Was die Menschen beim Pancket über Goslar und die Welt erzählen
Bundesbank-Präsident Professor Dr. Joachim Nagel hält die Festrede beim 44. Goslarschen Pancket. Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner und Nagels frisch angetraute Ehefrau Juliane (r.) hören gut zu. Foto: Schenk
Beim Pancket treffen sich interessante Menschen, die etwas zu erzählen haben – darunter der frischverheiratete Ehrengast und ein Ex-Goslarer, der 71. Geburtstag feierte.
Goslar. Wenn doch alle dienstlichen Termine so wären: Bundesbank-Chef Professor Dr. Joachim Nagel hat seine Rolle als Ehrengast beim 44. Goslarschen Pancket am Freitagabend in der Kaiserpfalz jedenfalls genossen. Und eine solch pompöse Ankündigung, wie er sie von Herold Gunnar Becker in der aula regis vor rund 180 Gästen bekam: Wie es wohl wäre, wenn er sie in Frankfurt jeden Morgen in der Bank einführte?
Ja, der Humor blitzte auch bei einem Mann des Geldes durch, der sich sonst mit weniger witzigen Herausforderungen herumzuschlagen hat und zu dessen größter Sorge im beruflichen Alltag die Preisstabilität im Lande und in Europa gehört. Ob neben einer „ausgezeichneten Stadtführung“ vorab zur guten Laune beigetragen hat, dass Nagel just acht Tage vorher geheiratet hat und mit Ehefrau Juliane am festlich gedeckten Pfalztisch saß? Oberbürgermeisterin Urte Schwerdtner (SPD) verriet dieses private Detail samt dem Zusatz: „Und immer noch glücklich.“ So habe es Nagel ihr verschmitzt anvertraut, den das Stadtoberhaupt als Chef der viertgrößten Zentralbank der Welt und „leidenschaftlichen Europäer“ in Goslar begrüßte.Dr. Joachim Nagel kommt als Ehrengast
GZ-Interview mit dem Bundesbankchef: Botschaften zum Pancket
Im Kräftespiel der Mächte
Und was das anging, hatte sie wahrlich nicht zu viel versprochen. Deutschlands oberster Währungshüter machte nicht nur Karl den Großen, den „Vater Europas“, wie er heute oft gesehen werde, auf den Wislicenus-Bildern in der Goslar Pfalz aus. Nagel beschwor mehr als einmal den Zusammenhalt auf dem Kontinent, um gewappnet zu sein etwa gegen „US-Zolleskapaden und die zunehmende Konkurrenz chinesischer Unternehmen in unseren Paradedisziplinen – jetzt heißt es Charakter beweisen“. Dies gelinge am besten, wenn die Mitglieder der Europäischen Union zusammenarbeiten. Einzelne Staaten hätten im internationalen Kräftespiel der Mächte kaum Chancen, ihre Sicht der Dinge gegenüber Supermächten durchzusetzen.
Die „kognitive Dissonanz“
Fast entrüstet und ärgerlich klang es, als Nagel abweichend von seinem Skript erklärte, es könne doch nicht sein, dass ein oder zwei Länder wiederholt Entscheidungen in Europa aufhielten und in erster Linie wohl Ungarns Premier Viktor Orbán meinte. Er diagnostizierte eine Art „kognitive Dissonanz“, wenn dies von Ländern käme, die selbst „maßgeblich die Hilfen der EU erhalten“ hätten. Der digitale Euro, eines von Nagels Leib- und Magenthemen, passt sich da ins Bild. Er soll als Ergänzung zum Barheld eine „echte europäische und europaweite Lösung“ bieten. Und sein ebenfalls nicht unspannendes Bekenntnis: „In Deutschland haben wir zu lange zu wenig über Wirtschaftswachstum gesprochen.“
Präsentation der Speisen: Der traditionelle Zug macht wie immer was her, muss aber auf lodernde Fackeln verzichten. Foto: Schenk
Präsidenten, Schlagersänger, Kanzler
Das Goslarsche Pancket und seine lange Liste berühmter Gäste
Der Job am Bierfass
Wie auch immer: Schon seit dem Pancket-Start 1967 ist die Einbecker Brauerei ein treuer Partner. Nach dem Ainpöckisch gab es jetzt ebenfalls zum zweiten Mal einen Sondersud in die tönernen Bierkrüge – mit einem Alkoholanteil von 5,3 Prozent. Was waren das noch für Zeiten, als Zinsen in solchen Größenordnungen lagen... Präsident Nagel erledigte seinen Job am Fass in dieser Hinsicht so, wie manch sich einen (Bundes-)Banker vorstellt: Beim Anstich setzte er die ersten drei Schläge eher bedächtig und tastend, legte anschließend aber bei Frequenz und Kraft zu, bis das Bier lief.
