält jemand ein Publikum, das sehnsüchtig auf seinen mit Kümmel, Knoblauch und Wacholderbeeren gewürzten Rinderbraten wartet? Richtig: kurz, knackig, mit Pfiff und Hintersinn. Die Braten-Kernbotschaften der Managerin aus der Chemieindustrie: „Was ich genießen möchte, muss ich erstmal erwirtschaften.“ Diese Regel scheint ihr nicht mehr überall bekannt zu sein in Zeiten, in denen mehr über das Zerteilen des Braten geredet werde und nicht darüber, wie er auf den Tisch komme. Und zu den Lehren der letzten Jahre mit Pandemien und Kriegen auf dem Erdball: „Die Welt ist eben kein perfekt organisiertes Logistikzentrum.“

Die Wirtschaft müsse neben Effizienz eben auch auf Resilienz setzen und neue Wege beschreiten – Fortschritt entstehe durch Handeln, nicht durch Abwarten. Auch in der Stadt langer Geschichte seien Katastrophen wie Brände Auslöser von Modernisierung gewesen. Und Goslar habe sich über Jahrhunderte hinweg immer wieder neu erfunden.

Hahndorf-Lob für Hahndorferin

Für ihren Beitrag erhielt die Hahndorferin nicht nur viel Lob vom heimlichen Ortsbürgermeister und CDU-Fraktionschef Norbert Schecke, der – Magie der Sitzordnungsplaner – seinem Vienenburger und SPD-Pendant Martin Mahnkopf an der Tafel direkt gegenüber saß. Die Messer und Gabeln kamen im Vorkommunalwahlkampf dem Vernehmen nach aber nur auf dem Teller zum Einsatz. Wie auch sonst das Miteinander dem Anlass angemessen freundlich zugetan war.
Drei Personen in formeller Kleidung sitzen an einem gedeckten Tisch mit Gläsern, Flaschen und Kerzen in einem warm beleuchteten Raum.

Pancket-Fan und Geburtstagskind: Dr. Hubertus Hoffmann (r.) vollendet am Freitag das 71. Lebensjahr und freut sich zusammen mit Gattin Yvonne und Goslars Bürgermeister Axel Siebe, seinem früheren Mitschüler am Ratsgymnasium. Foto: Schenk

Wer wollte da das Frotzeln von Dr. Hubertus Hoffmann überbewerten? Der frühere Goslarer Förderpreisträger und CDU-Ratsherr vollendete am Freitag seinen 71. Geburtstag und hatte vorab mit Freunden von früher beim Italiener „Da Enzo“ gefeiert, ehe er den Pancket-Abend mit Ehefrau Yvonne an der Seite von Bürgermeister Axel Siebe verbrachte. Mit ihm hatte der Geburtstagsmensch sein Abitur 1974 am Ratsgymnasium gemacht. „Pro Goslar“-Vorsitzender Uwe Schwenke de Wall und CDU-Chef Mario Hoffmeister bauten ihr Reifezeugnis dort 1988 und konnten sich ein Lächeln nicht verkneifen, als Hoffmann süffisant die Leistungen von Wirtschaftsprofessor Dr. Jens Südekum pries, der als rechte Hand von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) aus dem milliardenschweren Sondervermögen ein Mini-Wachstum generiert habe. Ratsgymnasiasten unter sich: Südekum machte sein Abitur 1995. Vielleicht können sich alle vier beim 500. RG-Geburtstag 2028 einbringen?

Minus, Monopoly und die Musik

Die neue Direktorin Dr. Silke Köstler-Holste zählte auch zu den Gästen und saß dem CDU-Ratsherrn Bengt Kreibohm gegenüber. Der gelernte Steuerberater hatte noch den von Schwerdtner zitierten GZ-Vergleich von prognostiziertem Stadt-Minus 2026 (6,8 Millionen) und dem festgestellten Bundesbank-Verlust 2025 (8,6 Milliarden) im Ohr. „Das ist ja nicht mal eine Nachkommastelle.“ Die Bundesbank würde es wohl nicht einmal merken, wenn sie mal eben das Goslarer Haushaltsloch stopfte, hatte auch Schwerdtner philosophiert und ihrem Gast ein Goslar-Monopoly geschenkt. Dort ist der Weg zum Rathaus vorgegeben.
Zwei Personen in formeller Kleidung sitzen an einem gedeckten Tisch und halten gemeinsam ein Stück Brot

Teilen schon seit Jahrzehnten das Brot miteinander: Ehrenbürger Hans-Joachim und seine Ehefrau Helga Tessner sind fröhliche Pancket-Stammgäste. Foto: Schenk

Sie selbst folgte schon am nächsten Morgen dem Weg der Musik nach Berlin. Von dort kommen nämlich nicht nur die drei „Wolgemut“-Historienmusiker her, die das Pancket beschallten. Sondern dort stand am Abend auch die Premiere des Peter-Plate-Musicals „Wir sind am Leben“ im Theater des Westens an, die sich Schwerdtner nicht nehmen ließ. Der Goldene-Ton-Juror und frühere CvD-Gymnasiast freut sich über jede Unterstützung aus der alten Heimat.

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