Lochtumer Bürgerinitiative gegen Windkraft informiert über Pläne
Florian Graffenberger (links) und Jörg Blecker referieren beim Informationsabend der Bürgerinitiative "Windkraftfreier HarzBlick" im Lochtumer Dorfgemeinschaftshaus. Foto: Privat
Die Bürgerinitiative „Windkraftfreier HarzBlick“ lud zum Info-Abend nach Lochtum ein. Vor allem wies sie auf die bevorstehende Auslegung der Windenergie-Pläne hin.
Lochtum. Rund 60 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung der Bürgerinitiative „Windkraftfreier HarzBlick“ zu einer Informationsveranstaltung über das Windprogramm 2025 des Regionalverbands Großraum Braunschweig. Im Mittelpunkt der Veranstaltung im Lochtumer Dorfgemeinschaftshaus standen die aktuellen Pläne, die bevorstehende zweite Auslegung und die Frage, wie Bürgerinnen und Bürger jetzt noch Einfluss auf die Planung von Windenergiegebieten nehmen können. Auch Vertreter weiterer Bürgerinitiativen nahmen an der Veranstaltung teil und brachten ihre Erfahrungen ein.
Florian Graffenberger, ein Sprecher der Bürgerinitiative „Windkraftfreier HarzBlick“, erläuterte den aktuellen Stand des Planungsverfahrens und machte deutlich, dass die Zeit zum Handeln gekommen sei. Die zweite Auslegung des Windprogramms 2025 wird in den nächsten Tagen erwartet.
Möglichkeit zu individuellen Einwänden
Dann haben Bürgerinnen und Bürger erneut die Möglichkeit, Stellungnahmen zu den Planungen einzureichen. Die Initiative betonte, dass insbesondere individuelle und sachlich begründete Einwände wichtig seien, um auf die Planung Einfluss zu nehmen.
Unter dem Motto „Genug ist genug“ verwies Graffenberger unter anderem auf den Umfang des Windenergieausbaus in Deutschland und Niedersachsen. Inzwischen stünde etwa jedes fünfte Windrad Deutschlands in Niedersachsen. Auch die Probleme von Netzengpässen und der daraus resultierenden Abregelung von Windenergieanlagen wurde thematisiert. Die Initiative stellte dabei die Frage, wie sinnvoll ein weiterer Ausbau von Windenergieanlagen in windärmeren Binnenlandregionen wie dem Landkreis Goslar ist, wenn die vorhandenen Stromnetze die erzeugte Energie zeitweise nicht aufnehmen können.
Erfolgsmeldung aus der Nachbarschaft
Außerdem berichtete Jörg Blecker, Vorstandsmitglied des Vereins Kulturlandschaftsschutz Gifhorn-Helmstedt, über die Erfahrungen seiner Bürgerinitiative. Ihr war es gelungen, sich erfolgreich gegen die Ausweisung eines betreffenden Windenergie-Planungsgebiets zur Wehr zu setzen. Mit Unterstützung einer Anwaltskanzlei wurden nach Angaben Bleckers unter anderem schwerwiegende Formfehler im Planungsverfahren aufgedeckt. Die Initiative konnte damit erreichen, dass das betreffende Gebiet in den Planungen nicht weiter berücksichtigt wird – und somit dort der Bau zusätzlicher Windenergieanlagen verhindert werden konnte.
Blecker schilderte, wie wichtig es gewesen sei, die Planungsunterlagen genau zu prüfen, fachliche Argumente zusammenzutragen und rechtliche Möglichkeiten konsequent auszuschöpfen.
Der Erfolg der Initiative soll nach Ansicht von „Windkraftfreier HarzBlick“ auch anderen Bürgern Mut machen: Wer die Ausweisung weiterer Windenergiegebiete verhindern oder verändern möchte, sollte die anstehende Beteiligungsmöglichkeit nicht verstreichen lassen.
Bedeutung des Artenschutzes
Einen weiteren Schwerpunkt bildete der Artenschutz. Der Ornithologe Dirk Hentschel informierte über die Vogel- und Insektenwelt und die möglichen Auswirkungen von Windenergieanlagen auf geschützte Arten. Er erklärte die Bedeutung des Artenschutzes und machte deutlich, welche naturschutzfachlichen Aspekte bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen berücksichtigt werden müssen und worauf genauestens zu achten sei.
Nach den Vorträgen entwickelte sich eine rege Diskussion. Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, Fragen zu den Planungen, zum Artenschutz und insbesondere zum bevorstehenden Beteiligungsverfahren zu stellen.
„Windkraftfreier HarzBlick“ appelliert deshalb an die Bürger, jetzt aktiv zu werden. Mit der zweiten Auslegung vom 20. August bis einschließlich 1. Oktober 2026 beginne eine wichtige Phase des Planungsverfahrens. Wer Bedenken gegen konkrete Windenergiegebiete habe, solle diese nicht nur allgemein äußern, sondern mit eigenen, individuellen und nachvollziehbar begründeten Einwänden in das Verfahren einbringen. Die Unterlagen zum Teilprogramm Windenergie 2. Entwurf 2026 werden über das Amtsblatt des Regionalverbands unter www.regionalverband-braunschweig.de/amtsblatt-bekanntmachung öffentlich bekannt gemacht.
„Wir wollen nicht erst vor vollendeten Tatsachen stehen. Wer die Entwicklung unserer Landschaft mitgestalten will, muss jetzt von seinem Recht auf Beteiligung Gebrauch machen. Wegschauen hilft nicht – sachlich begründete Einwendungen sind gefragt“, so Graffenberger.

Bald auch bei Lochtum? Die Bürgerinitiative möchte einen Windpark in der Nähe verhindern. Foto: Patrick Pleul/dpa/ZB
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