„O‘zapft is“: Der Einbecker Sondersud läuft. Herold Gunnar Becker, Stadtoberhaupt Urte Schwerdtner und Währungshüter Joachim Nagel (v.l.) erledigen ihren Job am Fass ohne Beanstandungen. Foto: Schenk

Knackige Rede zum Braten: Starck-Standortleiterin Juliane Saupe rät der deutschen Wirtschaft zur Resilienz. Foto: Schenk
Kurz und knackig vor dem Braten
Eine, die das Tag für Tag angeht, ist Juliane Saupe. Die Goslarer Standortleiterin der H.C. Starck Tungsten GmbH erledigte ihren Job als Bratenrednerin unter den Augen ihres Chefs Dr. Hady Seyeda mit Bravour. Wie unterhält jemand ein Publikum, das sehnsüchtig auf seinen mit Kümmel, Knoblauch und Wacholderbeeren gewürzten Rinderbraten wartet? Richtig: kurz, knackig, mit Pfiff und Hintersinn. Die Braten-Kernbotschaften der Managerin aus der Chemieindustrie: „Was ich genießen möchte, muss ich erstmal erwirtschaften.“ Diese Regel scheint ihr nicht mehr überall bekannt zu sein in Zeiten, in denen mehr über das Zerteilen des Braten geredet werde und nicht darüber, wie er auf den Tisch komme. Und zu den Lehren der letzten Jahre mit Pandemien und Kriegen auf dem Erdball: „Die Welt ist eben kein perfekt organisiertes Logistikzentrum.“
Die Wirtschaft müsse neben Effizienz eben auch auf Resilienz setzen und neue Wege beschreiten – Fortschritt entstehe durch Handeln, nicht durch Abwarten. Auch in der Stadt langer Geschichte seien Katastrophen wie Brände Auslöser von Modernisierung gewesen. Und Goslar habe sich über Jahrhunderte hinweg immer wieder neu erfunden.
Hahndorf-Lob für Hahndorferin
Für ihren Beitrag erhielt die Hahndorferin nicht nur viel Lob vom heimlichen Ortsbürgermeister und CDU-Fraktionschef Norbert Schecke, der – Magie der Sitzordnungsplaner – seinem Vienenburger und SPD-Pendant Martin Mahnkopf an der Tafel direkt gegenüber saß. Die Messer und Gabeln kamen im Vorkommunalwahlkampf dem Vernehmen nach aber nur auf dem Teller zum Einsatz. Wie auch sonst das Miteinander dem Anlass angemessen freundlich zugetan war.
Pancket-Fan und Geburtstagskind: Dr. Hubertus Hoffmann (r.) vollendet am Freitag das 71. Lebensjahr und freut sich zusammen mit Gattin Yvonne und Goslars Bürgermeister Axel Siebe, seinem früheren Mitschüler am Ratsgymnasium. Foto: Schenk
„Wir sind am Leben“ feiert Premiere
Peter Plate: Der „verwöhnte Goslarer“ und sein Berlin-Musical
Minus, Monopoly und die Musik
Die neue Direktorin Dr. Silke Köstler-Holste zählte auch zu den Gästen und saß dem CDU-Ratsherrn Bengt Kreibohm gegenüber. Der gelernte Steuerberater hatte noch den von Schwerdtner zitierten GZ-Vergleich von prognostiziertem Stadt-Minus 2026 (6,8 Millionen) und dem festgestellten Bundesbank-Verlust 2025 (8,6 Milliarden) im Ohr. „Das ist ja nicht mal eine Nachkommastelle.“ Die Bundesbank würde es wohl nicht einmal merken, wenn sie mal eben das Goslarer Haushaltsloch stopfte, hatte auch Schwerdtner philosophiert und ihrem Gast ein Goslar-Monopoly geschenkt. Dort ist der Weg zum Rathaus vorgegeben.
Teilen schon seit Jahrzehnten das Brot miteinander: Ehrenbürger Hans-Joachim und seine Ehefrau Helga Tessner sind fröhliche Pancket-Stammgäste. Foto: Schenk
Sie selbst folgte schon am nächsten Morgen dem Weg der Musik nach Berlin. Von dort kommen nämlich nicht nur die drei „Wolgemut“-Historienmusiker her, die das Pancket beschallten. Sondern dort stand am Abend auch die Premiere des Peter-Plate-Musicals „Wir sind am Leben“ im Theater des Westens an, die sich Schwerdtner nicht nehmen ließ. Der Goldene-Ton-Juror und frühere CvD-Gymnasiast freut sich über jede Unterstützung aus der alten Heimat.
„Wir sind am Leben“ feiert Premiere
Peter Plate: Der „verwöhnte Goslarer“ und sein Berlin-Musical
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